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Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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Beschreibung
Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt täglich frische Nachrichten aus dem Kneipen- und Szene-Viertel Dresden-Neustadt. Damit es nicht langweilig wird, werden diese mit Hintergründen, Albernheiten, Gerüchten, Klatsch, Tratsch, Tests und heißen Diskussionen aus der Äußeren Neustadt vermischt. Und natürlich gibt es hier die besten Informationen über die Bunte Republik Neustadt.

Artikel-Schlagworte: „Namen“

Von fetzigen Namen und den hinteren Buchstaben

Fassungslos stehe ich vor einem Laden mit gleichem Namen. Im ersten Moment glaube ich, dass hier jemand einem Relikt aus längst vergangener Zeit huldigen will. Immerhin war das „Stillos“ im Hechtviertel wohl eine der ersten Szene-Kneipen in der Neustadt. Aber seit mindestens zwölf Jahren Geschichte. Im zweiten Moment erschließt sich mir der Name dann genauer. „Fassungslos“ ist der Name eines ziemlich neuen Ladens für Brillenfassungen, ein Optiker, mitten auf der Alaunstraße. An dieser Stelle werden schon seit geraumer Zeit Lesehilfen verkauft, nur bisher unter dem schnöden Namen „Optiker Kaden“, vielleicht zieht es jetzt besser. Passt auf jeden Fall besser zum trendig, flippig und jugendlichen Stil, den einige Teile der Neustadt wohl verkörpern wollen.

Wenige Schritte weiter protzt eine Kneipe mit dem Namen „Kraftwerk“, ein Fußbekleidungsladen um die Ecke war gleich ein ganzes „Schuhwerk“. Das Werk im Namen bekommt dem Umsatz aber offenbar weniger, den ersteres hat seit geraumer Zeit geschlossen und aus dem Schuhwerk wurde das „Xanadu“. Dieser sehr hippe Laden verkörpert einen weiteren Trend. Die hinteren Buchstaben des Alphabetes sind ziemlich angesagt. Das Klamottengeschäft „Brozzzas“ braucht gleich drei davon und weder im „Max“ noch im „Nubeatzz Club“ ist man hintendran.

Ein Garant für Erfolg sind solche Namen nicht, weder Frizör noch Living XO haben sich durchgesetzt. Aber die Zeiten, als Kneipen noch wie Kneipen hießen, sind in der Neustadt längst vorbei. Kein „Goldenes Hufeisen“ lockt mehr, keine „Goldquelle“, keine „Lutherklause“. Ausnahmen, wie das „Bautzner Tor“ am Rande des Szene-Viertels, werden hier locker von der Hand gewiesen. Dem Autor sei eine kleine Traurigkeit zugestanden. Doch Moment mal, wer hat eigentlich diesen Trend losgetreten? Wer hat damit angefangen, merkwürdigen Etablissements merkwürdige Namen zu geben? Und wer ist damals eigentlich immer in die „Planwirtschaft“, die „Bronxx“ und in die „Hundert“ gegangen? Also Herr Launer, mal schön selbst an die Nase fassen.

Anmerkung 2007: Der Brillen-Laden (Alaunstraße 22) heißt seit einer kleinen Weile Eyesdiele.