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Dresden Neustadt von Anton Launer

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Trauriges Lächeln

Morgenbild-Fotograf Marc McLovin entlockte dem traurigen Mädchen ein Lächeln.

Morgenbild-Fotograf Marc McLovin entlockte dem traurigen Mädchen ein Lächeln. Anklicken zum Vergrößern.

Von roten Weihnachtssternen und einem offenen Sommergarten

Das wilde Treiben hat begonnen, die Jagd ist eröffnet. Wer sich jetzt noch nicht auf den Weg zu den Geschenken gemacht hat, der wird wohl auf der Strecke bleiben. Alle Signale stehen jetzt auf rot, auch die Neustadt ist seit dem Wochenende in dieses Licht gehüllt. Fast so rot und warm wie gewisse Viertel in Amsterdam. Dort, wo das rote Licht auch im Sommer nicht ausgeht. Ein ungerechter Vergleich, denn hier sind die Quellen der Röte ordentlich gezackt und hingehängt, Sterne eben – Weihnachtssterne, sie sollen optische Anreize geben, Kauf- und Schenkanreize. Sie schreien förmlich von den Drähten, auf die sie gespannt sind: „Kauft ein Leute, bevor es zu spät ist.“ Doch manchmal sind sie auch einfach nur schön, schließlich ist Advent. Eine merkwürdige Zeit ist es schon mit allen ihren Freuden, Vorfreuden, Plagen und Ärgernissen.

Die Menschen auf der Straße sind im Schein des roten Lichtes irgendwie freundlich, selbst mir huscht ab und an ein Lächeln übers Gesicht. Neulich etwa, als ich glaubt, den Weihnachtsmann zu sehen, den dicken, alten Mann mit Bart. Doch als er auf mich zu kam, wurde er kleiner, schmaler und viel jünger, auch der Bart war plötzlich verschwunden. Die rote Zipfelmütze auf dem Kopf einer jungen, recht energischen Frau hatte mich so verwirrt, dass ich den Rest der Person sofort in das Klischee der Weihnachtsgeschichten stopfte.

Auf diese Weise verwirrt setzte ich meinen Weg durch die Nacht fort. Schmunzelnd stapfte ich vor mich hin, die Sebnitzer Straße entlang. Entrüstet bleibe ich stehen, sind denn meine Sinne schon vollkommen vernebelt. Kann ich durch den Weihnachtsdampf gar nichts mehr sehen. Zwei Schritte vor, doch da steht es in fetten Lettern: „Sommergarten geöffnet.“ Ein Transparent an einem italienischen Restaurant, es wirkt wie frisch aufgehängt und flattert leicht im Winterwind. Ein Blick durch die Scheiben zeigt, dass die Nudelstube geöffnet ist. Doch darin ist kein Mensch zu sehen. Eine Erklärung liegt nahe, auch der freundliche Italiener stellt seine Signale. Ein offener Sommergarten erinnert an Wärme, Wärme erinnert an den Urlaub im Süden. Und der Süden, das ist Pizza, Rotwein und Nudeln und die gibt es hier.

Von kurzen Wegen und langen Schlangen

Es gibt so Tage, da bin ich richtig froh in der Neustadt zu wohnen. Wenn ich aus dem Haus trete und weiß, heute bleibt das Auto stehen, ich gehe zu Fuß. Vormittags durch die Neustadt zu schlendern, bringt immer gute Stimmung. Ich spaziere vorbei an den langen Autoschlangen auf der Rothenburger Straße. Die Abgase nehme ich locker in Kauf. Ein Lächeln huscht mir über das Gesicht, überlegen bin ich doch. Meine Füße berühren kaum den Boden darunter und im Angesichte solchen Glücks verweile ich und zweifle ob der Mobilität – Wahnsinn ohnegleichen.

Wende mich um und staune, riesige Schuhe, nein einer nur, steht im Balkon. Wirbt, wofür? Auf der Böhmischen Straße steht Thomas vor seinem Schuhladen, neue Treter bräuchte ich auch einmal. Dann ein Ruck, lautes Klingeln, es ist nicht gut auf den Schienen zu stehen. Weiter muß ich auf einmal, denn die Wolken sind vor mein Gesicht gezogen. Mit lautem Tatütata umkreist mich die Polizei – scheinbar. Schnell verlasse ich dieses Treiben biege in die Böhmische Straße und sofort in den Hinterhof, zum Nordbad hin. Entspannung macht sich breit. Gedanken durchqueren meinen Schädel.

Noch schnell Kaffee kaufen – eigentlich könnte ich Otto mal wieder besuchen. Günter Otto, auf der Schönfelder Straße, immerhin einer der ältesten Lebensmittelläden der Stadt. Otto strahlt, wie immer. Einer der Ruhepunkte dieses Viertels, das pulsiert und hämmert, kreischt und bunt sein will. Bunt wie die Bettler auf der Alaunstraße, „Haste mal paar Groschen“ – auch Punker werden bescheidener. Vor dem Basar, in der Louisenstraße, sehe ich Petra, die liest, wie immer, und bestaunt die Autos, die am liebsten ineinander kriechen würden. Der kürzeste Weg ist immer noch zu Fuß.

Hallo und schönen Tag, ich ziehe meine Runden, ein Päusschen gefällig, „Herr Rosso und sein Hund“ lockt mit Espresso und genüsslichem Blick auf die Straße, gegenüber beobachtet ein alter Mann das Geschehen. Ein Kissen für die Gemütlichkeit auf dem Fensterbrett. Heimwärts treibt es mich, in drei Minuten bin ich da. Nichts zu suchen, war mein Sinn.


Anmerkungen 2012:
Die Neustadt wandelt sich. Aus Günter Ottos Lebensmittelladen ist jetzt ein Schwangeren-Beratungsstudio namens “Lebensmitte” geworden. (Neustadt-Geflüster vom 17. Dezember 2008). Im Basar werden seit geraumer Zeit unter dem Namen “Tranquillo” Klamotten verkauft (Neustadt-Geflüster vom 16. Januar 2002). “Herr Rosso und sein Hund” ist jetzt zum Kulturschutzgebiet geworden (Neustadt-Geflüster vom 14. Dezember 2004). Aber den Schuhladen mit dem riesigen Treter gibt es aber immer noch und auch Thomas verkauft auf der Böhmischen noch selbige.

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Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt täglich frische Nachrichten aus dem Kneipen- und Szene-Viertel Dresden-Neustadt.

Damit es nicht langweilig wird, werden diese mit Hintergründen, Albernheiten, Gerüchten, Klatsch, Tratsch, Tests und heißen Diskussionen aus der Äußeren Neustadt vermischt.

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