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Ein Abend in der Kneipe
Neulich auf dem Marktplatz des Neustädter Gelichters. Ein paar Herren in gesetztem Alter und eine Dame beratschlagen, wohin man denn jetzt gehen könne. Etwas wärmer solle es sein, denn der Glühwein kommt offenbar gegen die Minusgrade nicht an. Nach einer kleinen Weile ist die Entscheidung gefallen: Ab in die Planwirtschaft. Im Keller soll man noch rauchen dürfen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Reise nach Jerusalem
Das Ordnungsamt greift durch und was dabei herauskommt, gleicht einem Gesellschaftsspiel (und ist es irgendwie auch). “Reise nach Jerusalem” heißt das Spiel. Nach und nach wird dabei die Zahl der Sitzplätze reduziert, um die sich eine zu große Spielerzahl “streitet”. Wer dabei immer genau dort steht, wo es keinen Stuhl gibt, hat verloren. So geht es neuerdings den Gästen vor mancher Neustadtkneipe. Während die Zahl der Sitze (etwa auf der “Görlitzer”) ab einer bestimmten Zeit rapide reduziert wird, haben die Mitspieler bei der “Reise nach Jerusalem” anderswo mehr Glück und länger Sitzgelegenheiten. Vor allem dort, wo die ebendiese (wie etwa mancherorts auf der Louisenstraße) viel zu sperrig sind, um überhaupt weggeräumt werden zu können. Fragt sich, warum dieses Spiel nicht überall und zur gleichen Zeit gespielt wird und ob es überhaupt sein muss. Oder ist die Neustadt vielleicht deshalb die Neustadt, weil immer und überall auch draußen gefeiert werden kann?
Von alten Kneipen
Am kommenden Sonnabend wird in der Äußeren Neustadt mal wieder ein Kneipenfest gefeiert. Jetzt schon zum neunten Mal. Früher hieß das mal Kneipen- und Kulturfest. Naja, die Kultur ist wohl auf der Strecke geblieben. Für mich aber mal ein guter Anlass einen genaueren Blick auf die Neustädter Kneipenlandschaft zu werfen. Die Straßen zwischen Albertplatz und Bischofsweg werden in fast jedem Reiseführer als Szene-Viertel geführt. Der Ursprung dessen liegt in den späten 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals bevölkerten wilde Studenten, Alternative, Langhaarige und Punks zunehmend die heruntergekommenen Altbauten. Und nach ersten geheimen Treffs in Wohnzimmern entstanden Ende 1989 die ersten Szene-Kneipen wie das Stillos im Hechtviertel, die Bronxx auf der Alaunstraße, das Tivoli auf der Louisenstraße oder das La Mitropa auf der Böhmischen. Herrliche Zeiten für Hobby-Wirte. Die DDR-Staatsmacht war zusammengebrochen und von der Einheit war noch nix zu spüren. Kein Hygiene-Amt, das kontrollierte, keine Steuereintreiber. Man konnte einfach ne leer stehende Wohnung besetzen, ein paar Tee-Kisten hineinstellen, wilde Graffitis an die Wände sprühen und fertig war die Kneipe. Doch auch damals schon gab es Gourmet-Tendenzen. Im La Mitropa beispielsweise standen zwar auch die obligatorischen Kisten vor besprühten Wänden, jedoch gab es sehr oft sehr leckeres Essen. Diesen Beitrag weiterlesen »
In der Menge ertrunken
Nicht so richtig sicher auf den Beinen schwankt der Punk zu der weißen Limousine. „Eh, Alter, so ´ne Kutsche möchte ich auch mal fahrn, ist ja voll geil, eh.“ Der Mann im 15-Meter-Cadillac macht gute Miene zum bösen Spiel. Zwei der Prachtkarossen wollen durch die Neustadt kreuzen. Aber an der Görlitzer/Ecke Louisenstraße ist dann Schluss mit dem fröhlichen Gekreuze.
Denn hier lauert schon die Straßenbahn. Ein kleiner silberner Renault machte sich auf den Schienen breit, vom Abschleppdienst keine Spur. Sämtliche Fahrgäste tummelten sich teils amüsiert, teils aufgeregt auf der Straße. Angereichert wurde das bunte Gemisch von einigen Punks und schlendernden Studenten, die inzwischen die Suche nach freien Kneipenplätzen aufgegeben hatten.
Die Straßebahnfahrerin, leicht am dunkelroten Jackett zu erkennen, lehnt verzweifelt an dem Schienen-Blockier-Renault. Aus der Studio-Bar klingt leise Musik, auch dort ist kein Stehplatz mehr frei. Was ist los in der Neustadt, wer hat nur all die Menschen hergelockt?
Ein Festival soll es sein. „Allez Europa“ – mit Bands und Kunst in Kneipen. Tatsächlich, im Blue Note gibt es Live-Musik. Auch in anderen Bars ist richtig was los. Große Transparente haben seit Tagen auf das Fest hingewiesen. Es scheint kein Problem zu sein, die Neustadt voll zu bekommen. Laut Ankündigung machen über 50 Kneipen mit. Was ist passiert, sind sich die Kneiper neuerdings mal einig, neue Töne aus dem Szene-Viertel. Doch der Schein trügt: Organisator Andreas Preuß hat bei weitem nicht alle Kneipen unter einen Hut bekommen, seine Methode ist etwas anders. Das Motto lautet, erst mal machen und dann sehen was kommt. Das mag nicht jeder, leicht entsteht da der Ruf des Abzockers, doch wie deutlich zu sehen ist, funktioniert es.
Inzwischen hat der Cadillac gewendet. In schlappen sieben Zügen unter dem Gejohle der Massen, der Chauffeur wird sich einen neuen Job wünschen. Die Straßenbahnfahrerin hat neuen Mut gesammelt, nutzt die kleine Pause, um ein Zigarettchen zu schmauchen und die Menschenmenge verteilt sich auf die umliegenden Straßen.
Von Hoch-Zeiten und Tiefpunkten
Beim ausgedehnten Bummeln durch die Neustadt entdecke ich immer wieder kleine und große Veränderungen. Dass an der Alaunstraße ein toller neubau hochgezogen wird, müsste eigentlich allen Neustadt-Besuchern aufgefallen sein. Die Räume im Erdgeschoss sind nahezu ideal um dort eine Kneipe einzurichten. Und richtig, schon kursiert das Gerücht, dass dort eine altbekannte Cocktailbar neu aufmachen soll.
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