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HiPhi spielt Militärmärsche in der Groovestation
Was tun, wenns brennt? “Brennen lassenn!” – so hieß es zumindest in dem Film mit Star-Mime Till Schweiger. Anders in der Neustadt, hier wird anlässlich eines Brandes gleich ein ganzes Bühnenprogramm umgestaltet. Denn die Groovestation lockt mit folgenden Worten zum Besuch der heutigen Abendveranstaltung: “Aus Gründen persönlicher Anteilnahme wird die Musikformation HiPhi anläßlich des heutigen Funky Wednesday die Top 40 der beliebtesten Militärmärsche intonieren. Geschickt camouflagiert im Funk & Soul Sound wird abgegroovt, bis die Hütte brennt. (oops…)”
Das ganze kostet nix und beginnt um 22 Uhr.
Ermittlungsstand im Fall Förstereistraße
Inzwischen konnte die Polizei die Tatzeit eingrenzen, die Beamten gehen von ca. 21.30 Uhr aus. Kriminaltechniker untersuchten die Wohnung der am Mittwoch tot aufgefundenen 84-Jährigen. Sie sicherten die Spuren, die in den nächsten Tagen ausgewertet werden. Parallel dazu befragten Ermittler die Nachbarschaft. Ein Motiv für das Gewaltverbrechen konnten sie noch nicht in Erfahrung bringen. Die Rentnerin starb an den Folgen der Gewalteinwirkung gegen ihren Oberkörper und Kopf.
Die Polizei sucht weiterhin nach Zeugen.
Von erregten Bürgern und lautem Streit
Der große Saal im Gemeindezentrum Emmaus auf der Katharinenstraße ist voll. Alle Sitzplätze sind belegt, an den Türen herrscht großes Gedränge. Vorn ein Podium, mit dabei der Ordnungsbürgermeister und der Odrnungsdezernent.
Damit ist auch das Thema klar: Es geht um Ordnung, vor allem auf der Alaunstraße. Der Mann von der Stadtverwaltung, korrekt und sauber gekleidet, berichtet von Erfolgen. Schlagworte fallen: Beutelspender, Reinigungszyklen. Erstere wurden aufgestellt, um dem Hundekot Herr zu werden, zweitere einfach erhöht (mäßiger Applaus). Dennoch sei das Problem mit den Punkern auf der Alaunstraße bekannt. Es gelte, Lösungen zu finden (starker Applaus).
Ein junger Mann, buntes Haar, schmuddlige Kleidung, ergreift das Wort. Er bekomme nichts vom Staat und müsse deshalb auf der Straße leben. Auch würde er persönlich niemanden stören (zustimmende Pfiffe und Gejohle).
Dann ergreift ein älterer Mann mit gestreiftem Hemd und Notiz-Zettel das Wort. Die Punker seien eine Zumutung (Applaus), die Hunde gefährlich (starker Applaus und Zwischenrufe) und der Dreck unerträglich. (Zwischenruf: „Dann zieh doch weg, du Spießer.“)
Die Stimmung heizt sich immer mehr auf. Anwohner und Ladenbesitzer auf der einen Seite, die Punker und Straßenkinder auf der anderen. Der Geschäftsführer vom Spar-Markt zeigt auf einen der Schmuddel-Fraktion: „Und du hast an das Tor uriniert.“ Der rastet aus, droht mit Schlägen, kann nur mühsam zurückgehalten werden. Die Versammlung wird abgebrochen, ein großer Teil der ordentlichen Fraktion verlässt den Raum.
Alles umsonst? Sind die Menschen in der Neustadt nicht in der Lage, aufeinander zu zugehen? Eine beherzte Frau mittleren Alters reißt das Wort an sich, erzählt, dass sie mit einigen der Punker ganz gut zurecht kommt, dass nicht alle so sind. Ermahnt sie mütterlich: „Ich müsst uns aber auch verstehen!“
Dann einer aus der anderen Fraktion: „Ist ja klar, bloß irgendwo müssen wir ja bleiben!“ (Die Beifallsbekundungen haben aufgehört)
Vom BRN e.V. kommt ein Vorschlag: „Die Fronten sind ja klar, die Vorstellungen auch.“ Jetzt sollte sich eine kleine Gruppe finden, mit Vertretern aller Fraktionen und nach Lösungen suchen.
Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis.
Von greller Reklame
Grellbunt blinkt die Alaunstraße. Werbetafeln schreien: Kauf hier! Los, komm rein! Hier zuerst! Mit Macht und vielen Farben prägen sie inzwischen das Straßenbild. Allein sieben verschiedene Tafeln weisen auf den Fast-Food-Laden Kilim an der Ecke zur Katharinenstraße hin. Das gesamte Angebot ist hier schon von außen zu erkennen.
Inzwischen gibt es vor fast jeder Kneipe solche leuchtenden Schilder. Aber auch diverse Läden machen Außenreklame. Auf der Rothenburger Straße stand lange Zeit ein riesiger Schuh in einem Balkon, um auf das Fußbekleidungs-Angebot im Erdgeschoss hinzuweisen und der Surfer-Shop Hang Loose in der Louisenstraße hat ein Segel rausgehängt.
Ganz groß raus kommt zurzeit das Haus auf der Königsbrücker Straße gegenüber der Linden-Apotheke. Dort wird saniert und das Baugerüst ziert eine überdimensionale Blondine, die mit kokettem Lächeln für Computerspiele im Internet wirbt.
Doch viel interessanter als die großen Plakate und die Leuchttafeln sind die kleinen Zettel, die verschämt in den Schaufenstern kleben. Hier ein Räumungs- dort ein Ausverkauf. Meist deutliche Hinweise auf eine anstehende Schließung. Auch manche Kneipe begrüßt die Gäste statt mit Bier und anderen Leckereien manchmal mit einem schnöden Zettel: „Aus technischen Gründen bis auf weiteres geschlossen.“ Auch Um- oder Ausbaumaßnahmen werden meist nur verschämt angekündigt. Dafür prangt an manchem Laden schon seit Monaten in dicken Lettern: „Neueröffnung.“ Wenn das kein Argument ist.
Außer den Zetteln an den Schaufenstern gibt es noch die an Autos. Fälschlicherweise werden sie Flugblätter genannt, denn meistens sind sie ordentlich unterm Scheibenwischer festgeklemmt. Rekord nach einer Nacht waren fünf Zettelchen, davon drei, die mich aus der Neustadt fortlocken wollten. Nicht mit mir.


