Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „hausbesetzung“

Nachtrag Hausbesetzung im Hechtviertel


Mit diesem Flyer hatten die Besetzer ihre Aktion angekündigt. Am Abend traf die Polizei ein und sperrte das Gelände um die Hechtstraße 7 weiträumig ab. Der untere Teil der Straße und auch der Bischofsplatz waren für Passanten gesperrt. Straßenbahnen mussten umgeleitet werden. Kurz nach 22 Uhr räumte die Polizei das Haus, von 14 Hausbesetzern und 4 Hausbesetzerinnen wurden die Personalien aufgenommen. Gegen 23 Uhr war die Aktion beendet und kurz nach Mitternacht wurden die Straßen wieder frei gegeben.
Hausbesetzungen in der Neustadt haben eine gewisse Tradition, vor fast genau zwei Jahren wurde das ehemalige Deutsche-Bank-Gebäude auf der Königsbrücker Straße besetzt (siehe hier).

Hausbesetzung im Hechtviertel

Heute wurde das Haus in der Hechtstraße 7 besetzt. (siehe Bild) Wie ich soeben erfahren habe, wird es am heutigen Abend seit etwa 22 Uhr von einem Sondereinsatzkommando der Polizei wieder geräumt. Während der Aktion haben die Besetzer Flyer verteilt, um zu den Hintergründen der Aktion zu informieren. In den Flyern richten sich die Aktivisten gegen die Gentrifizierung des Viertels, namentlich wird der Bau des neuen S-Bahnhofs am Bischofsplatz kritisiert. Das Haus gehört zum Bundeseisenbahnvermögen und steht derzeit zum Verkauf. Siehe hier.

Von Hausbesitzern und Hausbesetzern


Am Wochenende haben wieder mal ein paar Jugendliche Häuser besetzt. Mancher dachte schon, dieses Kapitel der Neustadt-Geschichte wäre seit ein paar Jahren endgültig geschlossen. Nun blüht er noch mal auf, der illegale und kriminelle Ruf der Neustadt. Ein Ruf, der schon vor über 15 Jahren entstanden ist und Manchen von der anderen Elbseite immer noch davon abhält, hier her zu kommen.
Hausbesetzungen haben in der Äußeren Neustadt eine lange Tradition. Schon zu Zeiten der strengen Kontrolle und Wohnungsknappheit in der DDR gab es hier die ersten Schwarzmieter. Meist waren es Studenten, die nicht in den Acht-Bett-Zimmern der Plattenbau-Wohnheime nächtigen wollten. Aber auch Künstler und Intellektuelle zog der verfallene und illegale Charme der Neustadt an.
Nach der Wende besetzten Jugendliche ganze Häuser, um darin zu wohnen, zu feiern und eine neue Revolution zu planen. Die Häuser auf dem Bischofsweg, der Louisen- und Lutherstraße waren berühmt und berüchtigt. Die Pläne sind gescheitert, die Häuser legalisiert, die Jugendlichen angepasst und die große Revolution wird eingestellt. Nadelstreifenträger haben die ganze Neustadt vermarktet. Die ganze – Nein noch gibt es Nischen, Nischen mit Mietergenossenschaften und begrünten Dächern, soziale Vereine und ein paar Kneipen, die nicht nur auf die Jungen, die Dynamischen und die Angepassten zugeschnitten sind.
Wahrscheinlich werden hier immer wieder Häuser besetzt, solange noch einige leer stehen. Die Neustadt zieht doch immer noch die kriminellen Elemente an.

Anmerkung 2007: Besetzungen haben weiter Tradition am 10. März war es mal wieder so weit.

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