Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „grün“

Continental – neu, aber auch gut?

Neuer Stil: Grün - anklicken zum Vergrößern

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Was kamen nicht alles für Gerüchte in die Welt, da war von einer Großraumdisko oder einem Musikhaus die Rede. Schließlich hat das Continental doch seinen Namen behalten, wird nur von einem neuen Eigentümer betrieben. Innen ist es jetzt alles ganz schön grün und stylisch. Weg sind die gemütlichen Ledercouches, in denen man für Stunden versinken konnte. Jetzt wirkt alles viel schneller. Optimal also, um einen langen Arbeitstag mit einem kräftigen Frühstück zu beginnen. So wollte ich es tun. Doch was nützt die schnelle Optik, wenn es dennoch dauert. Geschlagene 35 Minuten benötigte das Küchenpersonal für die Zubereitung zweier Rühereier. Und das bei einem mäßig gefüllten Laden. Das ging früher schneller. Aber genug gemeckert, geschmeckt hat das Ei, auch der Espresso wurde in gewohnter Qualität serviert. Die eigentliche Überraschung befindet sich aber im Keller, denn aus der etwas muchtigen und dunklen Notdurftstelle wurde jetzt ein stylisches Designer-Klo, dass allein schon den Besuch rechtfertigt. In Zukunft also, einfach ein bisschen schneller brutzeln und das Conti kann mich als Stammgast zurück gewinnen.

Sind die Grünen jetzt FDP?


Was ist denn das? Mit nem riesigen Schild direkt vor der Ampel wird dem rasanten Autofahrer vermittelt, dass “Grün” sei, er also auf die Tube drücken kann. Normalerweise ist doch die FDP (siehe Ausbaupläne Königsbrücker Straße und Stauffenbergallee) der Freund der Autofahrer. Wollen die “Grünen” jetzt auch noch deren Wähler gewinnen?
In meinem Fall folgte an der Ampel dem grünen Schild das gelbe und dann ziemlich plötzlich das rote Licht. Dank einer Vollbremsung überlebten die querenden Fußgänger. Der Abrieb an meine Reifen hat sicherlich die Feinstaub-Belastung an dieser Stelle um etliche Prozente nach oben getrieben. Irgendwie ungrün.,

Weiß wird grün und grün wird blau

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Auf der Louisenstraße 52 tut sich wieder was. Bis zum Ende des vergangenen Jahres war hier die trendige Architektur-Buchhandlung Weisslack ansässig. Und jetzt soll es also “grün” werden. Derzeit sind ein paar Leutchen am Renovieren, sie benutzen aber hauptsächlich weiße Farbe. Mal sehen, was da noch auf uns zukommt. Spätestens am 3. Mai zur Eröffnung wissen wir mehr. Unter www.concept-gruen.eu gibt es ein paar Details.

Eine Farbwandlung der anderen Art hat das Sächsische Innenministerium beschlossen. Ab dem 1. Januar 2009 sollen die Polizisten und ihre Fahrzeuge Schritt für Schritt in blau gewandet werden. Ob sich die Polizisten damit dem inneren Zustand der wochendlichen Neustadt-Besucher anpassen sollen, ist im Moment noch unklar.

Von kleinen Unwahrheiten und großen Märchen

Es war einmal ein friedlicher kleiner Stadtteil. Jahr für Jahr versammelten sich die Bewohner zu einem Feste. Gesetze wurden gemacht, Geld eingeführt und jeder Bürger bekam einen Pass. Jeder soll Spaß haben und kräftig feiern. Jahr für Jahr wurden die Feierlichkeiten größer und lauter.

Eines schönen Tages trat ein preußischer Junker auf den Plan und verkündet, dass dieser kleine Stadtteil zu Höherem geschaffen sei. Von diesem Tage an nahm er die Organisation des Festes in die Hand, und es wurde noch größer und noch lauter. Die Bewohner des Stadtteils blieben weg, dafür kamen aber viele andere aus der Stadt und den Provinzen. Anno 2000 waren es über 100 000, die sich Alkohol, Bratwurst und Vergnügen hingaben. Ein Jahr später kamen noch mehr, der kleine Stadtteil quoll förmlich über. Zufrieden schritt der preußische Junker mit seinen Rittern durch die geschmückten Straßen. Bunte Stände boten allerlei Waren feil und Musikanten aus den angrenzenden Ländern sorgten für Unterhaltung. Duft von Gegrilltem und Verbranntem durchzog die engen Gassen des Viertels.

Nur hatte der Junker die Rechnung ohne den bösen Wolf gemacht. Am Sonntag des Festes stürmte er mit seinen grünen Jägern mitten in die Festgesellschaft. Die schlugen wahllos auf die Besucher ein, um dem fröhlichen Treiben ein schnelles Ende zu setzen. Tags darauf waren schlimme Bilder im ganzen Land zu sehen. Jeder musste denken, dass der kleine Stadtteil voller unfolgsamer Bürger war, die unerlaubt Feuerwälle auf ihren Straßen und Gassen errichteten, um den Wolf zu ärgern.

Der Junker, der für das Fest verantwortlich war, hatte die Nase voll und sagte, dass er nie wieder für die Bürger des Stadtteils etwas organisieren wolle und verließ das Festkomitee. Aufgebrachte Bürger setzten sich zusammen und versuchten zu ergründen, warum das sonst so friedliche Fest plötzlich so brutal geworden war. Auch der Wolf versprach Aufklärung, die Prügeleien der Jäger sollten untersucht werden. Viel wurde geredet und es wurde vertagt. Bis Anno 2002, da packten endlich einige Beiräte des kleinen Stadtteils den Mantel aus, den Mantel des Schweigens, der so groß war, dass alles darunter passte, auch die noch immer aufgebrachten Bürger. Der preußische Junker ist immer noch Vorsitzender des Festkomitees und schwingt wieder Reden und die Rufe nach Aufklärung wurden immer leiser und leiser. Es gibt ja viel zu verteilen und viel zu verdienen bei diesem Fest. Und wie heißt es so schön bei jedem Märchen: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kehren sie noch heute – und zwar unter die Gehsteige der Neustadt.

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