Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „füße“

Von kurzen Wegen und langen Schlangen

Es gibt so Tage, da bin ich richtig froh in der Neustadt zu wohnen. Wenn ich aus dem Haus trete und weiß, heute bleibt das Auto stehen, ich gehe zu Fuß. Vormittags durch die Neustadt zu schlendern, bringt immer gute Stimmung. Ich spaziere vorbei an den langen Autoschlangen auf der Rothenburger Straße. Die Abgase nehme ich locker in Kauf. Ein Lächeln huscht mir über das Gesicht, überlegen bin ich doch. Meine Füße berühren kaum den Boden darunter und im Angesichte solchen Glücks verweile ich und zweifle ob der Mobilität – Wahnsinn ohnegleichen.
Wende mich um und staune, riesige Schuhe, nein einer nur, steht im Balkon. Wirbt, wofür? Auf der Böhmischen Straße steht Thomas vor seinem Schuhladen, neue Treter bräuchte ich auch einmal. Dann ein Ruck, lautes Klingeln, es ist nicht gut auf den Schienen zu stehen. Weiter muß ich auf einmal, denn die Wolken sind vor mein Gesicht gezogen. Mit lautem Tatütata umkreist mich die Polizei – scheinbar. Schnell verlasse ich dieses Treiben biege in die Böhmische Straße und sofort in den Hinterhof, zum Nordbad hin. Entspannung macht sich breit. Gedanken durchqueren meinen Schädel. Noch schnell Kaffe kaufen – eigentlich könnte ich Otto mal wieder besuchen. Günter Otto, auf der Schönfelder Straße, immerhin einer der ältesten Lebensmittelläden der Stadt. Otto strahlt, wie immer. Einer der Ruhepunkte dieses Viertels, das pulsiert und hämmert, kreischt und bunt sein will. Bunt wie die Bettler auf der Alaunstraße, „Haste mal paar Groschen“ – auch Punker werden bescheidener. Vor dem Basar, in der Louisenstraße, sehe ich Petra, die liest, wie immer, und bestaunt die Autos, die am liebsten ineinander kriechen würden. Der kürzeste Weg ist immer noch zu Fuß. Hallo und schönen Tag, ich ziehe meine Runden, ein Päusschen gefällig, „Herr Rosso und sein Hund“ lockt mit Espresso und genüsslichem Blick auf die Straße, gegenüber beobachtet ein alter Mann das Geschehen. Ein Kissen für die Gemütlichkeit auf dem Fensterbrett. Heimwärts treibt es mich, in drei Minuten bin ich da. Nichts zu suchen, war mein Sinn.

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