Artikel-Schlagworte: „Diskussion“
Zur Erinerung: Infoveranstaltung für Hecht-Parker
Während in der Neustadt schon längst ein “Park-Leid-System” mit Tiefgaragen und Automaten installiert wurde, diskutieren die Karpfenteichler, ähm, Hechtviertel-Bewohner noch. Aus diesem Anlass lädt der HechtViertel e.V. zu einer Informationsveranstaltung mti dem Titel „Parken im Hecht“ ein. Mit dabei sind das Stadtplanungsamt, das Planungsbüro IVAS und interessierte Anwohner. Es soll um folgende Überlegungen gehen: Parkkarten für Anwohner – nötig oder nicht? Ein Parkhaus im Hecht – sinnvoll oder überflüssig? Halteverbote – Ausweitung oder Einschränkung?
- Mittwoch, 21. Oktober, 19 Uhr
- Hechtstraße 32 (Hinterhaus)
Früher übrigens parkte man nicht im Hecht, sondern man fuhr mit ihm. Siehe hier.
Neues aus der Nachbarschaft
In der Leipziger Vorstadt rund um die Fritz-Reuter-Straße wird derzeit ja ausführlich gebaut. Vor allem an der Bahnstrecke werkeln die Bauarbeiter nun schon eine Weile, wie ich kürzlich berichtete, soll die S-Bahn-Station schon 2012 (!) fertig werden. Die Anwohnerinitiative „Hecht bleibt (H)echt“ ruft nun zu einer Podiumsdiskussion für kommenden Sonntag, dem 18. Januar, um 14.30 Uhr im Casablanca auf. Siehe hier.
Eklat in der Scheune

Es ist kurz nach sieben. Die Stimmung ist unruhig. Viele junge Leute sitzen im vollen Saal der Scheune. Sie sind gespannt. Vorne auf dem Podium sitzen Politiker, ein Staatsanwalt, der Polizeipräsident, ein Spätshopbetreiber, der Ordnungsbürgermeister.
Die Stimmung ist trocken, der Bierausschank im Vorraum ist geschlossen. Nun ja, es ist zwar noch nicht nach zehn, aber kein Alkohol ist wohl immer besser. Etwas mehr als 150 Leute haben sich hier versammelt. Sie wollen wissen, wieso sie künftig von Kameras begafft werden sollen.
Doch darum soll es wohl gar nicht gehen. Zumindest beginnt der Moderator ganz anders: “Kaufen, Saufen, Raufen” – Tosender Beifall auf den Rängen, noch freut er sich, so etwas sei er hier nicht gewohnt. Doch schnell gerät die Diskussionsrunde zur Farce. Spätestens als sich der Staatsanwalt in Fachtermini verliert und mehrmals das gefürchtete “langweilig” aus der Menge tönt, ist der Frieden hin. Wichtigste Nachricht von der Justiz an diesem Abend: Die geforderten Schnellverfahren zur Aburteilung der Randalierer können erst bei Volljährigen ab 21 Jahren eingesetzt werden.
Dann spricht der Polizeipräsident, auch er wird durch Zwischenrufe immer wieder ausgebuht und ausgepfiffen. Sein Fazit: “Wir wollen die Neustadt unattraktiv machen” (tosender Beifall) “unattraktiv machen für Gewalttäter, Straftäter und Randalierer.” Und dazu braucht die Polizei auch das Mittel der Video-Überwachung.
Die Menge wogt und will nicht länger den Politikern zu hören, sondern seine Meinung sagen. Eine Kneiperin erwähnt, dass die Spätshopbetreiber doch nur Angst hätten, Pleite zu gehen. Eine andere Frau fordert eine Befragung der Neustädter. Ein etwas älterer, sichtlich schlampig gekleideter Mann ruft seine Empörung heraus und endet mit den Worten: “Ich komme dann mal nach vorn.” Schnappt sich seine Tasche, schreitet zum Podium und schlägt auf die Tische. Gläser zerbrechen. Wasser schwappt über. Flecken überziehen Gesichter und Hosen.
Der Mann wird von anwesenden Beamten zügig und sicher abgeführt. Die Gefahr ist vorüber, doch der Schock ist groß. Als der Moderator weiterhin ausgelacht wird, schmeißt er das Handtuch. Raucht im Vorraum mehrere Zigaretten und überlegt, Strafanzeige zu stellen. Unterdessen findet sich ein Friedensbewegter, der die Diskussion beschwichtigend zu Ende bringt.
Spannenderweise wurde der Eklat in der Scheune auch auf Video festgehalten.
Vom Parken, Kitas und einem Supermarkt
Der Neustädter an sich ist ja etwas ungewöhnlich, dass ist bekannt. Aber in der jüngeren Vergangenheit hat er mich doch wieder etwas verwirrt. Der Hintergrund sind zwei Veranstaltungen in den vergangenen Wochen. Zum lud die Neustädter CDU um Frontmann Patrick Schreiber zu einer Informationsveranstaltung zum bewegenden Thema „Parkraumbewirtschaftung“ in die Scheune in den großen Saal. Damit auch ordentlich Leute kommen, hängten sie überall im Viertel Plakate auf. Das Ergebnis: Es kamen etwa 20 bis 30 Neugierige, obwohl das Thema doch jeden Autofahrer der Neustadt interessieren müsste. Nun ja.
Eine andere Veranstaltung fand vor kurzem in der Schule auf der Görlitzer Straße statt. Thema: Der geplante Bau des Parkhauses auf der Kamenzer Straße. Nun könnte man meinen, wenn das Parken in der Neustadt insgesamt schon kei
nen interessiert, dann erst recht nicht so ein Parkhaus. Doch weit gefehlt. Etliche Dutzend Menschen drängelten sich im überhitzten Raum und der Amtsleiter des Stadtplanungsamtes Andreas Wurff, kam schon nach wenigen Minuten ins Schwitzen, wollte er doch das neue Projekt vorstellen. Das neue Projekt heißt nicht mehr Parkhaus, sondern Parkhaus mit Supermarkt und Wohnungen. Oder noch besser mit einer Kindertagesstätte. Damit hatte er den geballten Neustädter Frust gegen sich. Frauen mit Kindern auf den Armen und unrasierten Achselhöhlen empörten sich über das Ansinnen und ich war etwas verwirrt.
War der Bau des Parkhauses nicht schon längst beschlossene Sache und sind die neuen Ideen nicht besser, weil statt 244 Parksuchenden jetzt nur noch 114 die Kamenzer Straße entlang knattern. Aber nun höre ich es auch schon: Der Supermarkt braucht
ja auch LKW, die ihn beliefern und dann wird es ja noch lauter und wenn die Kamenzer zur Einbahnstraße wird, muss der LKW ja auf der Lutherstraße über den Bordstein fahren. Na, das ist natürlich alles ganz furchtbar. Außerdem würde der neue Supermarkt, der Konsum hat wohl schon Interesse angemeldet, ja die umliegenden kleinen Händler kaputt machen. Welche Händler eigentlich? Der einzige kleine Lebensmittelladen, den es noch gibt ist der Laden an der Frühlingsstraße und der ist ja wohl weit genug weg. “Kraut und Rüben” fahren auf der Öko-Schiene, die würden durch den Konsum eher Zulauf bekommen und der Gemüseladen ein paar Häuser weiter sicher auch. Wie gut sich Gemüseläden mit einem Supermarkt vertragen, sieht man hervorragend auf der Alaunstraße.
Inzwischen haben sich ein paar weitere junge Frauen in den Vordergrund gedrängelt und halten ein Transparent hoch mit viel grün und einem roten Klecks. Sie wollen gar kein Parkhaus, keinen Supermarkt. Lieber ne Wiese mit ner Kindertagesstätte und einem, wie sie es nennen, Quartiersplatz – zum Raumergreifen. Bei Quartier muss ich immer an Kasernen denken, nö, dann doch lieber Autos.
Wieder dabei war CDU-Stadtrat Schreiber, der hier mit einer ordentlichen Menge gegen sich, zu Höchstform auflief, mehrfach die Demokratie beschwor und sich zu guter Letzt darüber beschwerte, dass irgendwer ein CDU-Werbeplakat missbrauchte (siehe Bild links), um Stimmung gegen das Parkhaus, oder was auch immer an der Kamenzer Straße entstehen soll, zu machen. Nun Herr Schreiber hat sich ordentlich in die Nesseln gesetzt, aber das wird er in der Neustadt wohl gewöhnt sein.
Ich glaube, das Thema wird fortgesetzt. Und übrigens an all jene, die permanent mehr Grün für die Neustadt fordern. Wie wäre es mal mit einem Spaziergang durch die Heide, da ist es immer grün.
—
Von theatralischen Darstellungen und heißen Diskussionen
Der Mann im roten Westover hebt seine Stimme und seinen spitzen Zeigefinger immer weiter an. Seine Stimme, die anfänglich sanft und weich erschien hat sich nun gewandelt, es scheint, als wolle er die ihm gegenüber sitzenden durchbohren. Doch nun hat er eine kleine Pause gemacht zum Luft holen. Dies nutzt einer der von Stimme und Finger Angepieksten um sich zu wehren. Doch schon nach den ersten Sätzen fällt dem Westover-Mann noch mehr ein und er bohrt weiter nach. Eine zierliche Frau greift ein und versucht sich mit einer eigentümlichen Erklärung von Demokratie, die ja wohl auch etwas damit zu tun hätte, den anderen ausreden zu lassen. Das wirkt, der bohrende Finger zieht sich auf seinen Stuhl zurück, nur sein Schnurrbart zittert noch bedrohlich.
Ich bin mitten in einer Bürgerfragestunde im Gemeindezentrum am Martin-Luther-Platz. Kurz vor der Wahl stellen sich Politiker den Bürgern, schließlich wollen sie gewählt werden, heute geht es um die Waldschlösschenbrücke. Und die Fronten sind klar. Sowohl der Veranstalter als auch der größte Teil des Publikums sind Gegner der Brücke, und auch die im Podium sitzenden Politiker sind mehrheitlich dagegen. Doch das Erscheinungsbild täuscht. Denn der Wortgewaltigste unter ihnen, ein Anwalt, vertritt eher eine kleine Partei, während der Kandidat einer großen Partei zwar jede Menge Zahlen hat, aber so hartnäckigen Bohrern und Fragern wie dem roten Westover-Mann nicht gewachsen ist. Und die Kandidatin einer anderen großen Partei sagt zu Anfang, dass man früher mal für die Brücke war und jetzt dagegen, dass sie aber eigentlich lieber über Schulen und Kindertagesstätten reden wolle.
Hallo? Ich gucke noch mal auf den Zettel mit der Einladung. Da steht nix von Schulen. Inzwischen redet der junge Mann vorn im Podium von einer Entlastung der Neustadt durch die Brücke. Das ist doch hübsch, denke ich mir und glaube zu wissen, wo ich mein Kreuz machen kann. Dann springt hinter mir eine Frau ans Bürgermikrofon und klagt, dass sie als Geschäftsfrau keine Geschäfte mit der Altstadt machen könne, da es während der Rush-Hour unmöglich wäre die Elbe zu überqueren. Das ist offenbar dem restlichen Publikum ziemlich egal, denn es buht die Frau aus und der nächste sprechende Politiker geht auch darauf gar nicht ein, sondern auf die Verlärmung der Fetscherstraße. Nun wird es mir definitiv zu bunt, demnächst soll ich hier wohl auch noch die Probleme von Pirna und Heidenau diskutieren. Gemütlich ziehe ich von dannen, sehe draußen die Geschäftsfrau in einem dicken Ami-Schlitten davonbrausen und bin mir noch lange nicht sicher, an welcher Stelle ich im Juni mein Kreuzchen machen werde.



