Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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BRN-2007-Film bei Büchers Best

Wie die stets aufmerksamen Kollegen von banq.de berichten, gibt es ab sofort den BRN-2007-Film von Melanie Gäbel zu kaufen. Büchers Best auf der Louisenstraße 37 führt das Werk auf DVD für 12,- Euro.
Ich habe den Film zur BRN gesehen und kann ihn nur empfehlen.

Polizei gerührt

Gerührt waren die Beamten, als sich heute Morgen Mitglieder einer Hausgemeinschaft von der Alaunstraße zum Frühstück im Polizeirevier einfanden. Hintergrund ist die BRN 2008. Die Anwohner wollten der Polizei auf diese Weise für den friedlichen Verlauf des Festes danken und brachte gleich einen selbstgebackenen Kuchen mit.

BRN 2008 im Video

Picpatrol hat ein paar schöne Aufnahmen von der BRN gemacht.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=azh8LFRblmQ&hl=de]

Noch ein paar sehr schöne Bilder hab ich heute auf dem Playboi Blog entdeckt.

BRN 2008 Fazit

Nun ist sie also wieder vorbei. Der Sonntag hat ja immer so eine Art Versöhnungsfunktion, nachdem man sich über den zu vollen und zu lauten Sonnabend geärgert hat. Aber so schlimm war es diesmal gar nicht, vor allem wegen folgenden Sätzen: “Wenige Stunden vor Ende der diesjährigen Bunten Republik Neustadt (BRN) können wir ein positives Fazit ziehen. Es blieb friedlich. Die Kooperation der Veranstalter mit Stadt und Polizei trug entscheidend dazu bei.” Der dies gesagt hat, ist der leitende Polizeidirektor Horst Zimmermann. Und das bei geschätzten 100.000 Besuchern. Diesen Beitrag weiterlesen »

Bunte Republik Neustadt

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BRN 2007 Fazit

Das Fest ist vorüber. Schöne Bilder bei Flickr zeigen was los war. Freunde des bewegten Bildes kommen bei Youtube auf ihre Kosten. Die Zeitungen berichten sehr unterschiedlich. Mal sollen es 100.000, mal 200.000 Besucher gewesen sein. Ich würde sagen, es waren schon ein paar Leute da. Für nächstes Jahr sollte man darüber nachdenken, ob nicht vielleicht am Alaunplatz eine riesige Besprenkelungsanlage aufgebaut werden könnte, denn der “deeskalierende Regen” am Freitag hatte eine angenehme Wirkung und fehlte leider am Sonnabend.

Vom Tag danach

Wie kleine Ameisen robben die grün-weißen Fahrzeuge die Alaunstraße entlang. Heute ist ihr Kampftag, Großeinsatz nach der großen Party. Tausende Liter Bier wurden in Tausenden Plastik-Bechern an Tausende Durstige ausgeschenkt und von den allermeisten anschließend achtlos auf die Straßen, in Ecken und auf die Fußwege geschmissen. Die BRN, die Bier-Republik-Neustadt zeigte sich auch dieses Mal am Tag danach wieder von ihrer schmutzigen Seite.

Vorbei die Zeiten als es mal einheitliche, etwas stabilere Plastikbecher gab, die man an jedem Bierstand für eine Mark Pfand bekam und auch überall wieder zurückgeben konnte. Das funktionierte eben nur, als es einen gesamtverantwortlichen Veranstalter gab. In diesem Jahr gab es auch Stände mit Pfandbechern. Meine Strategie: Das erste Bier holte ich mir im Lustgarten und in der Folge ließ ich mir diesen Becher einfach auffüllen und gab ihn dann spät abends wieder zurück. Vielleicht könnte man das Pfandbecherprinzip in Zukunft wieder einführen, vielleicht noch garniert mit dem Logo der BRN, dann könnten die zahlreichen Zugereisten sich auch gleich noch ein Souvenir mitnehmen. Nun wenigstens wirkte das Glasflaschenverbot auch in diesem Jahr. Denn obwohl die Kontrolle am Einlass relativ lasch war, ich sah kaum Glasscherben, dafür massenhaft Leute barfuß laufen.

Inzwischen ist ein kleiner Konvoi an Reinigungsfahrzeugen an mir vorbei gebraust. Die Stadtreiniger machen das geschickt, kleine Trupps, bewaffnet mit Besen und Schaufeln, ziehen über die Fußwege, kehren die Ecken aus und klauben die hartnäckigsten Müllreste auf. Vor ihnen bürstet das kleine, wendige Gefährt mit den zwei runden Besen flink um jede Ecke und jedes Straßenschild. Neben ihm brummt und schrubbt der große Bruder auf der Straße. Wenn er vorüberzieht, staubt nichts, die Straße wird schön mit eingefeuchtet. Hinter sich lässt er einen fast glänzenden Streifen wunderbar sauberen Asphalts. Noch im Laufe des Vormittags ist die Neustadt wieder auf Hochglanz poliert.

Von traurigen Melodien und lustigen Musikern

Wehmütig ziehen die Klänge durch den Hof in der Katharinenstraße. Der Akkordeon-Spieler lässt sein Instrument die Melodie einer Mafia-Saga seufzen. Der Bassist scheint fast eingeschlafen, doch schafft er es trotzdem immer noch rechtzeitig die Saiten zu zupfen. Am Keyboard, der Entertainer der Band, er hofft auf ein Ende des Liedes, doch immer als er es endlich verkünden will, beginnt das Akkordeon von neuem. Die Zuschauer sind entzückt, nur ein Hund jault von irgendwo. Mir geht es prächtig. In der Hand einen großer Becher Pfirsichsaft stehe ich im Hof der Groovestation mit vielleicht zwanzig weiteren Kulturinteressierten, auf der kleinen Bühne spielen Robert & TheRoboters, wohl eine der beliebtesten Neustädter Bands. Und ich kann jetzt gegen Ende dieser doch recht anstrengenden Bunten Republik endlich etwas entspannen.
Stundenlang bin ich an den vergangenen Tagen hin- und hergelaufen, ständig erreichten mich Tipps, was ich mir unbedingt noch ansehen müsste. Da ich dies versuchte und aber auch gleichzeitig möglichst viele Freunde und Bekannte treffen wollte, gesellten sich zum Umherlaufen noch zwei weitere Tätigkeiten: Warten und Telefonieren.
Letzteres konnte ich ziemlich häufig auch bei anderen Besuchern beobachten. Im Laufe des Abends war ich dazu übergegangen, die Ortsbeschreibungen zu präzisieren. Denn die Aussage „stehe an der Alaun-/Ecke Louisenstraße“ hätten ungefähr 200 Personen treffen können, also verzierte ich meine Ortsangabe mit dem Zusatz „Mitte der Kreuzung“. Solche präzisen Angaben führten zwar in der Regel dazu, dass ich alle Leute treffen konnte, aber die Begegnungen waren meist nicht von langer Dauer, da immer wieder jemand im Gewühl unterging. Der Treffpunkt an der Alaunstraße hatte auch den Vorteil, dass ich dort über einen längeren Zeitraum einer ziemlich bekannten Neustädter Band lauschen konnte. Die waren so lustig drauf, dass sogar die traurige Melodie einer Mafia-Saga irgendwie fröhlich klang. Na klar, auch am Sonnabend spielten die Roboter, hier allerdings ohne Akkordeon. Dieses Instrument haben sie jetzt auch beiseite gelegt und ein Zuschauer ruft auch gleich nach schnelleren und lauteren Tönen. Das wird mir zu viel, glücklicherweise ist der Pfirsichsaft geleert und ich kann diesen lauten und unruhigen Ort verlassen. Insgeheim wünsche ich mir für die nächste Bunte Republik ein bisschen mehr Gemütlichkeit.

Von einer leeren Straße voller Erinnerung

Vom Alaunplatz her klettert die Sonne über die Dächer, der dämmrige Morgen wird zum Tag. Es wird wohl wieder ein schöner und ein heißer werden. Aber noch ist es ganz angenehm, ein leichter Wind erfrischt mich und treibt nebenbei ein paar Flugblätter und ein paar Plastebecher vor sich her. Nun ist es also endgültig vorbei und die Neustadt ist wieder im Alltag angekommen. Drei Tage Feier fast ohne Pause und ein Tag aufräumen. Die Menschenmassen sind verschwunden, ganz ruhig kann ich am Bordstein sitzen und den Sonnenaufgang verfolgen.
Gestern waren hier an der Louisenstraße diverse Gastronomen schwer beschäftigt. Sie rollten leere Bierfässer durch die Straße und hievten einen riesigen Eisschrank auf einen Laster. Die Stimmung in der Neustadt: Geschafft aber zufrieden. Nur ein paar Gäste sind nicht auf ihre Kosten gekommen, die Krawallbrüder. Denn die konnten sich nicht in Szene setzen, einige wurden stattdessen gar festgesetzt. Die gepflegte Gefängniszelle für die Nacht sei ihnen gegönnt.
Bei der Bunten Republik hat sie wohl keiner vermisst. Doch wer jetzt behauptet, dass die BRN zum fröhlichen Familienfest geworden sei, der irrt. Nein, Familienfeste gibt es in Pieschen oder am Elbhang, in der Neustadt sind nur die Verrückten. Da dürfen kleine Kinder mit Sandsäcken auf leere Bierfässer werfen. Da sitzt ein alter Mann mit dem Gartenschlauch und spritzt Passanten nass. Dann behauptet er rotzfrech, dies sei das Training für den Wasserwerfereinsatz der Polizei. Ach und die Polizei, die war nach drei Tagen Party auch nicht mehr ganz so ernst und streng wie allseits bekannt.
So sah ich einen jungen Burschen mit schweren Stiefeln und schwerer Uniform doch ganz leichtfüßig ein Tänzchen wagen. Vermutlich, um der jungen sehr knapp bekleideten Dame zu imponieren.
Inzwischen ist die Sonne ganz aufgegangen und ich werde wohl zum nächsten Bäcker schlendern. Die Nachricht für alle, die dieses Jahr nicht da waren. Die Bunte Republik ist zwar immer noch kein Familienfest, aber auf jeden Fall für Groß und Klein geeignet.

Von geplanter Vorsicht und spontaner Nachsicht

Da ist er wieder. Mist. Auch heute gelingt es mir wieder nicht, mich an ihm vorbei zu schmuggeln. Mein Hausmeister, heute ist er damit beschäftigt, hässliche Graffiti der vergangenen Nacht an der Hauswand zu übertünchen und wie immer muss er mir auch heute wieder ein Gespräch aufs Auge drücken. „Na, denken Sie dran, am Wochenende ihr Auto außerhalb zu parken.“ Logisch, es ist doch Bunte Republik und da geht es in der Neustadt immer ein bisschen drunter und drüber, aber er ist immerhin die Vorsicht in Person und dafür hat er auch seine Gründe. „Voriges Jahr hat ja hier die halbe Straße gebrannt.“

Falsch, denke ich und muss dann doch was sagen: „Nee, das war vor zwei Jahren, da hab ich doch selber noch gelöscht.“ Das war ein Fehler, denn jetzt kann ich nicht mehr einfach weitergehen, immerhin bin ich auf sein Gesprächsangebot eingegangen. Also erzählt er mir, dass diese Chaoten schon seit zehn Jahren immer im Juni die Neustadt verwüsten würden. Er denkt wahrscheinlich immer noch, dass ich erst in der Neustadt wohne, seit ich in dem von ihm betreuten Hause Mieter bin. Zaghaft werfe ich ein, dass es die BRN schon viel länger gibt und dass es auch nicht in jedem Jahr Krawalle oder Randale gab. Er wehrt ab und verweist auf die unglaubliche Lautstärke des Festes. Jetzt wäre eigentlich ´ne prima Gelegenheit, mich bei ihm zu beschweren, denn immerhin hat er mitsamt Familie mir den Sonntag Abend zur Hölle gemacht. Beim Grillfest im Garten dröhnten die Schlager so laut, dass ich mich beim besten Willen nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren konnte. Aber er lässt mich ja nicht zu Wort kommen, jetzt erzählt er von der Polizei und dass die ihn vor zwei Jahren gar nicht nach Hause lassen wollte. Er hätte sich aber so aufgeregt, dass die Beamten schließlich klein beigegeben hätten. Das wiederum glaube ich ihm aufs Wort. Wahrscheinlich haben die ihn sogar ganz schnell weitergeschickt, weil er ihnen mit seinem Geschwätz auf die Nerven ging.

Irgendwie schaffe ich es dann doch, mich loszureißen, als ich später die Straße entlang bummele, beschließe ich, ihm sein aufdringliches Verhalten nach zu sehen. Immerhin ist er so was wie ein Neustädter Original und ich nur der Zugezogene.

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