Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „Brandanschlag“

Brandanschlag Offizierschule: Neue Spuren

Einen Monat nach dem Anschlag auf die Offizierschule des Heeres in Dresden präsentierte das Landeskriminalamt Sachsen gestern neue Spuren. Die Polizisten suchen zwei Fahrzeugen und deren Besitzer. Dabei handelt es sich um einen dunklen Kleinbus oder Van sowie einen dunklen Kombi-PKW. Diese Fahrzeuge seien von mehreren Zeugen am Tattag in der Nähe der Albertstadt-Kaserne gesehen worden. Die Polizei sucht nun nach einem “auffallend kräftigen”, etwa 1,90 Meter großen Mann in Dreiviertel-Hosen, sowie nach einer 1,70 Meter großen, schlanken Frau um die 30, die den Zeugenbeschreibungen zufolge elegante, helle Kleidung und ein tief hängendes Schultertuch trug. Die Beiden sollen sich in der Nähe der Fahrzeuge aufgehalten haben. Die Polizei fordert die Halter der Fahrzeuge auf, sich bei den Behörden zu melden.

Das linguistische Gutachten zu dem Bekennerschreiben steht noch aus. Erste Ergebnisse gibt es bei der Analyse der Brandsätze. Das Kraftstoffgemisch in den Brandsätzen ist ein Benzin-Öl-Mix gewesen. Zudem haben die Täter handelsübliche 4,5-Volt-Flachbatterien verwendet.

LKA befragt Passanten

Gestern Nachmittag haben Polizisten Jogger, Spaziergänger und andere Heide-Besucher befragt. Unter der Brücke der Stauffenbergallee und am Küchenbrückenweg im Prießnitzgrund waren zwei Gruppen im Einsatz. Die Beamten wollten wissen, ob den Passanten an den Tagen vor Ostern irgendetwas Verdächtiges aufgefallen sei. Hintergrund der Aktion ist der Brandanschlag auf die Albertstadtkaserne am Ostersonntag. Bislang hat die Befragung jedoch noch zu keinen Ergebnissen geführt, so eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) heute morgen auf Nachfrage.

Rasche Aufklärung unwahrscheinlich

Gestern stellte die Ermittlungsgruppe „Albertstadt“ Details der Ermittlungen vor. Die Brandsätze seien vom Typ “Nobelkarossentod” und würden damit auf die linksextremistische Szene hinweisen. So wird zum Beispiel der “militanten Gruppe” deren Verwendung zugeschrieben. Die Brandsätze bestanden vor der Zündung aus einer Trägerplatte, auf die zwei mit Benzin gefüllte Einwegflaschen, ein mechanischer Wecker und eine Stromquelle montiert waren. Jeder der Brandsätze könnte bis zu fünf Kilo gewogen haben.

Die Ermittlungsgruppe “Albertstadt” geht derzeit von zwei bis vier Tätern aus. Auch das Zeitfenster des Anschlags konnte präzisiert werden. Beim letzten Kontrollgang eines Wachmannes um 1.45 Uhr war der Zaun noch in Ordnung und um 3.02 Uhr sei die Feuerwehr arlamiert worden, da hat es schon gebrannt. Der Ermittlungsleiter Wolfgang Jehle sagte, dass mit raschen Aufklärungserfolgen eher nicht zu rechnen ist.

LKA zweifelt Echtheit des Bekennerschreibens an

Wie das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft soeben mitteilten, könne man nach einer ersten Begutachtung nicht auf einen Täter oder eine Tätergruppierung schließen.
Gestern war in mehreren Redaktionen, darunter der MDR-Sachsenspiegel, die Frankfurter Rundschau und Coloradio ein Schreiben der “Initiative für ein neues blaues Wunder“ eingetrudelt, die sich zu dem Anschlag bekannte. Ich hatte heute vormittag schon erhebliche Zweifel an der Echtheit des Schreibens geäußert, nun teilen die Ermittler mit: “Die Medienplattform und der gewählte Verteiler des möglichen „Bekennerscheibens“ in Form eines Briefes könnte auf sogenannte Trittbrettfahrer hindeuten.” Denn normalerweise werde “in der heutigen Zeit für solche Bekenntnisse eher das Internet” benutzt. Außerdem fehlen in dem Schreiben eindeutige Hinweise, die Beamten wörtlich: “Das Schreiben lässt keine konkrete Kenntnis auf tatsächliches Täterwissen zu”. Allerdings könne die Ausdrucksweise des Schreibens der linken Szene zugeordnet werden. Die Briefe werden jetzt linguistisch vom Bundeskriminalamt untersucht und das Papier kriminaltechnisch analysiert.
Im Moment sehen die Beamten keine unmittelbare Gefährdung für Einrichtungen der Bundeswehr, diese könne aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden.

Kurze Analyse des angeblichen Bekennerschreibens

Da eine große Boulevardzeitung so freundlich war und eine komplette Kopie des Bekennerschreibens ins Internet gestellt hat, habe ich mich damit noch einmal ein bisschen beschäftigt. Ein paar Dinge fallen auf.

Normalerweise wird in der linksextremistischen Szene alles klein geschrieben. Ein Wort, wie Politiker würde es nicht geben, dies würde eher so aussehen: politiker_innen oder seltener PolitikerInnen.
Auch die Erwähnung von Stasi und Blockflöten ist nicht unbedingt szenetypisch zu nennen. Ich bin mal gespannt, heute will das LKA bekannt geben, was es von der Echtheit des Schreibens hält.

Reaktionen auf Brandanschlag

Das CDU-Fraktionsvorsitzende im Sächsischen Landtag Steffen Flath äußerte sich heute zu dem Brand-Anschlag:
„Mit dem Anschlag auf die Offizierschule in Dresden ist zum wiederholten Mal die staatliche Autorität mit Füßen getreten worden. Das dürfen wir nicht zulassen. Die Täter müssen schnell dingfest gemacht und mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden“.

Brandanschlag: Bekennerschreiben aufgetaucht

Die bisher noch unbekannte „Initiative für ein neues blaues Wunder“ hat heute ein Bekennerschreiben zu dem Brandanschlag auf die Offizierschule des Heeres am Wochenende an die Redaktion des MDR-Sachsenspiegels gesandt. Darin heißt es unter anderem: “Wenn ihr nicht abrüstet, tun wir es!” und „Um menschenverachtendes Kriegsgerät unbrauchbar zu machen, haben wir es angezündet.“ – Auch bei der Redaktion der Frankfurter Rundschau ist ein Schreiben eingegangen, meldet das Landeskriminalamt Sachsen.
Damit verdichten sich jetzt die Vermutungen, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag gehandelt hat. Zumal sich die Bekenner auch auf die Proklamation der provisorischen Regierung der Bunten Republik Neustadt beziehen. Darin heißt es seit 1990: “Jede Verherrlichung von Krieg, Militarismus, Faschismus und Rassismus ist in der BRN verboten …”
Im Moment will die Staatsanwaltschaft aber noch nicht ausschließen, dass es sich bei den Bekennern auch um Trittbrettfahrer handeln könnte.
Die Offizierschule des Heeres ist die zentrale Ausbildungseinrichtung aller Offiziere des Heeres und der Streitkräftebasis. Hier werden Offizieranwärter, Offiziere, Reserveoffizieranwärter, Reserveoffiziere und zivile Angehörige der Bundeswehr in Laufbahn-, Verwendungs- und Sonderlehrgängen ausgebildet, außerdem erhalten Offiziere des Heeres und der Streitkräftebasis Führungs- und Fortbildungslehrgänge.

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