Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „Bier“

Von harten Typen und energischen Kellnern

Manchmal, wenn ich durch die Neustadt streife, erinnere ich mich an vergangenen Zeiten und an vergangenen Kneipen. Auf der Alaunstraße, wo jetzt das Alaunisch auf einen neuen Betreiber wartet, gab es vor fünf Jahren eine schummrige Pinte, dort war ich oft. Meistens kurz nur auf ein Bier oder zwei. Die Konzertklause war eine Kneipe, wie es sie heute fast nicht mehr gibt. Der Wirt, ein kräftiger, vierschrötiger Kerl trug immer einen Lederkittel und beim Bierzapfen legte er in einer unnachahmlichen Art die Stirn in Falten. Er war dabei aufs Höchste konzentriert, damit auch kein Tropfen daneben ging. Der alte Kellner, zwar nicht der Schnellste, aber immer korrekt, kannte fast alle Gäste und wusste was sie trinken. Ich bekam mein Pils schon an den Tisch, kaum dass ich mich gesetzt hatte. Am Nachbartisch, der war ziemlich groß und ziemlich rund saßen fast jeden Abend fünf Frauen, alle weit über die Fünfzig, und spielten Rommé. Die eine kam immer etwas später, da lag ihr Bier schon auf der Heizung und jedes Mal erklärte sie entschuldigend, dass ihrem Magen dieses „kalte Zeug“ einfach nicht bekommt. Am gegenüberliegenden Tisch saßen die schweren Jungs, deren Gesichtszüge eine bewegte Vergangenheit verrieten. Ebenso die primitiven Tatoos und die Narben an den Armen.

Ich erinnere mich noch genau an den einen Abend. Es war Himmelfahrt und überall betrunkene Männer auf den Straßen. Ich wollte was essen. Die Tür ging auf, drei junge Kerle kamen rein. Sie setzten sich an meinen Tisch, dann fing der Ärger an. Der lauteste und offensichtlich brutalste nahm meine Zigaretten, fischte eine heraus und warf mir die Schachtel an den Kopf. In einem Anfall von Waghalsigkeit schleuderte ich sie zurück auf den Tisch. Derart beleidigt stand der Typ wutschnaubend auf und warf mit einem Ruck mein Bierglas um. Es fehlte nicht viel und seine zentnerschwere Faust wäre in meinem Gesicht gelandet, doch energisch wies ihm der Kellner die Tür und die drei waren ziemlich schnell wieder auf der Straße. Bis heute weiß ich nicht, wie das dem alten, leicht gebrechlichen Kellner gelungen war. Doch heute gibt es die Konzertklause auch nicht mehr.

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Anmerkung 2004: Die Räumlichkeiten der ehemaligen Konzertklause haben sich inzwischen stark gewandelt. Nachdem das Alaunisch gescheitert war, gab es für kurze Zeit ein portugiesisches Restaurant an dieser Stelle. Aktuell residiert mit dem Boys ein recht gut besuchter Gay-Club auf der Alaunstraße.

Von quälendem Service und masochistischen Gästen

Die Neustadt – Hochburg der gastronomischen Unkultur? Tatort – Scheunecafé, mehrfach von den Lesern eines Stadtmagazins zur Lieblingskneipe gewählt und auch sonst immer ziemlich voll.
Tatzeit – kurz nach 16 Uhr. Im Garten weist ein Schild gleich in vier Sprachen darauf hin, daß die Getränke bitte an der Hütte zu bestellen sind. Zwei Jungs, offensichtlich Studenten, eben angekommen, schauen hoffnungsvoll zur Hütte. Doch die ist verriegelt und verrammelt. Also rein in den Laden. Vielleicht werden sie ja drinnen bedient. Ich folge unauffällig. Nach einer kurzen Weile hoffnungslosen Sitzens am Tisch, stellen sie sich in die Schlange am Tresen, ich bin vorher dran: „Ein kleines Pils, bitte!“ Das kommt sofort und dann ist es auch noch ein großes, wie mir der blonde Kellner bestätigt. Gut, es ist ja auch warm draußen. Ich zahle und setze mich im Garten in die Sonne. Der Täter ist klar, nicht der Gärtner, der Kellner war es. Die Gäste sind Opfer, die überleben.
Das Scheunecafé ein Einzelfall, nein, aber exemplarisch. Erlebt habe ich es fast überall, im Copas y Tapas wartete ich über eine Stunde auf ein Sandwich, im Mona Lisa mußte ich die Kellnerin erst lautstark rufen und im El Perro Boracho bekam ich einen Caipirinha ohne Zucker, sauer.
Vielleicht ist die Geschichte von Steffen, einem ehemaligen Cafébesitzer wirklich war. Er behauptete, Gäste sind Masochisten und wollen gequält werden.
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Anmerkung 2004: Sowohl das Café Mona Lisa als auch das Restaurant Copas y Tapas mussten zwischenzeitlich ihre Pforten schließen. Vielleicht gibt es doch noch so etwas wie eine Gerechtigkeit.
Anmerkung 2005: Im El Perro Boracho ist es immer noch nicht besser geworden, kürzlich steckte der Kellner gar von mir nicht bewilligtes Trinkgeld einfach ein.
Anmerkung 2007: Im Scheunecafe ist es auch noch nicht besser geworden, siehe hier.
Anmerkung 2009: Mit dem kommenden Jahr wird das Scheunecafé vom Scheuneverein betrieben, obs besser wird?

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