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Gewalt in der Kamenzer Straße
Erst kürzlich berichtete ich über den Baufortschritt in der Kamenzer Straße und heute muss ich nun in einer Dresdner Tageszeitung lesen, dass es vorgestern zu Sachbeschädigungen kam. Heute bestätigte das auch die Dresdner Polizei mit einer Pressemeldung: “An der Kamenzer Straße warfen Unbekannte Steine gegen die Schaufensterscheiben eines Geschäftes und die Fensterscheiben zweier Baumaschinen. Die Dresdner Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.” Laut der Tageszeitung soll der Sachsschaden nach Eigentümerangaben bei ca. 30.000 Euro liegen.
Baufortschritte

Bei den zwei Neubauprojekten auf der Kamenzer und auf der Böhmischen Straße geht es offenbar voran. Hier ein paar Impressionen.

Vom Frühling und der Hoffnung auf Vernunft
Frühlingsanfang. Ich halte mich ja da gerne an die Meteorologen, die behaupten, der Frühling beginnt Anfang März. Doch in diesem Jahr war davon beim besten Willen nichts zu spüren. Da lag der Schnee in Bergen in den engen Neustadt-Straßen und mein emsiger Hausmeister war jeden Tag mit dem Schieber unterwegs. Manchmal sogar mehrfach. Nun ist inzwischen dank der Tag- und Nachtgleiche auch der kalendarische Frühlingsanfang erreicht und ab und an sieht es vom Fenster sogar nach dieser Hoffnung verheißenden Jahreszeit aus. Nun mangelt es allerdings noch an den entsprechenden Temperaturen.
Eigentlich wollten etliche Kneipenbesitzer jetzt schon ihre Biergärten öffnen, wenigstens an den Nachmittagen hätten sie schon gern Geld mit den Draußensitz-Gästen verdient. Doch weit gefehlt, selbst die Wärmestrahler am Espitas sind noch ungenutzt.
Aber nicht nur die Gastronomen leiden unter dem langen Winter auch die Neustädter Straßen haben sich Frost und Eis ergeben und sich in löchrige Buckelpisten verwandelt. Nun muss die Stadt aber zügig reparieren, denn demnächst sollen ja allerorten kräftig Parkgebühren kassiert werden. Und das wäre ja noch schöner, wenn man erst ins Schlagloch fällt und dann auch noch bezahlen soll. Apropos zügig: Der Bischofsweg könnte doch eigentlich auch langsam mal fertig werden, immerhin verkündet ein Schild am Alauplatz von einem Bauende, das nun schon fast ein Vierteljahr zurückliegt. Aber vielleicht binden die Planungen für die neue hypermoderne Ampelanlage an der Kult-Kreuzung Görlitzer- und Louisenstraße ja auch alle städtebaulichen Kräfte, so dass für solche Nebenprojekte einfach keine Zeit mehr bleibt.
Ich freue mich schon auf die Gesichter der an den Ecken lungernden Punks, wenn sie abwechselnd rot und grün angeleuchtet werden. So kommt endlich mal wieder Farbe in die Irokesen-Frisuren. Wie sich der gemeine Neustädter an die Verkehrsvorschläge einer Ampel hält, lässt sich an der Königsbrücker Straße hervorragend beobachten: Überhaupt nicht.
Aber vielleicht, wenn der olle Frühling jetzt doch noch kommt, vielleicht zieht dann auch wieder etwas mehr Vernunft in die weitere Planung dieses Stadtteils ein.
Von teuren Gleisen und dem Baustellenschatten
Skandal! Chaos in der Dresdner Neustadt. Ausreisewillige Bürger werden am Verkehr gehindert. Was ist los. Sollen wir alle eingesperrt werden? Diesen Eindruck hatte ich zumindest am Sonntag Vormittag. Das schöne Wetter lockte mich zu einem Ausflug und da Bademöglichkeiten doch recht weit von der Neustadt entfernt sind, schwang ich mich frohgemut ins Auto und brauste los. Doch am oberen Ende des Viertels angelangt muss ich sehen, dass der Bischofsweg sich in eine Sackgasse verwandelt hatte. Was nun? Der Weg über die Alaun- und Katharinenstraße zur Königsbrücker ist ja schon länger versperrt. Also ab auf die Rothenburger. Denkste! Auch die ist heute dicht. Was ist hier nur los.
Später am Tage traf ich einen Kollegen, der mir das ganze Dilemma erklärte. An der Schauburg-Kreuzung mussten die Gleise ausgetauscht werden, damit die Straßenbahn dort ordentlich drüber knattern kann. Gemeinsam begutachteten wir den 150.000 Euro-Bau. Dies seien eigentlich unnötige Ausgaben, die man hätte sparen können, wenn die Stadt beim Ausbau der Königsbrücker etwas entschlussfähiger wäre. Aber jetzt wird die Bahn wieder schön leise rollen. Doch warum dann auch noch die Sperrung der Rothenburger? Auch hier werde ich aufgeklärt. Ein paar Teile mussten ausgetauscht werden und die Straße befindet sich gewissermaßen im Baustellenschatten. Soll heißen, weil sowieso keiner über den Bischofsweg fahren kann, braucht auch niemand die Rothenburger Straße zu nutzen. Aha, nun wir paar Einwohner scheinen für die Baustellenplaner ja nicht zu zählen.
Ich habe übrigens dann doch noch einen Schleichweg raus aus dem Viertel gefunden. Über die Prießnitz- und die Tannenstraße gelangte ich hinaus aus der Stadt hin zum kühlen Nass.
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Anmerkung 2006: Die Erneuerung der Gleise war wohl wirklich notwendig, denn der Ausbau der Königsbrücker Straße ist noch keinen Schritt weiter voran gekommen.
Hölle Alaunstraße
Der Vormittag hatte ganz friedlich begonnen. Gnädig warf die Herbstsonne ihre wärmenden Strahlen über die Neustadt. Vereinzelt konnte ich auf den Gesichtern der vorbeieilenden Passanten sogar ein Lächeln erkennen, doch dann das. Gemütlich schlendere ich über die Sebnitzer Straße. An der Ende erblicke ich ein Knäuel. Nun das kennt man ja, da versucht jemand einzuparken und behindert so den Verkehr, denke ich mir. Doch als ich die Ecke erreiche, sehe ich nur noch Stau.
Die ganze Alaunstraße, zumindest so weit ich blicken kann, vollgestellt mit Autos und Lastkraftwagen. Auf der anderen Seite sehe ich, dass der Rückstau bis auf den Bischofsweg reichte. Neugierig geworden eile ich weiter. In den Autos verzweifelte Fahrer, nahe daran in´s Lenkrad zu beißen. Einer steigt aus, schmeißt wütend die Tür zu, blickt erst auf die Uhr, dann nach vorne, doch von hier ist noch kein Grund für den Stau zu erkennen.
Wenige Fahrzeuge weiter vorn steht ein Laster, der die Sicht verstellt. In einem Kleinwagen macht ein Mann der Fahrerin Vorwürfe, da das Fenster offen ist, kann ich ihn hören. „Ich habe Dir doch gesagt, dass Du nicht durch die Neustadt fahren sollst, die bauen hier doch an allen Ecken und Enden.“ Mit letzterem hat er wohl recht. Die Alaunstraße ist in diesen Tagen zur Großbaustelle geworden. Irgendwelche Leitungen mussten wohl mal wieder erneuert werden. Doch das ist noch nicht der Grund für den Megastau.
Inzwischen bin ich an der Quelle angelangt. Direkt vor dem Kunsthof lädt ein Kipper mehrere Tonnen Sand ab. Er schüttet ihn direkt auf die Straße. Die Bauarbeiter sind gelassen, nur einer bemüht sich etwas. Mit einer lächerlich kleinen Schaufel versucht er den Sand Richtung Fußweg zu schaufeln. Nach drei, vier Versuchen gibt er aber wieder auf, die Kollegen sollen schweres Gefährt holen.
Doch den Autofahrern dauert das zu lange. Im Cross-Stil überqueren sie den Sandhaufen. Als sich dann nach einer knappen Viertelstunde der Stau aufgelöst hat, ist auch genug Platz für das „schwere“ Gefährt. Ein winziger Radlader kommt angebraust und schiebt den Sandhaufen näher an die Wand heran. Gerade noch rechtzeitig, denn von hinten naht schon ein riesiges Müllfahrzeug und mit ihm der nächste Stau.
Von Bau, Lärm und Abrissbirnen
Gestern noch war das orange-rote Monster im Einsatz. Der Bagger mit der Riesenpranke, ein gefalteter Trabbi hätte locker Platz darin gefunden. Er schob und scharrte über den Boden, Reste auflesen, Ordnung schaffen.
Direkt neben der Scheune auf der Alaunstraße stand früher ein Gebäude. Das war so irgendwas zwischen einer kleinen Industriehalle und einer großen Werkstatt. Ein hübscher Bau, schön mit Ziegeln und Schornsteinen, ein paar Eisenträgern und etlichen Fenstern. Nur leider, leider schon ziemlich mitgenommen.
Ich kenne die Ruine nur wenig. Einmal war ich dort. Vor vier Jahren oder fünf, eine angesagte Party sollte es sein. Ein wildes Gemisch aus House-, Techno- und HipHop-Klänge umgarnte mich und zog mich tiefer in das Gemäuer. Viele lila Lichter und grelle Graffitis hingen wahllos an den Wänden. Matratzen im Chil-Out-Room, dort können heiße Tänzer ihre schönen Körper auf Normaltemperatur kühlen. Aufgrund von Rauch und schummrigen Licht waren keine Einzelheiten zu erkennen: Möglicherweise gingen die beiden Gestalten in der hintersten Ecke anderen Tätigkeiten als dem Abkühlen nach.
Derartige Phantasien abwimmelnd stolperte ich aus dem Raum, suchte das Obergeschoss, die Treppe. Da ein Band, Stufen dahinter – abgesperrt. Vorsichtig, mit den Zehenspitzen den Boden prüfend, tappste ich vorwärts. Kein Licht, nichts zu sehen, ein Knirschen, Putz rieselt von der Decke, die Diele unter meinen Füßen scheint mir nicht mehr sicher. Ich kehre um, unten dröhnen die Bässe, ich verlasse das Haus, nehme mir fest vor, mal bei Tageslicht reinzuklettern.
Und nun das, da ist man mal drei Tage nicht in der Neustadt, schon ist meine Lieblingsruine weggerissen. Das Schlimmste ist, ich hab noch nicht mal gesehen, wie es passierte. Zärtlich mit einem Bagger, Ziegel für Ziegel rausbrechend. Oder brutal mit der Kugel und einem fetten, gewaltbereiten Kranführer, der bei jeder zusammenbrechenden Wand laut „Ja, Ja, Jaa!“ schreit.
Ich hoffe nicht, irgendwer muss auch ein bisschen aufgepasst haben beim Abriss. Die Heizungen wurden ordentlich rausgebaut, sogar ein großer Boiler liegt neben den Trümmern.


