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Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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Beschreibung
Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt täglich frische Nachrichten aus dem Kneipen- und Szene-Viertel Dresden-Neustadt. Damit es nicht langweilig wird, werden diese mit Hintergründen, Albernheiten, Gerüchten, Klatsch, Tratsch, Tests und heißen Diskussionen aus der Äußeren Neustadt vermischt. Und natürlich gibt es hier die besten Informationen über die Bunte Republik Neustadt.

Artikel-Schlagworte: „bart“

Dresdner Neujahrsingen in der Scheune

Schon wieder was mit Bart in der Scheune.

Schon wieder was mit Bart in der Scheune.

Darf man beim dritten Mal schon von Tradition sprechen? Nunja, die Veranstalter des Dresdner Neujahrrsingens tun es. Außerdem sprechen sie von einem extrem hohen Unterhaltungsfaktor. So sollen allerlei etablierte und aufstrebende Größen des Dresdner Nachtlebens sich zusammenfinden, darunter Gastronomen, Barkeeper, Veranstalter und Entertainer. Diese werden dem Publikum ihre Sangeskünste präsentieren.

Dieses „hammermäßige Spektakel“ (Veranstalter-Text) steht 2012 unter dem Motto: „Made in Germany“, wobei jeder Künstler freie Hand bei der Liederwahl hat, allerdings herrscht absolutes Schlagerverbot. Zwischen Udo und Mia, Rammstein und Rio, Marius und Deichkind, electra und Trio ist hingegen alles erlaubt.

  • Dresdner Neujahrsingen am 7. Januar ab 21 Uhr, Scheune, Eintritt: 14 Euro.

Volxparade zum 60.

Mann mit Bart

Mann mit Bart

Die Scheune wird 60 und feiert mit retuschierten Stalin-Plakaten und einer Volxparade. Die Stalin-Plakate gibt es, weil die Scheuneforscher annehmen, dass dem Diktatoren aus der fernen Sowjetunion zu verdanken ist, dass 1951 das Jugendklubhaus “Martin Andersen Nexö” eröffnet wurde. Damit aber nicht der Anschein entsteht, dass man in irgendeiner Form dem Stalinismus huldigen wolle, hat Joseph einen Bart bekommen. Ob damit nun wiederum dem aktuelle Geschäftsführer des Vereins, Magnus Hecht, gehuldigt werden soll ist unklar. Im Veranstaltertext heißt es lapidar:

„Die offizielle Geburtstagsparty in einer progressiven Inszenierung von Holger John, unter konterrevolutionärer Reflektion und Mitwirkung von selbsternannten Neustadt-Diktatoren, passiven Aktivisten und verirrten Mitläufern.“

  • Heute Abend ab 18 Uhr wird jedenfalls gefeiert. Mehr Infos, auch zum Programm, unter scheune.org

Von roten Weihnachtssternen und einem offenen Sommergarten

Das wilde Treiben hat begonnen, die Jagd ist eröffnet. Wer sich jetzt noch nicht auf den Weg zu den Geschenken gemacht hat, der wird wohl auf der Strecke bleiben. Alle Signale stehen jetzt auf rot, auch die Neustadt ist seit dem Wochenende in dieses Licht gehüllt. Fast so rot und warm wie gewisse Viertel in Amsterdam. Dort, wo das rote Licht auch im Sommer nicht ausgeht. Ein ungerechter Vergleich, denn hier sind die Quellen der Röte ordentlich gezackt und hingehängt, Sterne eben – Weihnachtssterne, sie sollen optische Anreize geben, Kauf- und Schenkanreize. Sie schreien förmlich von den Drähten, auf die sie gespannt sind: „Kauft ein Leute, bevor es zu spät ist.“ Doch manchmal sind sie auch einfach nur schön, schließlich ist Advent. Eine merkwürdige Zeit ist es schon mit allen ihren Freuden, Vorfreuden, Plagen und Ärgernissen.

Die Menschen auf der Straße sind im Schein des roten Lichtes irgendwie freundlich, selbst mir huscht ab und an ein Lächeln übers Gesicht. Neulich etwa, als ich glaubt, den Weihnachtsmann zu sehen, den dicken, alten Mann mit Bart. Doch als er auf mich zu kam, wurde er kleiner, schmaler und viel jünger, auch der Bart war plötzlich verschwunden. Die rote Zipfelmütze auf dem Kopf einer jungen, recht energischen Frau hatte mich so verwirrt, dass ich den Rest der Person sofort in das Klischee der Weihnachtsgeschichten stopfte.

Auf diese Weise verwirrt setzte ich meinen Weg durch die Nacht fort. Schmunzelnd stapfte ich vor mich hin, die Sebnitzer Straße entlang. Entrüstet bleibe ich stehen, sind denn meine Sinne schon vollkommen vernebelt. Kann ich durch den Weihnachtsdampf gar nichts mehr sehen. Zwei Schritte vor, doch da steht es in fetten Lettern: „Sommergarten geöffnet.“ Ein Transparent an einem italienischen Restaurant, es wirkt wie frisch aufgehängt und flattert leicht im Winterwind. Ein Blick durch die Scheiben zeigt, dass die Nudelstube geöffnet ist. Doch darin ist kein Mensch zu sehen. Eine Erklärung liegt nahe, auch der freundliche Italiener stellt seine Signale. Ein offener Sommergarten erinnert an Wärme, Wärme erinnert an den Urlaub im Süden. Und der Süden, das ist Pizza, Rotwein und Nudeln und die gibt es hier.