Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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OVG: Neonazi-Aufmarsch darf stattfinden

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen hat heute die Beschwerde der Stadt Dresden gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtes verworfen. Wie die Stadtverwaltung heute in einer Pressemitteilung erklärte, wird sie den Beschluss des OVG umsetzen – die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) darf marschieren, aber nicht auf der gewünschten Route. In seinem Beschluss hat das Gericht außerdem bestätigt, dass die Verlegung der Route der JLO von der Altstadt auf die Neustädter Seite vertretbar ist und den Anmeldern zugemutet werden kann. Auch die durch die Versammlungsbehörde geforderte zeitliche Beschränkung von 12 bis 17 Uhr wurde durch das Gericht bestätigt.

Damit wird ein Start des Aufmarsches am Neustädter Bahnhof sehr wahrscheinlich.

Zeitgleich werden in Dresden verschiedene Gegendemonstrationen stattfinden. Mit Unterstützung aller demokratischer Kräfte soll eine Menschenkette den gemeinsamen Willen der Dresdner ausdrücken, ihr Erinnern mit dem Bekenntnis zu Frieden, Demokratie und Menschenrechten zu verbinden. Sie soll symbolisch die Dresdner Innenstadt vor dem Eindringen Rechtsextremer schützen.

Das Bündnis Dresden Nazifrei hat auch eine Kundgebung am Bahnhof Neustadt angemeldet und will ab 9 Uhr ein Programm organisieren, bei dem unter anderem Katja Kipping (stellv. Parteivorsitzende Die Linke), Aiman Mazyek (Generalsekretär des Zentralrats der Muslime) und der Liedermacher Konstantin Wecker auftreten sollen. Auf diese Weise soll der Platz besetzt und den Nazis kein Raum gelassen werden.

Gedenktafel am Bahnhof Neustadt

Wenn am 13. Februar Neonazis am Bahnhof Neustadt auflaufen, werden sie auch mit dieser Gedenktafel konfrontiert.

Gedenktafel am Bahnhof Neustadt - anklicken zum Vergrößern

Gedenktafel am Bahnhof Neustadt - anklicken zum Vergrößern

Die Gedenktafel am Neustädter Bahnhof, die an das Schicksal Dresdner Juden erinnert, wurde am 27. Januar 2001 vom damaligen Oberbürgermeister Herbert Wagner enthüllt. Die Inschrift lautet: “Im Nationalsozialismus war der Güterbahnhof Dresden-Neustadt Ausgangspunkt oder Zwischenstation für viele Deportationen von jüdischen Frauen, Männern und Kindern. Im Oktober 1938 begann hier die Abschiebung von 724 Dresdner Juden nach Polen. Mit Zügen der Deutschen Reichsbahn erfolgte zwischen 1942 und 1944 ein großer Teil der Transporte in die Gettos Riga und Theresienstadt, in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie in andere Konzentrationslager”

Die Tafel besteht aus drei Elementen: aus zwei Stahlplatten und einer Glasplatte, die diese optisch miteinander verbindet. Auf die Glasplatte wurde per Sandstrahl ein Psalm in Hebräisch und in Deutsch aufgebracht. Außerdem sind in das Glas sechs Pflastersteine eingelassen. Diese symbolisieren zum einen die Opfer, zum anderen aber auch die Gefährdung von Leben. In den Gehweg – in Sichtbeziehung zur Tafel – wurde ein einfacher bronzener Davidstern eingelassen.

13. Februar

Bahnhof Neustadt am Schlesischen Platz

So wie es derzeit aussieht, wird es wohl am 13. Februar einen riesigen Aufmarsch von alten und neuen Nazis am Bahnhof Neustadt geben. Die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) hat wie in den vergangenen Jahren einen Trauermarsch durch Dresden angemeldet. Die Stadtverwaltung hat den Trauermarsch verboten und der JLO nun eine Kundgebung erlaubt und ihr dafür den Schlesischen Platz vor dem Bahnhof Neustadt zugewiesen. Dagegen zogen die Anmelder vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Dresden muss nun entscheiden, ob die Nazis doch marschieren dürfen.

Die Neo-Nazis haben vor Kurzem auf dem Dammweg schon mal eine Visitenkarte hinterlassen, am vergangenen Wochenende hatten bislang unbekannte Täter dort Hakenkreuze und Parolen hingeschmiert. Diesen Beitrag weiterlesen »

Ein neuer Sputnik kreist um die Neustadt

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Noch ist nicht viel von der künftigen Partylocation zu erkennen - Anklicken zum Vergrößern

Die Djs sind bestellt, die Räume sind renoviert: Es kann losgehen. Am 19. September ab 21 Uhr lädt das neue Sputnik 2.0 zur Eröffnungsparty in den Keller unterm Lidl im Neustädter Bahnhof. Vorbei sind dann die Zeiten, als Freunde des alten Sputnik zur Tannenstraße pilgerten um Gedenkkränze dort abzuwerfen, wo ökologisch korrekte Familienhäuser das abgerissene Clubgebäude ersetzt haben. Thomas Kropff, einer der drei Clubmacher, lacht darüber, hält das für ein Gerücht. „Doch die Zeit ohne Club war schon hart”, bestätigt er. Schließlich war für ihn das alte Sputnik Broterwerb und Herzensangelegenheit zugleich. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von neugierigen Blicken und fieser Anmache

Er fixiert mich. Was soll ich machen? Ich merke wie sich mein Gesicht zu einer Grimasse verzieht, die wohl nach einem Lächeln aussehen sollte. Das erstirbt mir sofort. Er wendet sich ab und pumpt seinen durchtrainierten Körper noch etwas auf. Das zierliche Mädchen neben ihm stößt ihn in die Seite: „Was ist denn los?“ Er, betont lässig und so dass ich es hören kann: „Ich überlege, ob ich dem da ein paar rein haue.“

Ich hätte es wissen müssen. Manche Leute fühlen sich schon angegriffen, wenn man sie nur einen Augenblick zu lange anstarrt. Und manche Orte ziehen solche Leute magisch an, der Supermarkt im Neustädter Bahnhof ist ein solch magischer Ort. Dort wollte ich nur geschwind ein paar Spaghetti und frische Tomaten holen. Da ich mal wieder vergessen hatte, rechtzeitig vorzusorgen, musste also der Sonntags geöffnete Bahnhofsmarkt herhalten. Die Eierteigwaren und das Obst hatte ich auch schnell eingesammelt, dafür war die Schlange vor der Kasse um so länger. Und da ich von Natur aus recht neugierig bin, lausche ich bei solchen Gelegenheiten gern den Gesprächen der Umstehenden. So kam es, dass ich versuchte ihm zu zuhören. Er war noch ziemlich jung, mittelgroß und schlank, sie eher klein und verdammt blond. Doch seinen Worten zu folgen, fiel mir zunehmend schwerer, da er sich nicht die Mühe machte, beim Sprechen die Lippen zu öffnen, fielen seine Antworten immer sehr nuschelig aus. Infolge dessen musste die kleine Blondine noch einmal nachfragen und dann ist es passiert. Er bemerkte, wie ich die beiden anstarrte und mir gelang es nicht schnell genug wegzublicken.

Jetzt steh ich vor der physischen Konsequenz meiner neugierigen Blicke, mein Puls schnellt hoch, er blickt wieder zu mir und ich muss wie von einem Magneten gezogen zu ihm hinstarren. „is der schwul?“ nuschelt er zu der Blondine, die aber ist schon mit dem Laufband der Kasse beschäftigt. Dann guckt er noch mal und ich kann der Versuchung nicht widerstehen und werfe ihm einen Kussmund zu. Mein Puls rast, er ruft mir zu, dass wir uns draußen sehen würden, glücklicherweise kann ich in dem Moment bezahlen und ganz gelassen den Markt verlassen. Den triumphierenden Blick zurück spare ich mir, nicht dass er doch noch ausrastet und mir hinterherläuft. Auf diese physische Gewalt kann ich leicht verzichten.

Von Hund und Herrchen

Hund und HerrchenEr ist klein, knuffig, weiß mit schwarzen winzigen Flecken und seine vier Beine reichen trotz ihrer Kürze genau bis zum Boden. Das Gesicht ist ein einziger Haufen aus Falten, wirkt aber dennoch sehr jugendlich und frisch. Ich bin gerade am Bahnhof Neustadt unterwegs, um ein paar Sonntagsbrötchen zu erstehen. Der kleine Hund ist an einem Geländer angeleint und wartet brav. Ich nehme mir ein bisschen Zeit und lauere auf sein Herrchen, um die im Titel beschriebene Phrase bestätigen zu können.

Wenig später kommt er, ungefähr 25 Jahre alt, und trägt zwei Baguette unterm Arm, blondes, mittellanges Haar, blaue Jeans und einen helle Sweater von H & M, leger über die Schultern geworfen. Er leint das Hundchen ab: „Komm, Mops“ und gemeinsam dackeln sie zu einem metallicblauen Golf III. Der Leser mag selbst entscheiden, ob hier ein Fall von beiderseitiger Anpassungsfähigkeit vorliegt oder nicht.

Wenige Stunden später auf der Alaunstraße, ein struppiges, grau-braunes Etwas rempelt mich an und huscht vorbei. Sieht aus, wie eine Mischung aus einem Schäferhund und einem Spitz, aber wahrscheinlich sind noch viel mehr Rassen für das Hundchen verantwortlich. Er reicht mir ungefähr bis zu den Knien und statt eines Halsbandes trägt er ein rotes Tuch. „Streuner, komm her“ – die Stimme scheint sich bald zu überschlagen, dabei fällt mir auf, dass ich diesen Ruf fast jedes Mal höre, wenn ich hier entlang schlendere. Neugierig drehe ich mich um, der Ruf kommt aus dem Munde eines Mädchens, vielleicht 20, vielleicht noch jünger. Sie sitzt vor dem Konsum, und wenn sie nicht nach Streuner ruft, bettelt sie Passanten um Kleingeld an. Ihre Haare sind ziemlich zerzaust, das einzig akkurate ist der drei Zentimeter breite abrasierte Streifen über dem linken Ohr.

Am Abend schlendere ich noch einmal durchs Viertel, mir entgegen kommt ein älterer Mann, so um die 60, mit einer Pilotenjacke mit Emblem der US-Airforce, dunklen Jeans und trotz der abendlichen Dunkelheit mit einer dicken Sonnenbrille auf der Nase. Sein Schritt ist stramm und an seiner Seite stolziert ein reinrassiger Boxer, frisch gebürstet glänzt das Fell im Abendlicht. Obwohl die Leine etwa zwei Meter lang ist, weicht der Boxer nicht von Herrchens Seite und setzt sich brav an jeder Kreuzung. Ein kurzes „Los“ reicht aus, damit er weiter läuft.

Doch keine Serie ohne Ausnahme, wenige Tage später sah ich einen durchtrainierten, jungen Mann, Marke Türsteher mit einem winzig kleinen wuschlig weißen Wollknäuel vor dem Blumenau stehen.

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