Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „Automat“

Von wilden Chaoten und besonnenen Neustädtern

Es brennt mal wieder. Flammen schlagen aus den Papiercontainern. Eine wilde Horde Jugendlicher steht auf der Straße und wirft mit Flaschen nach den Feuerwehrleuten und der Polizei. Später im Fernsehen wird es so aussehen, als sei in der Neustadt mal wieder Krieg ausgebrochen.

An anderer Stelle, es ist später in der Nacht. Unbekannte sind unterwegs mit Silicon-Spray und Bauschaum. Sie wollen die neuen Parkscheinautomaten zerstören. In einer Nacht müssen über dreißig leiden, bei einer weiteren Attacke wird noch mal mehr als ein halbes Dutzend beschädigt. Der Schaden bewegt sich inzwischen fast im fünfstelligen Bereich.

Was ist los mit der Neustadt?

Randale gab es seit Beginn der 90er Jahre immer mal wieder. Anfangs waren es Neonazis, die hier im Viertel besetzte Häuser überfielen und zu Silvester die Bronxx auf der Alaunstraße in Brand setzten, später gab es Ärger zwischen Hausbesetzern und der Polizei. Zum Beginn des neuen Jahrtausends eskalierte die Gewalt während der BRN, ein gefährliches Gemisch aus Hooligans und Jung-Autonomen legte sich mit der Polizei an und erreichte, dass die Republik bundesweit in einem Atemzug mit den Chaostagen in Hannover erwähnt wurde. Kreisende Polizeihubschrauber und schwarze Sondereinsatzkommandos verwandelten das Viertel in ein bürgerkriegsähnliches Gebiet. Doch seit ein paar Jahren ist wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt, selbst die BRN ist überwiegend friedlich geworden. Und nun das. Der Unmut der Anwohner über die Parkscheinautomaten, die von der Stadt gegen den Willen des Ortsbeirates durchgesetzt wurden, ist ja nachvollziehbar. Nur die Zerstörung bringt wahrscheinlich niemanden etwas. Die Kosten tragen letztlich wir als Steuerzahler alle oder aber die Stadt muss an anderer Stelle wieder irgendwo sparen. Das aufgrund der Zerstörungen die Automaten wieder abgebaut werden, wird wohl eine Illusion bleiben.

Und die Krawalle vor der Scheune. Am letzten Oktoberwochenende blieb es vermutlich wegen des Regens und der massiven Polizeipräsenz ruhig. Auch mit den zu erwartenden sinkenden Temperaturen wird sich das Problem wohl vorerst von selber lösen. Doch der nächste Sommer kommt bestimmt.

Für den Raum vor der Scheune muss dringend eine Lösung her. Am Besten eine, bei der die dort abhängenden Punks mit einbezogen werden. Ganz verdrängen wird man Krawallbrüder wohl nie, doch man kann ihren Aktionsradius einschränken.

Von Ampelspaß und Parkplatzwahn

Mag sein, dass der durchschnittliche Neustädter sich etwas weniger an Regeln hält, als der Durchschnittsdresdner. Immerhin gibt es hier im Viertel auch überdurchschnittlich viele Graffiti, umgekippte Mülleimer und schnorrende Straßenpunks. Nicht, dass jetzt jemand glaubt, dass die letzten beiden Fakten miteinander zusammen hängen. Nein, dies sollte nur eine kleine Aufzählung der Unspießigkeiten des Szene-Viertels sein. Dazu kommen noch solche Fakten, wie eine hohe Kneipen- und Studentendichte und eine relativ große Anzahl alkoholisierter Personen. Dieses alles nur als kurze Einleitung zu den demnächst anstehenden Veränderungen hier im Viertel.

Denn die Stadtverwaltung räumt auf, sie macht Ordnung und Schluss mit lustig. Reform Nummer 1: Die verschobene Kreuzung zwischen Louisen-, Rothenburger und Görlitzer Straße bekommt eine Ampel. Wie sich das anfühlt, kann der gemeine Neustädter jetzt schon erleben, der Baustellenampel sei dank. In der Praxis sieht das dann folgendermaßen aus. Ausnahmslos alle Fußgänger und Radfahrer ignorieren die Farben der Ampel, nur die Autos halten sich brav an Rot und Grün. Jedoch bedeutet Grün für die Autofahrer noch lange nicht, dass sie jetzt gemütlich über die Kreuzung fahren können. Nein, sie müssen sich Stück für Stück vortasten und aufpassen, dass sie ja keinen Hund oder keine Katze übersehen. Nun mag diese Langsamkeit auch dem derzeitigen Baustellencharakter der Kreuzung entsprechen, ich bin mir jedoch sicher, dass auch in Zukunft die Autofahrer beim Überfahren der Kreuzung höchste Vorsicht walten lassen müssen.

Reform Nummer 2: Die Parkscheinautomaten kommen. Damit werden auch die letzen Lücken kostenfreien Parkens in der Äußeren Neustadt geschlossen. Künftig gilt, entweder Anwohnerparkausweis, Parkzettel vom Automaten oder Knöllchen vom Ordnungsamt. Und die jetzt schon sehr regelmäßigen Kontrollen werden dann bestimmt noch ausgeweitet.

Nun warten wir es ab, möglicherweise kommt die Stadt diese Projekte noch teuer zu stehen, im Internet kursieren schon Rufe nach Trennschleifern. Mal sehen, was eher fällt, eine Ampel oder ein Parkautomat.

Anmerkung 2007: Zwar gab es mehrere Attacken auf Parkautomaten, jedoch keine einzige auf die Ampel.

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