Artikel-Schlagworte: „Alkohol“
Saufen, raufen, einbrechen
Die Dresdner Polizei meldete heute zwei Straftaten, die unter Alkoholeinfluss begangen wurden:
Ein 22-Jähriger versuchte heute früh in ein Geschäft auf der Bautzner Straße einzubrechen. Eine Anwohnerin alarmierte die Polizei, als die Beamten eintrafen flüchtete der Mann über einen Hinterhof in Richtung Prießnitzstraße und dann wieder in Richtung Bautzner, schließlich versuchte er, sich im Gras zu verstecken. Die Polizisten nahmen ihn fest. Alkoholpegel: 2,92 Promille. Der junge Mann war schon ein paar Stunden zuvor beim Versuch ein Fahrrad zu stehlen gescheitert, den Rest der Nacht verbrachte er in der Zelle.
Gestern Nachmittag schlugen sich mehrer Personen in der Neustadt. Ein 21-Jähriger erlitt leichte Verletzungen. Die Polizei stellte die Beteiligten an Ort und Stelle, drei der Schläger standen unter erheblichen Alkoholeinfluss.
Von kleinen Unwahrheiten und großen Märchen
Es war einmal ein friedlicher kleiner Stadtteil. Jahr für Jahr versammelten sich die Bewohner zu einem Feste. Gesetze wurden gemacht, Geld eingeführt und jeder Bürger bekam einen Pass. Jeder soll Spaß haben und kräftig feiern. Jahr für Jahr wurden die Feierlichkeiten größer und lauter.
Eines schönen Tages trat ein preußischer Junker auf den Plan und verkündet, dass dieser kleine Stadtteil zu Höherem geschaffen sei. Von diesem Tage an nahm er die Organisation des Festes in die Hand, und es wurde noch größer und noch lauter. Die Bewohner des Stadtteils blieben weg, dafür kamen aber viele andere aus der Stadt und den Provinzen. Anno 2000 waren es über 100 000, die sich Alkohol, Bratwurst und Vergnügen hingaben. Ein Jahr später kamen noch mehr, der kleine Stadtteil quoll förmlich über. Zufrieden schritt der preußische Junker mit seinen Rittern durch die geschmückten Straßen. Bunte Stände boten allerlei Waren feil und Musikanten aus den angrenzenden Ländern sorgten für Unterhaltung. Duft von Gegrilltem und Verbranntem durchzog die engen Gassen des Viertels.
Nur hatte der Junker die Rechnung ohne den bösen Wolf gemacht. Am Sonntag des Festes stürmte er mit seinen grünen Jägern mitten in die Festgesellschaft. Die schlugen wahllos auf die Besucher ein, um dem fröhlichen Treiben ein schnelles Ende zu setzen. Tags darauf waren schlimme Bilder im ganzen Land zu sehen. Jeder musste denken, dass der kleine Stadtteil voller unfolgsamer Bürger war, die unerlaubt Feuerwälle auf ihren Straßen und Gassen errichteten, um den Wolf zu ärgern.
Der Junker, der für das Fest verantwortlich war, hatte die Nase voll und sagte, dass er nie wieder für die Bürger des Stadtteils etwas organisieren wolle und verließ das Festkomitee. Aufgebrachte Bürger setzten sich zusammen und versuchten zu ergründen, warum das sonst so friedliche Fest plötzlich so brutal geworden war. Auch der Wolf versprach Aufklärung, die Prügeleien der Jäger sollten untersucht werden. Viel wurde geredet und es wurde vertagt. Bis Anno 2002, da packten endlich einige Beiräte des kleinen Stadtteils den Mantel aus, den Mantel des Schweigens, der so groß war, dass alles darunter passte, auch die noch immer aufgebrachten Bürger. Der preußische Junker ist immer noch Vorsitzender des Festkomitees und schwingt wieder Reden und die Rufe nach Aufklärung wurden immer leiser und leiser. Es gibt ja viel zu verteilen und viel zu verdienen bei diesem Fest. Und wie heißt es so schön bei jedem Märchen: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kehren sie noch heute – und zwar unter die Gehsteige der Neustadt.
Löcher in der Straße oder ein Stadtteil versackt
Einfach abgesackt, weggerutscht. Ein neues Loch ist entstanden. Mitten auf dem Martin-Luther-Platz sind mehrere Pflastersteine etwa 30 Zentimeter nach unten gesackt. Rot-weiße Warnbaken markieren die Katastrophen-Stelle. Ein dickes Loch prangt dort, wo früher Straße war.
Dass man in der Neustadt hervorragend versacken kann, müsste eigentlich klar sein, diverse Kneipen locken mit hochprozentigen Getränken. Und nach reichlichem Genuss bleibt der eine oder andere Alkohol-Liebhaber schon mal unterm Tisch liegen. Doch dass neuerdings auch Pflastersteine versacken, ist schon ein ziemlich starkes Stück. Dabei ist das Vorkommnis am Martin-Luther-Platz nicht das erste seiner Art. Vor reichlich einem Jahr haben sich auf der Schönfelder Straße schon einmal ein paar Steinchen in den Untergrund verabschiedet. Damals reagierte das Straßenbauamt wesentlich drastischer. Zur Strafe wurde die halbe Straße gesperrt. Rote Karte, zwei Wochen Pause, keine Autos, keine LKW, die übrigen Steine der Straße wurden in einer Art Sippenhaft gleich mit bestraft.
Nach Ablauf der Sperrfrist wurden die Übeltäter aus ihrer Tieflage befreit, neuer Sand im Untergrund sollte weiteres Absacken verhindern, bis heute erfolgreich. Stellt sich nun die Frage ob, die Abrutsch-Aktion am Martin-Luther-Platz eine Solidaritäts-Demonstration ist, oder ob dort einfach nur dem Druck von oben nachgegeben wurde.
Diesmal reagiert die zuständige Behörde nur mit einer lokalen Sperrung, vermutlich ist sogar schon ein kleiner Bautrupp beauftragt, den Untergrund zu untersuchen und weitere Absackungen zu verhindern. Doch hier muss hart und schnell gehandelt werden, die Abweichler müssen erstmal ihrem Elend überlassen werden, eine Sperrung des ganzen Platzes sollte her. Damit die anderen Pflastersteine genau wissen, wer hier Herr über Grund und Untergrund ist.
Denn wenn hier nur lokal begrenzte Strafen verhängt werden, wird es immer wieder neue Absturz-Versuche geben. Und vielleicht bilden die Pflastersteine dann auch irgendwann eine Allianz mit den wenigen Asphaltdecken auf Alaun- und Louisenstraße. Das Drama könnte ungeahnte Formen annehmen, wenn plötzlich eine ganze Straße im Untergrund verschwindet und sämtlichen Kneipen plötzlich die Laufkundschaft fehlt.
Von vollen Kneipen und langsamer Bedienung
Der Laden ist ordentlich voll. Kein Wunder, eine Ausstellungseröffnung steht an. Schicke Fotos an den Wänden, schicke Leute vor der Bar – wartend.
Hinter der Bar, der Name des Lokals soll hier mal diskret verschwiegen werden, zwei Blondinen. Mit Mühe dränge ich mich durch das Gewühl. Ein großes Plakat zieht meine Aufmerksamkeit an: Strawberry Margarita – ein leckerer Cocktail mit Erdbeeren und Tequilla. Offensichtlich der Drink der Woche, den bestelle ich für meine Begleitung, Frauen mögen so was. Für mich einen Gin-Tonic. Doch die Bestellung erweist sich als Fehler. Denn jetzt beginnt die eine Blondine hektisch hin und her zu laufen. Der Margarita muss im Mixer ordentlich durchgerührt werden. Also holt sie den Mixer aus dem Hinterraum, dann die Erdbeeren, dann den Alkohol. Als sie alles vorn hat, mixt sie kurz und verschwindet dann mit den Gerätschaften wieder nach hinten. Ich bin reichlich verwirrt. Sollte ich der einzige sein, der den groß beworbenen Drink bestellt?
Nachdem die Kellnerin bestimmt noch fünfmal hin und her gelaufen ist, hat sie den Cocktail endlich fertig. Sichtlich erleichtert, stellt sie das Glas hin. Der Gin-Tonic, schon seit einigen Minuten fertig, kommt dann auch sofort. Um den Laden nachher ohne lange Wartezeit verlassen zu können, zahle ich lieber gleich.
Natürlich musste ich wieder Trinkgeld geben, schließlich kann die Kellnerin auch nichts dafür, dass hier alles so schlecht organisiert ist. Unklar bleibt für mich die Frage, warum der Laden trotzdem voll ist. Denn auch an Tagen ohne Ausstellungseröffnung ist hier eigentlich immer großer Andrang. Lieben es die Gäste, wenn sie nur langsam bedient werden?
Anderes Lokal, anderer Tag. Im Kaffee-Pot am Bischofsweg stehen die Zeichen klar auf Rock, Jimi Hendrix, der König der E-Gitarre, hängt an der Wand. Hinterm Tresen ein Mann, Mitte 30, mit einem Gesicht, dass Geschichten erzählen könnte. Tätowierte Typen bevölkern den Raum, eine bedrohliche Situation. Doch dann: „Was wollt ihr denn trinken?“ Mit freundlicher Stimme begrüßt uns der Wirt. Zwei Bier – die sind ruck-zuck gezapft, stehen schneller, als wir uns setzen können. Später dann, beim Gehen, schickt er uns einen „schönen Abend noch“ hinterher.
Vielleicht gibt es einen bisher unbekannten Zusammenhang – Um so einfacher die Kneipe, um so freundlicher das Personal?
———–
Anmerkung 2005: Die Bar hieß Dejavue und hat inzwischen ihre Pforten dichtgemacht, ein Nachfolger ist schon da. Die Bedienung ist jetzt besser.


