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Görlitzer Straße: Wenn Steine reden

Irgendwann musste es ja mal passieren. Am vergangenen Sonntag ist auf der Görlitzer Straße ein Dachgiebel eingestürzt. Glücklicherweise waren gerade keine Passanten an dieser Stelle. Der Wirt des Dönerladens nebenan ist mit dem Schrecken davon gekommen – den Steinhagel hätte er wahrscheinlich nicht überlebt.

Görlitzer Straße in den 1990er Jahren - Foto: Archiv/Lothar Lange
Görlitzer Straße in den 1990er Jahren – Foto: Archiv/Lothar Lange

Dabei ist das Haus kein Einzelfall. Taxifahrer nannten die Görlitzer Straße früher nur „Görlitzer Allee“, weil so viele Bäumchen in den Dachrinnen wuchsen. Auch heute noch verrotten manche Fassaden vollkommen unkontrolliert vor sich hin, gehalten von Holzgerüsten, die selbst schon bessere Tage gesehen haben. Die letzten Mieter des eingestürzten Hauses sind vor Ewigkeiten ausgezogen, das Dach war undicht, die Mauern feucht. Irgendwann gaben die Steine nach. Hinweise auf den schlechten Zustand habe es über die Jahre immer wieder gegeben, doch passiert sei letztlich wenig.

Drei Autos wurden beschädigt, die Straße weiträumig gesperrt. Einen Vorteil hatte die Absperrung allerdings für niemanden: Die angrenzenden Kneipen mussten die ganze Nacht Türen und Fenster geschlossen halten – Lärmschutz, bewacht von einem Polizeiwagen. Ein teurer Sonntag für alle Beteiligten. Auch Anwohner mussten Umwege in Kauf nehmen und auf manche gewohnte Wege vorerst verzichten.

Inzwischen untersuchen Statiker das Gebäude. Doch wer genau hinschaut, erkennt ein Muster, das in der Neustadt nicht neu ist: Einfach jahrelang nichts tun. Feststellen, dass eine Sanierung „nicht mehr möglich“ ist. Und plötzlich steht auf dem Grundstück ein schicker Neubau – ein paar Etagen mehr, effektiverer Grundriss, deutlich höhere Mieten. Zufall? Manchmal schon. Strategie? Öfter, als man denkt.

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Natürlich fehlt manchem Eigentümer schlicht das Geld. Das sei ihnen unbenommen. Aber das Mindeste – die Sicherung eines maroden Daches – muss drin sein. Denn der nächste eingestürzte Giebel trifft vielleicht jemanden. Und dann reden nicht nur die Steine. Die Frage ist daher nicht nur, warum dieses Haus eingestürzt ist, sondern auch, wie viele vergleichbare Fälle noch darauf warten, Schlagzeilen zu machen.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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