Politpredigt statt Kunst – Die Leiden des Arnold Vaatz
Bundestagskandidaten haben es derzeit schwer. Sie vernachlässigen Frau und Hund, um das Wahlvolk aufzusuchen, damit es sie wählen möge. Doch irgendwie klappt das nicht immer, musste jetzt Arnold Vaatz, CDU-Kandidat für die Neustadt, erleben.

Arnold Vaatz im Dresdner Straßenwahlkampf
Angekündigt und angelockt hatte ihn die Eröffnung einer Kunstausstellung im alten Stasiknast an der Bautzner Straße 112a: „OHNE UNS“-Kunst und alternative Kultur in Dresden vor und nach 1989.
Geboten wurde jedoch eine skurrile Abrechnung mit der SED. Hauptdarsteller: Frank Richter, ehemals Gymnasiallehrer, noch früher Kaplan und Gründer jener Gruppe von zwanzig Dresdner Bürgerinnen und Bürgern, die während einer Demonstration am 8. Oktober 1989 beauftragt wurden, mit den örtlichen Behörden über ihre politischen Forderungen zu verhandeln.
Heute leitet Richter die Landeszentrale für politische Bildung und offenbar auch eine bislang unbekannte Abteilung für antikommunistische Agitation.
Stasi und SED wollten die Menschen vernichten“, lautete nur eine der Thesen, die Ex-Kaplan Richter vortrug: Weihevoll, voller Pathos und definitiv zu lang für ein Publikum, das eigentlich Kunst erwartet hatte, keine Politpredigt.
Sie hatten aber keine Chance, denn nachdem die Unruhe in deutlich schlechte Stimmung umzukippen drohte, immer mehr Besucher wissen wollten, wer der Redner da vorne sei, nahm sich Vaatz, einst selbst ebenfalls Mitglied der 20er Gruppe, eine Nebenrolle im Stück und half dem murrenden Wahlvolk mit Infos über den Redner aus. Der bedankte sich natürlich zeitgemäß- mit einer zufälligen Erwähnung des CDU-Wahlkämpfers mitten im Satz. Der Abend schien gut zu werden für Vaatz.
Das änderte sich als Richters Predigt irgendwann zu Ende ging und auch eigentlich keiner Zugabe bedurfte. Auch nicht von Vaatz, der sich trotzdem meldete, um das “Premierenpublikum” mit einer Aufzählung quasi aller Stasiknäste zu beglücken – 16, allein in Deutschland und angeblich stehen im Ausland auch noch ein paar Gebäude rum.
Ein Ex-Kaplan ist Chef der Landeszentrale für politische Bildung
Proteste des Wahlvolks halfen da nichts. Im Gegenteil: Der Ton wurde stattdessen rauer: „Heute darf hier jeder etwas sagen, auch ich“, meckerte Vaatz einen Besucher rüde an, der sich den Wahlkampf im Stasiknast verbat. Vaatz wütete zurück: „Sie wissen doch nichts” und spielte damit auf seine einjährige Haftzeit wegen Reservewehrdienstverweigerung an.
Die Wählerbeschimpfung ging allerdings unter, denn jetzt war tatsächlich so etwas wie Kunst angesagt. Fünf Frauen hatten 1989 die Erfurter Stasizentrale besetzt und das zwanzig Jahre später in Form einer Tanzperformance aufgearbeitet. Eine spannende Idee, wenn die ehemaligen Politfrauen nicht mittlerweile zur Esoterik übergetreten wären, Namen wie Anomatey und Rakuna trügen und auf die Kraft von Kreisen setzten, die mütterliches Heilwissen sammeln.
So ähnlich war dann auch die Performance: Tanzperformance als Kunst sieht jedenfalls anders aus. Das ganze erinnerte eher an einen rituellen Anfassringelrein, der sich dann nur noch den ganz Harten erschloss.

Esoterisches Anfassen als Erinnerung an 1989
Die Ausstellung „OHNE UNS“ findet noch in drei weiteren Dresdner Ausstellungsräumen statt.
- Prager Spitze und der Motorenhalle: Wichtige, teilweise noch nie ausgestellte Werke aus der Zeit der DDR
- Lichthof des Dresdner Rathauses: Methoden und Formen staatlicher Unterdrückung anhand von Unterlagen und Dokumenten. Eröffnung am 7. Oktober, 18 Uhr.
- Der Eintritt für Prager Spitze und die Motorenhalle beträgt insgesamt 5 Euro. Stasi-Gedenkstätte und Lichthof im Rathaus sind umsonst.





Du liebe Güte, genau das ist es, was ich an dem ganzen “DDR-Gedenken” so heuchlerisch finde. Es wird regelmäßig an Wahlvorabenden und in politischen Debatten herausgeholt, wenn es darum geht, Sympathien und Stimmen zu sammeln und/oder sich von anderen Parteien abzugrenzen bzw. diese zu diffamieren. Den Rest des Jahres über wird sich nicht einen Deut um das Thema DDR geschert, ganz zu schweigen von einer ideologisch aufgeräumten, fair und neutral analysierenden bzw. historisierenden Debatte.
Aber Arnold Vaatz ist ohnehin unmöglich. Schon früher, als er noch in unmittelbarer Nachbarschaft zur Familie meines Ex-Freundes im Leipziger Land lebte, konnte den kaum einer leiden.
In der Vaatz-Kritik stimme ich Jane und dem Autor des Artikels zu. Er tritt nicht in meinem Wahlkreis an, aber er wäre für mich unter anderem wegen seiner Einlassungen zur Brücke und wegen seiner Angriffe gegen Personen des kulturellen Lebens völlig unwählbar.
Vor Frank Richter habe ich allerdings Respekt aufgrund seiner Rolle Anfang Oktober 1989. Und dieser Grundrespekt trägt auch bis heute, wo er ein Amt in einer Institution ausübt, die ich für völlig überflüssig halte.
Autsch.
Was mit am Log-Eintrag und den Kommentaren auffällt, ist neben Indiskretion und Unverständnis die vollkommen schmerzfreie Verwendung problematischen Vokabulars wie “Stasiknast” o. “DDR-Gedenken”.
Sicher, die Bezirksdirektion Dresden des MfS hatte in ihrem Objekt auf der Bauzner Straße auch Zellen für Untersuchungshäftlinge. Bei einer allmächtigen und allwissenden Behörde, die einem “Generalunternehmen Sicherheit” glich, sicher keine Überraschung.
Dass die Herren Vaatz und Richter staatlich geprüfte Kommunistenhasser sind, dürften die Spatzen schon seit Jahrzehnten von den Dächern pfeifen; und zwar seit ziemlich genau zwei, sonst gäbe es dieses Jahr keinen Jahrestag. Des weiteren frage ich mich, warum ein Politiker im Wahlkampf die Öffentlichkeit meiden sollte, vor allem bei Veranstaltungen, wo er wirklich mal was zu sagen hat. Ich empfehle den hier am Meinungsaustausch Beteiligten, doch einmal eine Veranstaltung zu besuchen, wo sich ehemalige MfS-Mitarbeiter wie die Karpfen im Teich tummeln. Denn dort wird Geschichte derart unverfroren zurechtgelogen, dass einem die Spucke wegbleibt. Lieber tanze ich mit tausend Eso-Hexen die Erstürmung der Erfurter Bezirkszentrale nach.
Also ich war bei der kritisierten Veranstaltung nicht dabei und will mal nicht ausschließen, dass das im Sinne politischer Unabhängigkeit nicht total glücklich gelaufen ist an diesem Abend. Aber festhalten möchte ich schon, dass Arnold Vaatz zwar, wie alle in Dresden irgendwie relevanten Nicht-Nazi-Politiker, persönlich eingeladen war, aber mit dem Projekt an sich nicht im Geringsten verbunden ist. Was immer er bei der Veranstaltung geäußert hat, ist nicht mehr als die Privatmeinung eines Zuschauers. (Und dem Bericht nach zu urteilen hat Vaatz ja nun nicht unbedingt Wählerstimmen gewonnen gestern.)
Aus der Innenansicht des Projekts weiß ich (Webredakteur, der hier für sich spricht, übrigens), dass Extraanstrengungen unternommen wurden, einen parteipolitischen Einschlag zu verhindern, gerade weil die Eröffnungstermine nun etwas ungünstig kurz vor der Wahl liegen. Ich bezweifle auch stark, dass sich der Ausstellung, dem Begleitbuch oder den zahlreichen kommenden Veranstaltungen irgendein parteipolitisches Motiv nachweisen lässt. Es geht darum, Künstlern eine Bühne zu bieten, die von den Verhältnissen in der DDR (und zu den jetzigen Verhältnissen wurde vom Kurator Paul Kaiser auch nicht nur Euphorisches gesagt in der PK, wenn ich mich richtig erinnere) an der Entfaltung oder Präsentation ihrer Kunst gehindert wurden. In diesem Geist möchte diese Ausstellung gern gesehen werden, hoffentlich bekommt sie und die Künstler diese Chance.
Sorry, lieber Paul Neumann, ich muss jetzt mal länglich werden.
Sei ganz sicher, eine Veranstaltung ehemaliger MFS-Mitglieder mit anschließendem Eso-Tanz des damaligen Kantinen-Kollektivs, bekäme hier im Blog eine ähnliche Rezension. Sie wird aber selten als Kunst getarnt angekündigt, deshalb gehe ich da höchst selten hin.
Von Indiskretion kann zudem keine Rede sein. Näher dran dran an den Ereignissen war ich nie. Die beschimpfte Person ist mir bestens bekannt, sehr gut sogar. Nur Vaatz kannte sie nicht, hat sie für einen einfachen Privatmann gehalten, den man ja mal gefahrlos beschimpfen kann. Deshalb hat er sich gehen lassen.
Arnold Vaatz hat sich bewusst in die Öffentlichkeit begeben, um halt aufzufallen. Darum musste er ja unbedingt noch was sagen. Wenn es denn halbwegs sinnvoll und weiterbringend gewesen wäre, hätte das Publikum vielleicht nichts gesagt. Aber ich verbitte mir einfach mal den geschichtlichen Nachhilfeunterricht eines Mannes, der in exorbitanter Weise von der Wende profitiert hat, dessen Nachwendeverdienste sich aber in ganz engen Grenzen halten.
Schau dir alleine mal die Homepage an. Dort steht, er habe wegen Reservewehrdienstverweigerung im Knast gesessen. Das ist ehrenhaft, meinen ehrlichen Respekt vor soviel Mut. Nur gab und gibt es das im Westen auch, nennt sich Totalverweigerung und führt – in den Knast.
Auch heute noch. Nur schreiben die, die deshalb dort saßen das nicht in ihre Homepagebios. Warum, weil sie namlich vorbestraft sind.
Arnold Vaatz hingegen führt das u.a. in den Bundestag, denn seine politische Arbeit als Dresdner Abgeordneter kann ihn für eine Wiederwahl ja nicht wirklich qualifizieren. Oder hast du ihn in den letzten vier Jahren konstruktiv wahrgenommen?
Ich war eigentlich als Privatmann bei dieser Veranstaltung, weil ich die Idee Kunst im Stasiknast zu machen, interessant finde. Es war nicht meine Absicht hier im Blog dazu was zu schreiben, weil ich Themen mit Anton normalerweise abspreche. Es ist sein Blog, nicht meiner. Ich helfe nur aus, wenn er nicht kann.
Nur ging es an dem Abend leider nicht um Kunst, sondern lediglich um eine Abrechnung mit der DDR und dann noch um eine der billigen Art.
Deshalb auch kein Pardon für Frank Richter. Der war da als Leiter einer Einrichtung, die auch mit meinen Steuergeldern bezahlt hat, hat sich deshalb entsprechend neutral aufzuführen. Er ist nicht mehr der Kaplan von vor zwanzig Jahren. Wenn die Landeszentrale so über die DDR informiert, dann graut es mir.
Ich nehme meine Kritik nur zurück, wenn ich ihn demnächst in ähnlicher Weise gegen Rechtsradikale predigen höre, als aufrechten Antifaschisten. Sag mir dann bitte Bescheid. Lobender Text folgt.
Zudem war dort auch kein einziger Künstler sichtbar anwesend, der dort ausgestellt hat. Und das für eine Ausstellungseröffnung. Warum, weil es nicht um Kunst ging, sondern um Politik. Unmittelbar vor dem Wahlkampf. Das ist peinlich und die Eso-Damen waren es auch.
Ich hatte an dem Abend deutlich das Gefühl, dass lediglich die richtige antikommunistische Gesinnung Maßstab für einen Auftritt war, nicht die künstlerische Qualität.
Das ist arm und peinlich. Tut mir leid und ist einen galligen Text hier im Blog allemal wert.
Es gibt ja Politiker einer ganz bestimmten Partei, die sich bei solchen Treffen der ehemaligen MfS-Mitarbeiter gern mit Grußadressen sehen lassen. Diese Partei nimmt gern auch mal stasi-belastete Kandidaten auf ihre Listen.
_
Was ist Kommunistenhass? Wir sind damals nicht aus Hass gegen etwas auf die Straße gegangen, sondern aus Begeisterung für etwas. Ich stand Anfang Oktober 1989 nicht in der Nähe der Stelle, an der die Verhandlungen mit der Staatsmacht begannen. Ich habe das nur von weitem gesehen. Doch Frank Richters Rolle ist gut dokumentiert und sein Mut ist von vielen Seiten bezeugt.
Ich kann nicht verstehen, warum man das Jubiläum der Ereignisse mit esoterisch angehauchten Tänzen feiert und warum Frank Richter dazu eine Rede hielt, die (laut dem Bericht oben) nicht recht passte. Aber was ich auch nicht akzeptieren mag, ist Wahlkampf bei einer solchen Veranstaltung. Ich denke, man kann doch so viel Anstand besitzen, aus diesem Thema den Wahlkampf rauszuhalten.
Sehr geehrter Webmaster von “Ohne UNS”,
schön, dass Sie den Weg auf unsere Seite gefunden haben, hier spricht der Autor des Textes.
Seien Sie sicher, dass niemand dem riesa efau bewusst unlautere Absichten unterstellt. Ich persönlich schätze Ihre Arbeit und kenne sie gut.
Allerdings wird auch Ihnen nicht entgangen sein, dass bereits ihre Pressekonferenz am Vormittag etwas problematisch war, weil sich der Leiter des Dresdner Stasigedenkstätten, Herr Felber, dort als FDP-Wahlkämpfer versucht hat.
Ähnliches dann am späteren Abend nochmal für die CDU erleben zu müssen, tut etwas weh, zumal Ihre Ausstellung an sich, auch die Exponate im Stasi-Knast, einen Besuch durchaus Wert sind und eigentlich Gegenstand des Textes sein sollten.
Mir drängt sich irgendwie der Verdacht auf, dass die Stasi-Behörde vielleicht nicht so ein guter Partner für das Projekt ist. Kann das sein?
Sorry, Sie erwarten doch nicht, dass ich mich als Webmaster dazu äußere? Aber es ist schön, dass Ihnen die Ausstellung gefallen hat.
Nur der Genauigkeit halber: die Gedenkstätte, die die Ausstellungsräume dort zur Verfügung stellt, wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben und von Lothar Klein geleitet. Herr Felber saß als Dresdner Vertreter der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen auf dem PK-Podium.
Also, ich muss sagen, es tut mir fast leid, dass ich nicht selbst vor Ort war, um mir eine eigene fundierte Meinung dazu bilden zu können. So ist man ja mehr oder minder auf die gegensätzlichen Darstellungen der Beteiligten bzw. anwesend Gewesenen reduziert.
Aber als politisch interessiertem Menschen ist es auch mir nicht entgangen, dass Politiker der gemäßigt-konservativen Rechten bzw. der wirtschaftsliberalen Mitte sich gerne mittels wortgewaltiger und oftmals höchst unreflektierter Verdammung all dessen, was irgendwie mit DDR, Stasi, SED und/oder Kommunismus zu tun hat, zur Schau stellen; GERADE hier im Osten, um der als zutiefst unbequem empfundenen Stärke der Linkspartei oder auch der Grünen entgegenzuwirken.
Ich persönlich halte eine derart instrumentalisierte und geradezu von historischem und soziokulturellem Desinteresse geprägte Form der Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit für kontraproduktiv.
Die DDR mit allem, was dazugehörte (Stasi, SED, Repression – aber auch ein für damalige Zeiten fortschrittliches Gesundheits- und Sozialwesen und ausgeprägter sozialer Zusammenhalt) ist ein Teil unser aller Biografie hier im Osten. Die einen blicken nostalgisch und schon fast sehnsüchtig zurück auf die “ruhigen, einfachen Zeiten”, eine schöne, unbeschwerte Kindheit usw, die andere mit Schrecken und Abscheu aufgrund von persönlich erfahrener Verfolgung und Entrechtung.
Die Art und Weise jedoch, wie Vaatz und Co. das Thema behandeln, ist dazu geeignet, ehemaligen DDR-Bürgern pauschal ein Gefühl der Stigmatisierung und der Herabwürdigung zu verleihen, obwohl sie in dieses Regime hineingeboren wurden und gerade in der frühen Zeit auch noch wirkliche Ambitionen für eine bessere Zukunft für alle hegten. Die verschiedenen Biografien und daher auch die verschiedenen Befindlichkeiten, die die Leute dem alten Staat gegenüber hegen, gehen dabei völlig unter.
Und nicht zuletzt wurde die DDR kein totalitäres Regime, weil die Menschen hier alle so schlecht und so totalitär gesinnt waren, sondern weil die Fäden von einer diktatorischen Weltmacht gezogen wurden, die dieses kleine Land als Pufferzone zur westlichen Hemisphäre gebrauchte.
Das entbindet den einzelnen, durchaus mit gewissem Ehrgeiz vorgehenden Ambitionierten innerhalb der SED- und Stasi-Kader nicht von seiner Verantwortung, aber es zeigt den unreflektierten Umgang mit dem Thema DDR auf, das eben mehr ist als nur Stasi und SED, sondern durchaus weltpolitisches Potenzial aufweist.
Die Weltmacht UdSSR war ein sozialistischer Staat. Das kleine Land DDR war auch ein sozialistischer Staat. Sicher war die DDR von der UdSSR abhängig. Aber die Partei- und Staatsführungen beider Länder waren sich zumindest bis zur Ära der Perestroika sehr einig. Und als die Perestroika in der UdSSR erste Wirkung zeigte, war es die DDR, die nicht mehr mitspielen wollte.
Ich erinnere mich sehr gut an das Verbot der Zeitschrift »Sputnik«, es fiel in mein erstes Studienjahr. An meiner Hochschule in Weimar wurden drei Studenten zwangsweise exmatrikuliert, weil sie Flugblätter für eine sowjetische Zeitschrift ausgelegt hatten!
Das Gesundheits- und Sozialwesen der DDR war 1989 im Grunde am Rand der Pleite. Bei einem weiteren Bestehen der DDR hätte es empfindliche Einschnitte gegeben. Linke Politiker führen heute gern das Wort von der »Zwei-Klassen-Medizin« im Mund. Wenn ich die Krankenhausbehandlung heute und in der DDR vergleiche, dann sehe ich aber sehr deutliche Verbesserungen.
Ich habe zufällig in der vergangenen Woche mehrere Male jemanden im St.-Joseph-Stift besucht und ich hatte vor 20 Jahren auch Gelegenheit dazu … die angeblich »zweite Klasse« heute ist mindestens eine Größenordnung besser als früher. Die »erste Klasse« würde lediglich darin bestehen, dass man für 99 Euro ein Einzelzimmer mit eigener Dusche buchen könnte. Ohne diese Leistung liegen drei Patienten in einem Zimmer. Früher waren es deutlich mehr Patienten und die Unterschiede der Einrichtung (Betten, Möbel, Einrichtung) will ich gar nicht erst beschreiben.
Es gab in der DDR drei Arten des sozialen Zusammenhalts: den erzwungenen Zusammenhalt im »sozialistischen Kollektiv«, den privaten Zusammenhalt und die sogenannten »Beziehungen« der inoffiziellen Tauschwirtschaft. Auf den erzwungenen Zusammenhalt habe ich nach der Wende gern verzichtet, den privaten Zusammenhalt gibt es in jeder Gesellschaftsordnung und die »Beziehungen« nennt man heute einfach Marktwirtschaft
Sehr geehrter Herr Webmaster,
okay, Herr Felber sass dort also als Dresdner Vertreter der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen. Da habe ich schlecht recherchiert. Sorry.
Aber gehört es zu seinem Job derart penetrant einen FDP-Kugelschreiber in die Luft zu halten, dass es selbst dem Kollegen der konservativen DNN zu viel wurde? Zumindest ist es seinem Text zu entnehmen.
Sie werden es wissen, die Mitleser im Blog vielleicht nicht. Herr Felber ist 2005 als FDP-Kandidat für Limbach-Oberfrohna in den Bundestag gewählt worden.
“einjährige Haftzeit wegen Reservewehrdienstverweigerung” – In Westdeutschland war sowas aber auch strafbare Fahnenflucht, oder?
Stefanolix,
Wenn ein kleines Land als Marionettenstaat von einer autokratischen Großmacht ins Leben gerufen, aufgebaut, finanziert und signifikant geprägt wird, dann liegt es in der Natur der Sache, dass sich diese beiden Regime dann “sehr ähnlich” sind. Nichts anderes wollte ich damit ja ausgedrückt haben.
Und dass das Sozialwesen in der DDR “am Rand der Pleite” stand, war der insgesamten Wirtschaftslage im Lande geschuldet, nicht dem, dass das Sozialwesen als solches so ineffizient war, z.B. gab es eben keine Mehrwertsteuer und auch sonst war das Steuerwesen, das ja eigentlich für die Finanzierung des Sozialwesens da ist, vollkommen ungeeignet.
Und ich halte es im Übrigen für Wunschdenken, zu glauben, dass der soziale Zusammenhalt auf privater Ebene heute noch derselbe ist wie vor 20 Jahren.
Dem ist definitiv nicht so, und das rührt ganz einfach zwangsläufig daher, dass die im Grunde schon ungezügelte Marktwirtschaft, die nunmehr existiert, dem Individuum den größten Stellenwert einräumt und Egoismus und Leistungsstreben mit finanzieller und somit gesellschaftlicher Unabhängigkeit belohnt, während sie Gemeinsinn, Rücksichtnahme und Bescheidenheit oder aber Schwäche allzu oft mit wirtschaftlichen Nachteilen und damit einhergehend mit gesellschaftlicher Nicht-Anerkennung bestraft.
Dies und zum anderen die steigende physische und seelische Belastung, die dieses System in der jetzigen Form mit sich bringt, sorgen dafür, dass Beziehungen eher scheitern, Familien auseinanderbrechen, Menschen krank werden, vereinzeln und verarmen.
Die auseinanderklaffende soziale Schere verhindert ein Begegnen einer Großzahl der Bürger dieses Landes auf “Augenhöhe”, das war zu DDR-Zeiten definitiv noch anders und meine Hoffnung wäre es, dass es KEINEN totalitären Staat bräuchte, um DAS wiederherzustellen.
Ich erlebe es tagtäglich, WIE die oberen Zehntausend mit denen umgehen, die für sie Klos putzen, Akten abheften oder die Post sortieren, weil in den Firmen heutzutage in den seltensten Fällen noch eine Art Kollektiv mit einem gemeinsamen Ziel beschworen wird, sondern ein jeder nach dem eigenen größtmöglichen Aufstieg und Nutzen strebt. Das ist etwas, das es in diesem Teil des Landes in dieser Größenordnung definitiv erst seit der Wende gibt.
Auch, wenn ich noch vergleichsweise jung war mit meinen 12 Jahren zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung, kann ich mich doch recht lebhaft der Atmosphäre in den Betrieben meiner Eltern und von Nachbarn und Bekannten erinnern.
Heutzutage wissen die meisten Kids nicht einmal, was ihr Nachbar beruflich macht. Das allein sagt wohl schon eine ganze Menge dahingehend, welche Richtung diese Gesellschaft im Begriff ist, einzuschlagen.
Hallo Henteaser,
als Nichtgedienter
weiß ich nicht, ob Reservewehrdienstverweigerung im Westen Fahnenflucht oder Totalverweigerung ist, für beides ging und geht es auf jeden Fall in den Knast. Dann ist mann mal vorbestraft und darf aus dem Blechnapf fressen, wie Fallada einst schrieb. Ich stamme aus dem Westen und kannte früher eine Menge Totalverweigerer, die sind zum Teil übelst verknackt worden. Das war nicht schön.
Ich kenne auch niemanden außer Arnold Vaatz, der die Reservedienstverweigerung wie eine Monstranz vor sich herschleppt. Im Gegenteil. Allein daraus hatte er ja während der Veranstaltung die Berechtigung gezogen, dort noch etwas sagen zu wollen.
Das „Steuerwesen“ der DDR hat den Selbständigen bis zu 90% Einkommenssteuer abverlangt. Mehr geht eigentlich nicht. Der einzige Trost für Handwerker und Freiberufler bestand darin, dass der Staat nur Ost-Mark eintreiben konnte. Jeder DDR-Bürger wusste, dass fast alle wesentlichen Geschäfte zwischen Privatleuten auf Tauschbasis oder auf der Basis der D-Mark abgewickelt wurden.
Es trifft zwar zu, dass es in der DDR keine Mehrwertsteuer gab. Aber die kann es in einer Staatswirtschaft auch rein systematisch überhaupt nicht geben. Und was hätte sich denn durch eine Mehrwertsteuer geändert? Der Staat hätte noch mehr wertlose Ost-Mark abgeschöpft und die Menschen wären noch mehr in den Tauschhandel geflüchtet.
-
Die Marktwirtschaft darf nicht ungezügelt sein, darin sind wir sicher einer Meinung. Aber über zu wenig Zügelung müssen wir uns wohl in Deutschland keine Gedanken machen. In kaum einem anderen demokratischen Land ist die Wirtschaft so stark reguliert wie hierzulande.
Ich kann Dir nicht darin zustimmen, dass Gemeinsinn und Eigennutz im Widerspruch zueinander stehen müssen. Erfolgreiche Bürger sind meist auch diejenigen, die sich am meisten engagieren. Wo stünden denn die vielen Fördervereine ohne erfolgreiche Bürger als Träger ihrer Finanzen? Mit staatlichem Zwang würde niemals das gleiche Ergebnis erreicht!
-
Du schreibst über die psychische und seelische Belastung. Hast Du Dir mal erzählen lassen, wie belastend es war, wenn man in der DDR-Schule wegen seiner Gesinnung schikaniert wurde? Wie es sich anfühlte, wenn man vom Studium ausgeschlossen wurde, weil man in einer evangelischen Gruppe aktiv war? Du kannst heute mit einer explizit kritischen Einstellung studieren. In der DDR wurde man mit einer solchen Einstellung überhaupt nicht zugelassen oder man wurde schnell wieder zwangsweise exmatrikuliert. Da reden wir wirklich über und seelische Belastung, nämlich über den Widerspruch zwischen dem, was man denkt und dem, was man sagen darf.
-
Der soziale Zusammenhalt ist heute in der Tat ein anderer als vor der Wiedervereinigung und das ist auch gut so. Wir leben in einem freien Land und im Grunde will ich überhaupt nicht wissen, was meine Nachbarn beruflich tun. Ich will nicht in ihre Privatsphäre eindringen und ich will ihnen nicht nachspüren. Wenn wir morgen zufällig ins Gespräch kommen, ist es in Ordnung. Wenn wir in den nächsten fünf Jahren nicht ins Gespräch kommen, ist es auch in Ordnung.
Meine Nachbarn wissen, dass ich seit über zwanzig Jahren mit EDV zu tun habe. Ich habe ihnen schon bei ziemlich exotischen Problemen geholfen. Wir reden im Waschmaschinenraum mal über unsere Waschmaschinen oder auf dem Hof mal über unsere Fahrräder. Das ist dann nicht unbedingt belangloser Smalltalk, aber die Distanz bleibt gewahrt.
Sozialen Zusammenhalt erlebe ich zum Beispiel unter Läufern, wo man sich ganz zwanglos und vor allem freiwillig gegenseitig hilft. Da spielt es überhaupt keine Rolle, was ein Mensch verdient oder in welchem Job er arbeitet. Es würde sofort nicht mehr funktionieren, wenn ein Zwang dahinter stünde. Und deshalb bin ich gegen jede Art der Zwangskollektivierung wie in der DDR.
@Martin: Es ist aber ein Unterschied, ob jemand den Grundwehrdienst oder den Reservedienst verweigert. Die angesprochenen Totalverweigerer verweigern jede Art von Grundwehrdienst (auch den Zivildienst). Der Reservedienst in der Bundeswehr ist AFAIK freiwillig.
Ich will jetzt das Verhalten des Herrn Vaatz in der Vergangenheit nicht glorifizieren. Fakt ist: man brauchte schon Mut für eine solche Entscheidung. Um so trauriger ist seine Entwicklung seit der Zeit, als er gegen die DDR-Regierung demonstrierte und die demokratischen Verhältnisse mit aufbaute.
Messen kann ich Herrn Vaatz nur daran, was er in der Landes- und Bundespolitik getan und geäußert hat. Und da bleibt für mich nur ein Fazit: unwählbar.
Stefanolix,
Inwiefern schließt meine Behauptung, es habe keine Mwst. in der DDR gegeben, die Tatasache aus, dass es eine Einkommensteuer für Selbständige gab? Im Übrigen: Wie viele Selbständige gab es denn in der DDR im Vergleich zur heutigen Situation im selben Landstrich? Aha.
Fakt: Das Steuersystem in der DDR war nicht fähig, einen leistungsfähigen und vor allem nachhaltigen Sozialstaat zu gewährleisten, ansonsten wäre dieser Staat ja auch nicht kurz vor der Pleite gestanden.
Und: Wenn alle anderen eine 6 in der Mathearbeit haben, macht das meine 5 dann automatisch zu einer guten Note? Möchte man beinahe meinen, wenn man deine Ansichten zur Regulierung der Finanzmärkte hierzulande im Vergleich zum Rest der Welt betrachtet. Nein, reguliert wurde und wird da mit Sicherheit nicht genug, sonst wären wir in diese Krise gar nicht erst reingerutscht. Und mit Hedge Fonds wurde nicht nur außerhalb Deutschlands gehandelt – und es wird nach wie vor damit gehandelt.
Und wenn ich dann lesen muss, dass ein Sich-Für-Das-Leben-Seiner-Mitmenschen-Interessieren mit “nachspüren” und “in deren Privatsphäre eindringen” gleichgesetzt wird, bestätigen sich ehrlichgesagt meine schlimmsten Befürchtungen.
Es gab im Übrigen in der DDR keinen Zwang, sich mit seinen Nachbarn und Kollegen gut zu verstehen. Es hat nur ganz einfach das Empfinden vorgeherrscht, im selben Boot zu sitzen, dem Nachbarn nicht untergeordnet zu sein – und es war vor allem so, dass es diesen klassifizierenden und individualisierenden Konkurrenzkampf um alles und jedes so nicht gab. Und selbst WENN mal gekämpft wurde – z.B. um Bananen oder Melonen -, wurden dabei nicht die Ellenbogen rausgeholt, sondern das Ganze eher mit Humor genommen. Das sind meine Erinnerungen an diese Zeit.
Dinge wie Respekt und Anstand dem anderen gegenüber – angefangen bei alten Leuten bis hin zu Frauen und jungen Muttis -, das galt damals noch was. Und das ist etwas, das hat weniger mit der DDR zu tun, als mit dem Leistungs- und Konkurrenzdruck des freien Marktes, der eine immer radikalere Eigendynamik entwickelt hat, eben WEIL dahingehend viele Jahre lang nicht seitens der Staaten eingegriffen wurde, und den es damals logischerweise nicht gab.
Kapitalismus und Marktwirtschaft haben einen zuvor nie gekannten Egoismus geschaffen, die Familie als traditionelles Sozialorgan in den Hintergrund verdrängt und Kinder somit verdammt wichtiger Strukturen beraubt. Warum sonst attestieren Wissenschaftler 12-Jährigen von heute einen weitaus geringeren Reifegrad als den 12-Jährigen von 1989? Derartige Fehlentwicklungen auf psychosozialer Ebene haben gegenüber Pharma-, Kriegs- und Atomindustrie natürlich nur eine sehr geringe Lobby…
Im Übrigen: Wieso missverstehst du meine Kritik am *Umgang* mit der DDR-Vergangenheit seitens mancher Politiker eigentlich chronisch als ein Schönreden-Wollen derselben?
Anders kann ich mir dein permanentes “Gegensteuern” in dieser Richtung nicht erklären.
Ich habe ja aber nie behauptet, dass es in der DDR keine psychischen Probleme gab und auch nicht, dass Regimekritiker ein leichtes Leben hatten. Wie käme ich denn dazu?
Ich glaube aber schon, dass die Situation heute verdammt ernst ist, aus oben angedeuteten Gründen. Deshalb möchte keiner wieder DDR-Verhältnisse einführen – aber es muss reagiert werden.
Und außerdem: Die eigenen Negativerfahrungen in der DDR geben keinem Betroffenen das Recht, einen ehemaligen DDR-Bürger, der insgesamt positive Erinnerungen an diese Zeit hat, pauschal der Verharmlosung zu bezichtigen oder dessen Gefühle und Erinnerungen mit Füßen zu treten. Sowohl die einen als auch die anderen Empfindungen sollten respektiert und weder dämonisiert noch ignoriert werden. Das wollte ich eigentlich gesagt haben.
Leute wie Arnold Vaatz tun aber genau das in ihrer Wahlkampf-Raserei.
Es fehlte doch aber in der DDR überhaupt nicht an Steuer-Einnahmen! Doch sie nutzten nichts, denn die Kaufkraft des DDR-Geldes sank stetig. Das grundlegende Problem lag in der DDR nicht darin, dass der Staat zu wenig Geld eingenommen hätte. Der Staat konnte mit dem eingenommenen DDR-Geld nichts mehr anfangen und der Bürger mit dem verteilten DDR-Geld genauso wenig. Was nutzen Dir denn das einnahmenstärkste Steuersystem und der schönste »Sozialstaat«, wenn Dir gleichzeitig die Inflation davongaloppiert?
—
Zu den Fragen der Kollektivierung und des Individualismus: vielleicht steckt in uns mehr von beiden Komponenten, als uns gerade bewusst ist. In der Gesellschaft muss auch beides miteinander ausbalanciert werden. Lass uns daraus keinen Streit machen. Deine Meinung hat den selben Wert wie meine Meinung. Solange niemand gezwungen ist, seine Meinung zu verleugnen oder zu verschweigen oder eine andere anzunehmen, ist doch alles in Ordnung.
Mein persönliches Fazit: Ich denke, dass die demokratische Gesellschaft uns beiden mehr Chancen und mehr Freiheit lässt, als wir in der sozialistischen Gesellschaft der DDR je gehabt hätten. Machen wir das beste daraus;-)
Ich sehe das anders. Der DDR-Sozialstaat hätte ohne Einnahmeproblem nicht auf Pump gebaut werden müssen. Genau das ist aber geschehen.
Das Einnahmeproblem gründete sich zum einen auf dem miserablen Steuersystem und zum anderen auf mangelnden Einnahmen aus Export.
Der Umstand, dass die Betriebe die Hauptsteuerlast zu tragen hatten, während der Verbraucher fast keine bzw. nur sehr geringe Steuerabgaben zu leisten hatte, führte zu überhöhten Preisen und somit zu einer gedrosselten Nachfrage. Das heißt, so etwas wie eine nach Einkommen gestaffelte Steuererhebung gab es in der DDR nicht, sondern alle Bürger wurden, unabhängig ihres Einkommens, gleichermaßen über die festgelegten Konsumpreise “besteuert”.
Dass da auf der Einnahmenseite zwangsläufig ein Defizit auftaucht, das durch unzureichende Exportquoten und überbordenden Import noch verschärft wurde, liegt auf der Hand.
@stefanolix: Da sind wir uns in allen Punkten einig, auch in dem Respekt vor seinem Mut, dafür in den Knast zu geben.
Über ihn heute ist alles gesagt und das was dort gelaufen ist und nicht im Text ist ist auch nicht besser.
Ist doch nett, dass es keiner Waldschlösschenbrücke für etwas verbindes zwischen uns bedarf
@Jane: Die DDR ist nicht an mangelnden Einnahmen, sondern an mangelnder Wirtschaftsleistung gescheitert. Es gab kein Einnahmenproblem, sondern ein Leistungsproblem. Wenn keine steigende Leistung gebracht wird, kann es auch keine steigenden Sozialausgaben geben. Es gab in der DDR keine Leistungsanreize und keinen Wettbewerb.
Für welche Artikel gab es denn in der DDR überhöhte Preise? Die gab es allenfalls in den paar DELIKAT- und EXQUISIT-Läden. Löhne und Preise waren weitgehend staatlich festgelegt und haben sich nicht frei gebildet.
Übrigens stimmt folgendes nicht: Das heißt, so etwas wie eine nach Einkommen gestaffelte Steuererhebung gab es in der DDR nicht … — ich habe ja extra dazu eine Quelle verlinkt.
Doch auch von den Angestellten hat der Staat bei höherer Leistung mehr eingenommen, aber nicht über Steuern, sondern über gekappte Gehälter. Die Hochschul-Absolventen stiegen im Verhältnis zu ihrer Leistung mit relativ geringen Einkommen ein (niedriger als ein gut verdienender Facharbeiter!). Die Ingenieure haben den nicht-studierten Facharbeiter in der Summe erst relativ spät eingeholt.
Beispiel: Ich habe als Baufacharbeiter mit 19/20 Jahren nach der Lehre auf Montage das Doppelte des Einstiegsgehalts eines Bauingenieurs verdient (ohne Wochenendarbeit).
Das gesamte Planwirtschaftssystem beruhte auf der Anmaßung von Wissen: die leitenden Genossen wissen, was die Wirtschaft tun muss. Leider wussten die Planwirtschaftler mit fortschreitender Dauer immer weniger;-)
Die unzureichenden Export-Quoten entstanden dadurch, dass die DDR auf dem Weltmarkt immer weniger Güter anbieten konnte, also durch eine zu geringe Wirtschaftsleistung. Daran kann man sehr gut sehen, dass eine sozialistische Staatswirtschaft eben nicht funktioniert.
—
@Martin: OK. Aber erinnere mich nicht an diesen Aufkleber (»Brücken verbinden«). Das war eine der größten Unverschämtheiten im gesamten Verlauf des Konfliktes.
Stefan,
dass das Grundproblem die wirtschaftliche Lage und somit logischerweise dafür ursächlich das zentralwirtschaftliche System war, schrieb ich bereits.
Hier eine Quelle zum unsozialen Steuersystem:
http://www.wiwi.uni-muenster.de/wisoge/md/studium/ws0304/ddr.pdf
Hier eine Quelle zur Einnahmen-Ausgaben-Problematik:
http://www.bundesbank.de/download/presse/publikationen/zahlungsbilanz_ddr.pdf
Das Problem der DDR war, dass sie aufgrund der Planvorgaben und des verkorksten Steuersystems nicht in der Lage war, genug Einnahmen zu erwirtschaften, um a) in die eigene Produktion genügend zu investieren, b) den gewaltigen Bürokratieapparat und c) das umfangreiche Sozialwesen zu finanzieren. Stattdessen wurden qualitativ hochwertige Güter von außen importiert, ohne genügend durch eigenen Export einzunehmen, und es wurde ein Sozialstaat auf Pump geschaffen, ohne auch entsprechende Sozialabgaben von den Bürgern einzufordern, die einen solchen durchaus hätten finanzieren können. Allein, das lag nicht auf Linie der zentralwirtschaftlichen Idee.
Stefan: zum Thema Löhne und Preise:
Wie war das noch gleich, wenn man sich einen Fernseher, ein Tonbandgerät, einen Plattenspieler, eine Sitzgruppe oder ein Auto kaufen wollte? Was hat das gekostet? Und die gabs nicht im Ex oder im Deli. Ich erinnere mich, dass unser RFT-Kassetten-Radio-Kombi-Teil Mitte der 80er über 2000 Mark gekostet hatte, bis zu 20.000 Mark kostete ein Trabi, wenn man keine 15, sondern vielleicht nur 10 oder 8 Jahre warten wollte, unsere Wohnwand fürs Wohnzimmer hatte über 10.000 Mark gekostet – das stand in keinem Vergleich zu den 20-Pfennig-Pfannkuchen beim Bäcker.
Diese Preise waren deshalb so aufgebläht, weil sie zu bis zu 50% aus jenen Steuern bestanden, die den Betrieben allein aufgebrummt worden waren, und die so auf Umwegen an den Verbraucher auf eine Art und Weise weitergegeben wurden, die ALLE gleichermaßen HART traf, ganz egal, wie viel Einkommen man hatte. Das hatte natürlich Auswirkungen auf die Nachfrage, denn nur wenige konnten sich Waren zu derartigen Preisen wirklich leisten. An der Preisschraube wurde so mehrfach zu Ungunsten der Verbraucher gedreht, was einer Kürzung der Reallöhne gleichkam, denn die wurden im gleichen Zeitraum nicht im gleichen Maße erhöht.
Lieber Martin,
Offensichtlich bist du mit dem Thema überfordert gewesen. Du warst einfach der falsche Mann vor Ort. Warum?
1. Was eine Tanzperformance ist, entscheidet nicht Du, sondern andere Leute. (Ich sah in Hellerau mal eine Tanzperformance, wo die Künstler nur gemessenen Schritts über die Bühne liefen)
2. Die Erkenntniss, daß Herr Vaatz äußerst gewöhnungsbedürftige Manieren hat, ist hinlänglich bekannt. Erzähl uns mal was neues.
3. Wenn Du Dich an Frank Richter abarbeiten willst, wäre das relativ unfair. Offensichtlich weist Du nicht, warum er den Posten der SLPB zugeschanzt bekam. (Übrigens musste er dafür noch einen Zusatzlehrgang machen) Der Kaplan Richter war Angestellter in einem sogenannten Tendenzbetrieb, hier die katholische Kirche. Dann tat er etwas, was uns selbstverständlich ist. Er verliebte sich in eine Frau und vollzog die Ehe mit ihr. Im Ergebniss verlor er seine Anstellung sowie sämtliche Pensions- und sonstige Ansprüche.
Was macht man nun als CDU mit einem Helden der Wende, der ausgerechnet von der kath. Kirche fallengelassen wird?
Richtig, man sucht in aller Stille und Eile einen guten Posten für ihn. Es wäre doch peinlich, so einen in der Altersarmut versinken zu lassen.
4. Warum schreibst Du nichts zu Frank Eckhardt? Als Leiter des Riesa eV. sorgt er seit Jahren dafür, das Dresden regelmässig kryptokommunistische Ausstellungen in der Motorenhalle zu sehen bekommt. (Nicht ohne Grund möchte er nicht mehr mit seinem alten Künstlernamen angesprochen werden)
Das hättest Du alles wissen können. Ich weiß es ja schließlich auch. Es war Dir aber egal. Hauptsache, Du kannst Dein gutmenschliches Empörungsprogramm abspulen. Oder bist Du am Ende auch ein Kryptokommunist? (Ich halte es für möglich)
@Jane
Diese hohen Preise für begehrte “High-Tech”-Waren im Vergleich zum damaligen Lohn hören sich für mich eher nach dem Ausdruck der geringen Produktivität der DDR-Wirtschaft auf diesem Gebiet an.
googlehupf:
Ja natürlich, das ist doch unbestritten. Doch man darf auch nicht vergessen, zu fragen, WARUM auf diesem Gebiet die Produktivität zu gering war. U.a. auch deshalb, weil Investitionen in neue Techniken und Betriebsausstattungen fehlten. Und wo sollten die wiederum herkommen?
In der einen von mir verlinkten Quelle war ganz gut beschrieben, wie die Besteuerung der Unternehmen direkt in die Preise flossen und diese daher auf, gemessen am Durchschnittsverdienst, utopisches Niveau trieben.
OT: Dank an Anton übrigens für das tolle neue Header-Bild, irgendwie hänge ich an der Erinnerung an die gute alte Kaschemme
@kleingärtner:
Hallo, danke für deine konstuktive Kritik
Nett, dass du auf die Seite hier gefunden hast.
Ist doch wunderbar für Herrn Richter, dass er sich verliebt hat. Aber das scheint mir eher ein Thema für die Bunte zu sein und nicht des Neustadttickers. Versuch doch mal, die Geschichte da unter zu bringen. Auch der Zusatzkurs sei ihm herzlich gegönnt. Was war denn da so Thema?
Aber bevor ich es vergesse, was ist denn ein Kryptokommunist? Wenn das was nettes ist, bin ich es gerne und bringe meinen Bruder mit, der ist genauso wie ich, sieht auch so aus, ist nur drei Minuten jünger. (Echt wahr)
@Martin
Da ich kein arbeitsloser Journalist wie Du bin, muß ich nichts bei “Bunte” unterbringen. Allerdings bleibst Du ebenfalls den Beweis schuldig, daß Dein Beitrag irgendwas mit der Neustadt zu tun hat. Und so ein mittelmässiger Artikel kann wohl kaum als Arbeitsprobe gelten. Das ist eher eine schludrige Arbeit, um sich an Arnold und anderen Nichtlinken abzuarbeiten.
Als Journalist oder als PR-Berater würde ich Dich nicht einstellen, da Du nicht mal einfache Recherche beherrschst. Dabei ist einem ehemaligen Redakteur der “Jungen Welt” wie Dir der Begriff des Kryptokommunismus garantiert schon mal begegnet. Stimmts, Genosse?
Und um zum Thema der Ausstellung zurückzukommen: Deine Gönnerhaftigkeit, (das ich diese Seite fand etc.) mir gegenüber ist nicht angebracht, junger Mann. Ich habe schon in der Neustadt auf Künstlerpartys gesoffen, da hat Cornelia Schleime noch hier studiert. Leider wirst Du niemals erfahren, was das bedeutet. Dem steht Deine mangelnde Fähigkeit (und/oder Unwille) zur Recherche entgegen.
@Jane
Darf man nicht vergessen. Ich behaupte nur, dass der gewichtigere Grund die Staats/Planwirtschaft war. Verlagerung von Betriebssteuern auf die Verbraucher sind ja keine Erfindung der DDR gewesen sondern ein Phänomen, dass es seit es solche Besteuerungen gibt, existiert. An dem was stefanolix angesprochen hatte, hätte meiner meinung nach kein besseres Steuersystem der Welt etwas fundamental geändert, weil ich wie er das Problem in dem mangelnden Gesamtoutput sehe. Aber lass uns das jetzt nicht hier noch ausbreiten, der Thread ist jetzt schon genug abseits. I agree to disagree
Eine letzte OT-Fragen an dich aber habe ich noch (weil ich selber kein GeiWi bin):
Ist die eine Quelle offizielles Lehrmaterial der Geschichtsfakultät oder eine Hausarbeit? War etwas überrascht über die doch doch recht eindeutige und knappe Bewertung des DDR-Steuersystems als “unsozial”. Hätte gedacht, sowas wird etwas weiter ausgeführt.
@googlehupf: Kann man von einer wissenschaftlichen Quelle sprechen, wenn der Artikel nicht namentlich gekennzeichnet ist?
Ich widerspreche auch der These, die dort geäußert wird. Die eigentlichen Abgaben wurden zumindest in der Zeit, die ich selbst erlebt habe, nicht den Konsumenten auferlegt. Die Arbeiter und Angestellten bekamen staatlich festgelegte (relativ geringe) Löhne ausbezahlt. Was sie sonst erwirtschafteten, wurde gleich einbehalten.
Das ganze System war nicht unsozial, es war im Gegenteil sehr »sozial«, es war so staatssozial, dass es anscheinend keine Anreize mehr ließ. Doch in den letzten zehn Jahren der DDR wurde einiges anders. In einer kleinen Geschichte erinnere ich mich in meinem unpolitischen Blog an mein erstes selbstverdientes Geld …
googlehupf:
Wie gesagt, die Einnahmenproblematik ist natürlich nur EIN Faktor, aber eben ein nicht zu unterschätzender, des GANZEN – des planwirtschaftlichen Systems nämlich. Das Einnahmenproblem war sozusagen systemimmanent
Und was die Quelle betrifft, die habe ich nur gewählt, weil ich die Problematik darin einigermaßen knapp und übersichtlich beschrieben fand. Ich schätze, es handelt sich dabei um eine Seminararbeit oder ähnliches – also nicht unbedingt von wissenschaftlichem Anspruch. Aber dennoch bringt sie ja das auf den Punkt, worum es mir ging.
Steuereinnahmen in der Planwirtschaft? – Wenn die Kuh tot ist, dann hilft die beste Melktechnik nicht mehr;-)
Hallo, ich bin auf meiner Recherche zu Frank Richter zufällig auf euch gestoßen. Es ergab sich, dass ich ihn im Rahmen einer schulischen Veranstaltung erlebt habe. Und ich habe ihn in seiner Art so erlebt, wie ich ihn aus den Wendetagen und früher wahrgenommen habe, privat schüchtern, politisch engagiert, vom christlichen Geist alles Andere als CDU-konform geprägt! Insofern möchte ich widersprechen, dass da ein irgendwo Fallengelassener von der CDU erhoben worden ist. Vielmehr scheint es mir einmal mehr, dass sich die sächsische CDU da ein Kuckucksei ins Nest geholt hat… Soweit ich sehe, ging es in der Veranstaltung doch um DDR-Vergangenheit, und da kann es – nicht mehr und nicht weniger – nur eine Aussage geben: Diktatur! Insofern erscheinen mir die beschriebenen Auslassungen gerechtfertigt. Dass aus engagierten Gegnern eines menschenfeindlichen Systems nicht zwangsläufig, aber sehr wohl möglich aufrechte Demokraten erwachsen können, zeigen beide, Vaatz und Richter! Vaatz` äußerst fragwürdiges Auftreten im gegenwärtigen System ist aber eben eine Frage, die man nicht wirklich an dem beschriebenen Anlass anbinden kann!
Kann es nicht auch einfach wichtig und richtig sein, dass mal eine Persönlichkeit der friedlichen Revolution in so eine Position berufen wird? Eben mal keine Blockflöte, sondern einer, der wirklich Mut bewiesen hat …
Falls das noch nicht klar genug ist: Für mich ist der Richter ein Guter! Er ist eine Person der Zeitgeschichte und hat Positives bewirkt.
Vielleicht ist er ja nach seiner Heirat gar nicht fallengelassen worden, wie Jo anmerkt. Vielleicht hat die kath.Kirche einfach einen ihrer genialen Schachzüge gemacht, um ein Problem möglichst geräuschlos zu lösen. Es soll ja niemand die Macht der Kirche in Deutschland unterschätzen.
Ein Kuckucksei für die CDU ist der Mann bestimmt nicht. Da verkennt Jo die CDU. Das sind auch Demokraten. Und wer mit einem Vaatz klarkommt…
@stefanolix
Ich glaube nicht, das es darum ging. Da gäbe es genügend Bürgerrechtler, die sich um so einen Posten gerissen hätten u n d die die Einstellungskriterien für solch einen Posten im öffentlichen Dienst besser erfüllten als Fränkieboy.
Und unser Journalist Martin hier, hat jedenfalls in Bochum noch in Kartoffeldrucktechnik seinen Namen getanzt, als Vaatz und andere von uns ihre Karrieren und ihre Freiheit und ihre Familien durch bürgerrechtliches Engagement gefährdeten. So, daß mußte ich noch loswerden.
Ich setze voraus, dass er die Einstellungskriterien erfüllt hat. Ich sehe keinen Hinderungsgrund. Zu der religiösen Seite sei noch vermerkt, dass er meines Wissens in eine Religionsgemeinschaft übergetreten ist, die verheiratete Priester zulässt, aber keine hauptamtlichen Priester hat. Aus Respekt vor der Person und der Religionsgemeinschaft nenne ich hier keine Namen.
Zweifellos erforderte es von allen Beteiligten auf der Prager Straße Mut (ich war nur einfacher Demonstrant im hinteren Glied) und bis zu diesem Punkt respektiere ich alle Mitglieder der »Gruppe der 20« gleich hoch. Nur muss man bei der politischen Bewertung eines Herrn Wagner oder eines Herrn Vaatz selbstverständlich auf das zurückgreifen, was sie seit 1990 politisch getan haben.
Kleingärtner, Freund meines Schreibstils@
Da du ja hier offensichtlich deine Ost-Zeit mit Saufen verbracht hast, wie du schreibst, war es dir nicht vergönnt, auf der anderen Mauerseite im Reizgasnebel der Brokdorfer Felder um Atem zu ringen. Vielleicht hätte ich im Suff auch die Polizeiknüppel bei der xten-Hausbesetzung besser ertagen und weniger hilflose Wut verspürt, als ganz normale Lehrer heulend im Klassenraum saßen, weil sie als Kommunist gerade Berufsverbot fürchten mussten.
Ich frische deine eingeschränkte Sichtweise gerne auf. Wenn du möchtest, auch in Kartoffeldrucktechnik. Die Erinnerungen sind noch frisch. Es wird aber nicht schön.
So und jetzt wäre ich dir dankbar, wenn du diesen merkwürdigen Diskussionstil einstellst und mir, gerne als PM, mitteilst, was eigentlich der Anlass für diese merkwürdigen Wutausbrüche sind. Sachliche Fehler können es ja nicht sein. Meinungsverschiedenheiten vielleicht, aber doch nicht so. Ansonsten müsste ich deine Kommentare auf meine persönliche Spamliste setzen.
Ich mag Deinen Schreibstil nicht. Ich habe meine Jugend nicht mit Saufen verbracht. Ich habe keine Wutausbrüche. Ich beschimpfe Dich nicht.
Antwort: Brockdorfer Reizgas – wie dramatisch! Und dann erstmal ein Joint und TonSteineScherben und schön Urlaub in Marokko nach all dem Stress. Oder etwa Festnahme durch die Staatsmacht? U-Haft? Einzelhaft bis zum Geständnis? Langjährige Haftstrafen? Zwangsadoption der Kinder bei Freikauf durch die BRD? Ausbürgerung incl. Verlust allen materiellen Eigentums? Alle Fragen mit Nein beantwortet? Siehste! Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.
Berufsverbote gab es in der DDR wesentlich mehr und auf keiner gesetzlichen Grundlage wie in Deinem goldenem Westen. Ja, goldener Westen. Was Du und Deine Freunde als repressiven Staat imaginiert habt, war in Wirklichkeit eines der freiesten Länder auf Erden. Unter der Fuchtel von unserer Partei-und Staatsführung wärst Du als Hausbesetzer niemals zum Studium zugelassen worden. Du wärst nicht mal aufs Gymnasium gekommen. Dir hätte eine goldene Zukunft als Zerspaner gewunken. Jedenfalls solange Du nicht zu Kreuze gekrochen wärst. Nebenher hättest Du die Stasi nie losgekriegt.
Ihr habt doch niemals alles riskiert. Wortwörtlich “Alles”. Ihr hattet immer irgendwo einen sicheren Hafen, von dem aus ihr rumrevoluzzern konntet. Wie existenziell es hierzulande abging, kannst Du nicht wissen. Schon deshalb nicht, weil Du nur mit Befürwortern der Ideen, auf denen die DDR aufbaute, abhängst.
Für mich bist Du nur ein weiterer westdeutscher Extremistenimport, von denen es einer sogar bis in den Landtag geschafft hat.
Und ich schreibe es hier, in der Hoffnung auf Veröffentlichung. Denn ich denke, wir sollten mal langsam nach 20 Jahren darüber diskutieren, daß es bei unseren Montagsdemonstrationen um eine um eine Absage an den Sozialismus ging.
Das Gegenteil von Links ist nicht Rechts, sondern Freiheit.
Kopie aus dem Tagesspiegel vom Wochenende:
Für die Linken dagegen war die DDR ein Stück Ausland, in dem Deutsch gesprochen wurde, der andere, der bessere deutsche Staat, in dem vieles noch unvollkommen, aber das Wichtigste erreicht war – die Abschaffung der Herrschaft des Kapitals zugunsten der Diktatur des Proletariats. Dass in der DDR noch viel mehr abgeschafft war – die Meinungsfreiheit, die Reisefreiheit, die Idee der individuellen Verantwortung, freie Wahlen, eine unabhängige Justiz – störte sie wenig, weil sie nicht in der DDR leben mussten. Aus sicherer Distanz verfolgten sie ein Experiment, dessen plötzlicher Abbruch sie mit Zorn und Trauer erfüllte.
Kleingärtner, verstehe ich Dich richtig, Du wirfst Martin vor, sein Engagement sei nichts wert gewesen, weil sein Staat nicht repressiv genug war?
Ich empfinde Deine Bewertung als Totschlagargument. Wer so argumentiert, wird es nicht nur erleben, sondern sich auch gefallen lassen müssen, daß jener Standpunkt (gemäß Godwins Gesetz) ins Extreme extrapoliert wird: “Kann das Leid der DDR-Bürgerrechtler wirklich so groß gewesen sein, wo es doch seinerzeit nicht einmal KZs, keine Gestapo etc. gab?” Klingt zynisch, nicht wahr?
Jegliches Aufbegehren ist immer an die Umstände der Widrigkeiten gebunden; soll deswegen jegliches Engagement nichts gelten, nur weil nicht gleich Köpfe zu rollen drohen?
Heldenhaftes Engagement spricht für sich selbst; dieses tarzanhafte auf-die-eigene-Heldenbrust-Trommeln ist der Sache unwürdig.
@Teufels Anwalt
Wenn Du mir eine Frage stellst, solltest Du sie nicht schon selber beantworten Es ist ein interessanter Gedankengang von Dir, aber er fürht zu nichts. Dein Satz : “Jegliches Aufbegehren ist immer an die Umstände der Widrigkeiten gebunden.” klingt irre genug, um von einem neueren linken Theoretiker stammen zu können.
Nein, ich werfe Martin nicht vor, sein Engagement sei nichts wert gewesen, weil sein Staat nicht repressiv genug war. Ich sage, er soll mal schön die Füsse stillhalten, wenn er DDR-Bürgerrechtler beurteilt. Der gute Martin hat nun mal nicht in einer Diktatur gelebt, auch wenn er so gern daran glauben möchte.
Arnold Vaatz und ich haben in einer Diktatur gelebt. Das wurde auch niemals von offizieller Seite abgestritten. Die Gesellschaftsform der DDR war die Diktatur des Proletariats. (Wer das heute leugnet, ist nicht ernst zu nehmen.)
Deshalb ist meine Bewertung mitnichten ein Totschlagargument. Die ehemalige BRD war ein Rechtsstaat und die DDR nicht. Was meinst Du, warum der gute Martin B. nur in Andeutungen herumraunt und nicht konkret wird? Weil er im Falle einer Verhaftung einen Anwalt rufen konnte, der seine Rechte vertrat und nach 24 Stunden war er wieder auf freiem Fuß. In der DDR war drauf gesch***en – auf Deine Rechte, mit Anwälten gabs sowieso einen Engpass. (Buchtipp: Strafgesetzbuch der DDR)
Im übrigen ist es gute Extremistentradition, euch dort abzuholen, wo ihr gerade steht und euch dann schrittweise auf Eis zu führen, bis es immer dünner wird. Martin macht es doch auch so. Der ist bestimmt ein Supertyp. So sympatisch und interessant wie er ist, darf er jetzt schon im Neustadt-Blog publizieren. Was er im Verrücktenradio verzapft, weiß ich nicht, kanns mir aber denken. Und immer dieses Raunen von Brockdorf, Hausbesetzung, herrschaftsfreier Zone, selbstbestimmtes Leben – auf Hartz VI natürlich, weil ja der repressive Staat … Alles Bullshit! Alles extremistischer Budenzauber. Ich habe im Sozialismus gelebt, nicht Martin B.. Ich war im größten und teuersten Zoo der Welt eingesperrt, während Martin B. mit Interrail durch die freie Welt gondelte. Und dann heute und hier einen auf kampferprobten Widerständler machen? Nein Danke, mir ist schon schlecht!
Ansonsten lies bitte nochmal meinen Text von gestern (vor allem das Zitat aus dem Tagesspiegel!) und besuche doch mal den Stasiknast auf der Bautzner Str. (ww.bautzner-strasse-dresden.de), falls Du mutig genug bist.
Kleingärtner, Deiner Mentalität nach zu urteilen, scheint mir Dein Pseudonym passend, jedoch leider frei von Selbstironie gewählt. Du beackerst Deine Vergangenheit wie eine Schrebergartenparzelle, ziehst Zäune drumherum, und wehe, jemand von außen wagt es, seine Zierkürbisse mit Deinen zu vergleichen.
Fast jeder Deiner Beiträge enthält ein Übermaß an “Ich, ich, ich!”. In meinem Freundeskreis sind Leute mit einer ähnlichen Vergangenheit wie Du (einer kommentiert hier, allerdings weit bescheidener), Bürgerrechtler, Historiker, oh, und Du wirst es nicht glauben, sogar einer, der in engem Zusammenhang mit der Gedenkstätte in Bautzen steht. Ich könnte Dir eine ganze Liste von Dingen nennen, wie und wo und wann ich mich mit der Diktatur in der DDR beschäftigt habe – als Zuhörer, als Freund, als Wissenschaftler … allein, es würde nichts nutzen, denn Leute wie Du verteidigen (mißbrauchen?) ihr Martyrium als wütend verteidigtes Alleinstellungsmerkmal. Und ich habe keine Lust, daß mir verboten wird, mir eine eigene Meinung zu bilden, nur weil ich nicht selbst betroffen war.
Im übrigen gehört für mich zu einem respektvollen Dialog, daß meine Meinungen von meinem Gegenüber nicht mit Vokabular wie “irre” pathologisiert werden. Daß jegliches Handeln an unsere Umstände, unsere Identitäten gebunden ist, stammt nicht etwa von mir, sondern ist anerkannte Lehrmeinung der Cultural Studies, die sich wie vielleicht keine Disziplin der letzten 30 Jahre mit der Theorie von Protestbewegungen auseinandergesetzt hat. Von linken Theorien habe ich ungefähr so viel Ahnung wie von rechten. Meine Lebensmaxime, allein aus meiner täglichen Lebenswirklichkeit geboren, ist, daß mir (weder im Denken noch Handeln) Extreme, Dogmen, -Ismen nicht weiterhelfen. Wohl aber Respekt vor der Erfahrung anderer Menschen in anderen Umständen. Dazu könntest vielleicht auch Du gehören, wenn Deine Erfahrungen nicht mit diesem säbelrasselnden Tonfall einhergingen.
Puh. Diese Diskussion muss man erstmal verdauen.
@ Teufels Anwalt
))))))))
Wenn man dem Inhalt nichts entgegenzusetzen hat, bemängelt man die Form – alter Politikertrick. Von daher: Schön, daß Du mit mir übereinstimmst, daß der bürgerrechtliche Protest in einem Rechtsstaat nicht mit dem in einer Diktatur gleichzusetzen ist.
Allerdings:
Bei diesem Thema von mir Dir gegenüber mehr Demut zu fordern, ist schlicht unverschämt. Aber so denkst Du eben. Selbstgerechtes Extremistendenken ohne die Spur eines Zweifels.
Deshalb ziehe ich auch die gewisse Anonymität hier vor. Ich habe keine Lust, von linken Extremisten das Auto abgefackelt zu bekommen. Das ist ja so üblich in diesen Kreisen.
Und was das “irre” Zitat betrifft, habe ich doch recht gehabt. Bei “Cultural Studies” kommt gleich Gramsci um die Ecke, diese Unversalwaffe zum Totzitieren von Gegnern.
Generell ist “Cultural Studies” nur ein weiterer Ast am immergrünen Baum der Scholastik. Oder um im Bild von “irre” zu bleiben:
“Cultural Studies” ist die depressive Sitznachbarin der hochneurotischen “Gender Studies” in der Selbsthilfegruppe der linken Sozialwissenschaften. Selbsthilfegruppe in dem Sinne, daß sie sich gegenseitig helfen, ihre Wichtigkeit zu steigern. Sitzt eigentlich”Marxismus-Leninismus” wieder mit
dabei, oder wird er von Euch immernoch mit der eisernen Lunge künstlich am Leben erhalten?
Und eins wollen wir mal festhalten, Martin. Erst wenn auch der westdeutsche Sozialismus überwunden ist, wird es mit Deutschland wieder vorwärts gehen.
Das ist genau die Art und Weise von Diskussion, wie ich sie nicht mag.
Kleingärtner: Vielleicht solltest du dir mal genau überlegen, in welcher Art und Weise du hier Dinge wie “Depression” oder auch “Sozialismus” verwendest. Du nutzt sie als rhetorische Waffen in dem Versuch, anderen ein Stigma aufzudrücken, gleichbedeutend mit “unfähig” und “irre”.
Ohne die deutsche Sozialdemokratie, die sich lange als Fürstreiter des demokratischen Sozialismus betrachtete, säßen wir vermutlich heute gar nicht hier, und vermutlich dürfte ich als Frau nicht einmal wählen.
Und die klügsten und gebildetsten Köpfe, die größten Humanisten litten ironischerweis allzu oft an Depressionen, wusstest du das? Und weißt du auch warum? Weil es wohl auf Dauer depressiv machen *muss*, mit seinen Idealen, seinen Ideen von Gleichheit, Gemeinschaft, Emanzipation (sowohl gesellschaftlich als auch geistig und politisch) und Menschlichkeit immer wieder an den Felsen des protektionistischen Egoismus der großen Mehrheit seiner jeweiligen Zeit abzuprallen.
Kleingärtner:
Und weil ich es gerade lese:
Wer heute noch stock und steif den SED-Sermon von der “Diktatur des Proleratiats” als unumstößliche Tatsache kolportiert, der hat nichts aber auch überhaupt NICHTS begriffen aus jener Zeit.
Es waren nicht die Arbeiter, die diktierten! Das war nichts als eine Propaganda-Floskel der SED-Führung, um wenigstens den Anschein einer Art von Volkssouveränität aufrecht zu erhalten. Diktiert hat eine jämmerlich kleine Kader-Elite – und zwar, indem sie sich der bedingungslosen Loyalität der Parteimitglieder als einziger Möglichkeit, irgendwie in diesem Staat als kleiner Arbeiter voranzukommen, bediente. Das Proletariat diktierte nicht, es war der Doktrin der Partei willkürlich unterworfen. Oder warum, glaubst du, wollten Hunderttausende einfacher Arbeiter nichts als raus aus diesem Staat?
Zum Thema Sozialismus hab ich gerade Folgendes Statement gefunden:
“Wir sind überzeugt, dass Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet.” – Michail Bakunin in: “Die Revolutionäre Frage”.
Ich denke, wenn der westdeutsche Sozialismus (gemeint ist wohl sowas wie die Ansichten des linken Flügels der SPD oder der Gewerkschaften) überwunden würde, würden wir uns in einer Gesellschaft wiederfinden, in der nur noch das Recht des Starken zählt.
Ich denke, ein gut geführter »rheinischer Kapitalismus« (mit anderen Worten: eine Marktwirtschaft mit sozialem und menschlichem Gesicht) ist gerade keine Gesellschaft, in der nur noch das Recht des Starken zählt. Aber der Starke kann seine Kräfte richtig entfalten (Leistungsgerechtigkeit) und der Schwache wird nicht verhungern (Verteilungsgerechtigkeit).
Würde die Wirtschaft auf Staatswirtschaft bzw. Planwirtschaft umgestellt, dann fehlte die materielle Basis für die Verteilung sozialer Leistungen — und irgendwann auch für die Sicherung der grundlegenden Bedürfnisse der Schwachen. Ich verteidige die soziale Marktwirtschaft hier in diesem Thread nicht, weil sie frei von Fehlern wäre, aber es konnte mich noch niemand von einer funktionsfähigen Alternative überzeugen.
Nur beschleicht mich seit einigen Jahren, dass das kleine Wörtchen sozial immer mehr aus unserer Marktwirtschaft gestrichen wird. Daher sehe ich es ganz gerne, wenn uns die sogenannten Sozialisten als Mahner noch eine Weile erhalten bleiben.
Als Mahner sollen sie gern erhalten bleiben — solange sie mich nicht regieren
Ich freue mich für das Saarland, dem wohl auch eine Mitregierung der LINKEN erspart bleiben wird. Wahrscheinlich wirkte doch Lafontaines Drohung, sich auf sein Heimatland zu konzentrieren.
Ob übrigens das Soziale wirklich so sehr abgebaut wird, wäre noch zu überprüfen. Die Ausgaben wachsen seit Jahren stetig und weit schneller als die Wirtschaft.
Da kann ich mich Anton leider nur anschließen.
Ich frage mich manchmal, ob sich die Worte “sozial” und “freie Märkte” sich nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen.
Die Arbeitsmarktsituation unserer sogenannten sozialen Marktwirtschaft ist doch dafür der beste Beweis: die Konkurrenz der freien Märkte realisiert sich mehr und mehr zu Lasten der (arbeitenden) Menschen, Arbeiter bilden heutzutage in den Unternehmen einen potenziellen wirtschaftlichen Hemmschuh, so die Löhne zu hoch und die Kündigungsregelungen zu sozial sind.
Hallo Jane,
Wenn einer eine Diskussion nicht gefällt, dann sollte sie nicht drann teilnehmen. Aber da Du Dich selbst als bekennende Linkswählerin in Deinem Blog bezeichnest, kannst Du es natürlich nicht lassen, die Ewiggestrigen zu verteidigen. Leider vergisst auch Du, zum ursprünglichen Thema etwas zu sagen. Also nochmal für Dich: Ich bin alt genug, um den real existierenden Sozialismus am eigenen Leib gespürt zu haben. Ich bin gebildet genug, um mit den theoretischen Grundlagen und weiterführenden Schriften des Sozialismus vertraut zu sein. Ich weiß ziemlich genau, wann ich welches Wort wie verwende. Ich erkenne eine revanchistische Meinung, wenn ich sie höre. Und was Du zum Thema “Diktatur des Proletariats” schreibst, ist so Linksrevanchistisch, daß es nur so kracht. Oder liegt es nur an Deiner “mangelnden Klarheit der methodischen Linie sowie der nicht ausreichend erfolgten Abgrenzung der angenommenen Ursache…von möglichen anderen Ursachen…” (Zitat aus Deinem Blog)?
Es wäre schön gewesen, hättest Du was zum eigendlichen Diskusionsthema beigetragen. Betroffenheitsgelaber hilft uns aber nicht weiter. Und ein Schönreden des Sozialismus ist Angesichts der gezeitigten Resultate nur Revanchismus. Schau Dir einfach an, was der Sozialismus in folgenden Länder den Menschen gebracht hat: Cuba, Rumänien, Bulgarien, Ukraine, Russland, Weißrussland, Nordkorea, Laos, Vietnam, Kambodscha, Myanmar(Burma), China. Nur so als Beispiel. Alles Einzelfälle? Opfer des Imperialismus? Vergiss es! Systemimmanente Fehler sind die Ursache.
Du darfst gern von einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz träumen. Romantische Schwärmerei ist schließlich das Vorrecht der Jugend. Lustig ist es, daß die meisten von Euch Träumern dies ausgerechnet in der Neustadt träumen, dem kapitalistischsten Viertel der ganzen Stadt. Warum ist eigentlich von Euch noch keiner draufgekommen, daß erst der Nichtsozialismus Euch diese angstfreien, selbstbestimmten Freiräume zwischen Prießnitz und Königsbrücker gewährt hat? Schizofrenie oder einfach bewusstes Verdrängen? (Das Wort angstfrei ist zentral. Es gab auch im realexistierenden Sozialismus auf der Görlitzer etc. Freiräume, aber die waren dank Stasi nie angstfrei)
K.
PS: Belehre mich nie wieder über die DDR und Sozialismus. Sonst belehre ich Dich über Frauenleiden und Schuhkauf
Angstfrei waren die Freiräume nur von November 89 bis Oktober 90.
Kleingärtner,
erst, wenn Du den letzten Andersdenkenden persönlich angegriffen hast, wirst Du merken, daß man mit Mundtoten nicht diskutieren kann.
Legitimation ergibt sich nicht daraus, daß man gebetsmühlenartig behauptet, man besäße sie.
Es ist schade, denn Du bist ganz bestimmt ein interessanter Mensch und sicher kein hohler Dummschwätzer. Aber arrogant und respektlos. Das kann manchmal von Vorteil sein, aber als Dauerkanonade in Meinungsforen angewandt, verliert man die Lust, dahinter den klugen Kopf zu sehen.
PS Wenn Dir bei Cultural Studies nur Gramsci einfällt, empfehle ich Dir Stuart Hall. Ist wesentlich hilfreicher, gerade auch für das Verständnis von Subkulturen.
Kleingärtner:
Deine Tiraden offenbaren einen sehr verbitterten Menschen, das entschuldigt aber noch lange nicht deine katastrophalen Umgangsformen, und an denen musst du dich messen lassen, ebenso an dem, was du über die DDR schreibst. Und nein, die DDR war KEINE “Diktatur des Proletariats”, siw war eine Diktatur, aber diktiert hat nicht der Arbeiter.
Anscheinend hast du ja nicht einmal was parat, um diese Phrase irgendwie zu erklären bzw. zu belegen, stattdessen kommen wieder nur persönliche Angriffe.
Und wer mir “Schönreden des Sozialismus” vorwirft, der hat meine Beiträge augenscheinlich nur stichprobenartig oder gar nicht gelesen, so viel vielleicht zu deiner Auffassung von einer Diskussion. Was du nicht begreifst, ist der Unterschied zwischen Sozialismus und einer totalitären Diktatur. Beides muss nicht zwangsläufig miteinander kombiniert in Erscheinung treten. Der beste Beweis dafür sind unter anderem die Weimarer Republik, als die Sozialdemokraten u.a. in Preußen jahrelang eine Politik des demokratischen Sozialismus etablierten, Spanien oder auch Italien oder Frankreich. In allen genannten Staaten wurden Elemente des demokratischen Sozialismus erfolgreich etabliert, OHNE dass es zu einer Diktatur kommen musste. Der Sozialstaat als solcher, die Gewerkschaften, das Frauenwahlrecht – alles sozialistische Elemente, die noch heute anerkannt sind.
Es wird Zeit, dass du Idee und realpolitische Ausformungen unterscheidest.
Zu deiner Information: Mir ist es egal, wer mich über “Frauenleiden” und “Schuhkauf” belehrt: Ich stehe beidem prinzipiell offen gegenüber, denn die traditionellen Frauenleiden sind mir ebenso fremd, wie Schuh- und Taschenwahn und im Gegensatz zu dir lege ich Wert auf anderer Leute Ansichten. Zu dumm, dass du so wenig über die Person weißt, die du angreifst.
Anhang:
Gegenläufige Trends können sich übrigens nur in Abkehr oder Infragestellung der lokalen sozialen und ökonomischen Bedingungen bilden.
Denn wie beginnen wir, von neuen Formen des Zusammenlebens zu träumen? Indem wir die Welt, in der wir leben, hinterfragen und ihre Schwächen, ihre Nachteile offenlegen.
Vor diesem Hintergund ist es überhaupt nicht abwegig, dass vor allem in der so komerziell gewordenen Neustadt solche gegenläufigen Trends hin zu mehr Gemeinsinn, zu weniger Kommerz entstehen – gerade, wenn man um die Entwicklung der letzten Jahre weiß und die Neustadt vor 20 Jahren noch kennt.
Und dann: “Angstfreie, selbstbestimmte Freiräume”? Die wenigen Freiräume, die es hier in der Neustadt gibt, haben sich die Menschen hier mühevoll und in GEMEINSCHAFTLICHER Eigenorganisation erkämpft und sie kämpfen täglich um deren Erhalt! Es ist nicht der Nichtsozialismus, der auf Gemeinschaft und Gemeinschaftsgut fußt. Und von “angstfrei” kann wohl kaum eine Rede sein.
Das größte Frauenleiden überhapt sind solche Machosprüche!
Es sind vor allem solche Leute, die den DDR-Widerstand mit ihrem hochneurotischen “Ich-war-dabei-und-ihr-habt-alle-keine-Ahnung!” in ein fragwürdiges Licht zerren. Mit solchen Freunden brauchen Leute wie Richter und andere keine Feinde mehr.
Eine differenzierte Diskussion gab es gestern bei der Ausstellungseröffnung und ich hätte mir gewünscht, dass mehr Blogger dort gewesen wären. Da hätte es mal mehrere Sichten auf die gleiche Veranstaltung in Blogs aus DD gegeben. Die Elbnymphe hatte ja eigentlich darauf hingewiesen, aber sie war nicht zu sehen
@Stefanolix: Na, na! Augen auf beim Vernissagen-Schaulauf!
Ist das nicht bald der meistkommentierte Artikel auf diesem Blog? Würde man alle Fäden aufnehmen, könnte man ein Buch darüber schreiben!
Zuerst muß ich zugeben, daß Revanchismus der falsche Begriff ist, den ich weiter oben verwendete. Richtig ist Revisionismus. Bitte selbstständig ersetzen.
Wenn ich wen beleidigt habe, bitte ich um Vergebung, das war nicht beabsichtigt. Wenn sich wer beleidigt f ü h l t, tut mir leid, selber schuld. Ich bin nicht arrogant, ich bin selbstbewusst. Mein Diskussionsstil hier ist offensiv, da ich weiß, daß Extremisten damit
nicht klarkommen. Dann müssten sie nämlich aus der Deckung kommen und Klartext reden. Welcher Extremist will das schon in der Öffentlichkeit? Und ich habe damit ja auch recht gehabt. Keiner von euch hat sich mit meinen ursprünglichen Inhalten auseinandergesetzt. Lieber zieht ihr Euch an meiner Art hoch. Da wird gefühlt und gemeint und die
schwere Seelenlast thematisiert, die ich euch auflud. Novalis hätte seine helle Freude. Könntet ihr mich sehen, wäre euch auch meine Kopfbehaarung nicht recht oder mein Blick oder meine Schuhe. Warum? Weil ihr nicht mehr argumentieren könnt. Die BRD-Schulen haben euch das nicht beigebracht. Eurer gutmenschliches Konsensgekuschel lässt nichts anderes mehr zu als nach vorn rumzudrucksen, als zu lavieren, als sich erst auf die Mehrheitsmeinung einzustimmen und dann etwas zu
äußern. Hintenrum wird dann intrigiert und gehetzt, was das Zeug hält, logisch. Zu diesem Thema hat ganz zufällig der kluge Zettel anhand eines prominenten Beispiel alles (und das viel besser als ich) gesagt://zettelsraum.blogspot.com/2009/10/die-spd-bei-20-prozent-von-der.html
Und @Jane:
Verbitterung ist der falsche Ausdruck für meinen Gemütszustand. Eher gelassene Wachsamkeit gegenüber dem politischen Extremismus, ab und zu gepaart mit Anfällen von fassungsloser Heiterkeit. Z.B. wenn ich wiedermal coloradio höre oder “junge welt” lese. Oder wenn ich Deine atemlosen Ergüsse lese, offensichtlich aus der Lameng geschrieben und triefend vor Richtigkeit. Ich widme Dir diese Zeilen, weil ich Mitleid mit der TU habe. Wer solche Politologie-Studierende hat, braucht sich nicht zu wundern, daß es im Uni-Ranking nicht nach oben geht.
Außerdem nehme ich Dich als linke RevisionistIn schon ernst. Die Definition, von der ich rede, steht hier: ww.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Diktatur_des_Proletariats – Das ist Wissen aus erster Hand! Bitte erst lesen, dann drüber nachdenken und dann erst …was auch immer. Und nun zum Teil mit der fassungslosen Heiterkeit: “Sozialismus und eine totalitäre Diktatur müssen nicht zwangsläufig miteinander kombiniert in Erscheinung treten.” sagst Du. (Das ist einfach Klasse. Nach solchen Sätzen fühle ich mich immer wie nach dem Genuß eines Pangalaktischen Donnergurglers.) Natürlich müssen sie das nicht. Weil sie es gar nicht können. Weil das Synonyme sind! Alle Deine angeführten Länderbeispiele haben, wie Du sehr richtig anmerkst, nur E l e m e n t e des Sozialismus eingeführt. Aber eine LinksrevisionistIn wie Du kann es da nicht so genau nehmen. Es geht schließlich um die Sache. Wieviel Millionen Tote habt ihr für den nächsten Fehlversuch vorgesehen?
Hier noch ein paar Literaturtipps für die interessierte Leserschaft: Eugen Richter, Sozialdemokratische Zukunftsbilder- frei nach Bebel, Berlin 1892/ Ludwig von Mises, Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen, Berlin 1920 (download hier: ww.mises.de/public_home/article/94) als Buch: Gemeinwirtschaft (engl. Socialism)/Hayek, Der WEg in die Knechtschaft – als Comic hier //mises.org/books/TRTS/
Und wie war das jetzt eigentlich mit meiner Ausgangsthese bezüglich der
unterschiedlichen Wertung von bürgerrechtlichem Widerstand in einem Rechtsstaat und in einer Diktatur?
Kleingärtner:
Ich habe weder etwas gegen selbstbewusst vorgehende Diskutanten (so agiere ich oft genug selbst), noch gegen einen offensiven Diskussionsstil. Ich finde aber im Gegensatz zu dir, dass beides ohne beleidigende Elemente und vorschnelle Verurteilungen auskommt.
Offensiv bedeutet meiner Ansicht nach nicht, dass ich anderen grundlos Kompetenz, Sachverstand und Redlichkeit abspreche, ohne das redlich begründen zu können. Und genau das tust du aber für meine Begriffe, wenn du den hier Versammelten geschlossen “Extremismus” unterstellst, weil sie deine Ansichten zum Sozialismus nicht teilen.
Im Gegenteil, muss ich dir attestieren, dass du dich fortwährend weigerst, hinsichtlich des Sozialismus zu differenzieren nach Idee, einzelnen Elementen dieser Idee und den wiederum sehr verschiedenen Ausprägungen ihrer möglichen Verwirklichung.
Du hast das Extrembeispiel DDR vor Augen, das am Ende für mich aber nur noch wenig mit wahren sozialistischen Idealen zu tun hatte, denn Totalitarismus und Diktatur zählen ganz sicher nicht dazu.
Und schon deshalb kann deine Behauptung, ich würde hier in irgendeiner Weise DDR-Revision betreiben wollen, nicht stimmen.
Woran machst du das fest? Habe ich bestritten, dass die DDR eine Diktatur war? Habe ich bestritten, dass Menschen unterdrückt und verfolgt wurden? Nein, ich habe lediglich die Perspektive hin zu einer globaleren geöffnet, denn alles, was seinerzeit geschah, muss auch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges gesehen werden, so wie dieser Kalte Krieg auch schlagartig vorbei war, als der Eiserne Vorhang mit den Revolutionen in den an die SU gebundenen Staaten fiel, darunter auch die DDR.
Übrigens brauchst du kein Mitleid mit der TU zu haben, ich studiere in Hagen, neben dem Beruf – und das nicht gerade unerfolgreich. Vielleicht solltest du das auch mal erwägen, es könnte dir mehr Weitsicht verschaffen und so manche ideologische Scheuklappe ablegen helfen. Denn das Erste, was man im wissenschaftlichen Studium lernt, ist Distanz zum untersuchten Objekt zu wahren und das Sample der Beispielfälle möglichst umfangreich zu gestalten.
Zur “Diktatur des Proletariats”: Ich würde dir Marx empfehlen und dann bitte mit den Verhältnissen in der DDR vergleichen. Ich habe nie bestritten, dass nach AUFFASSUNG DER SED-IDEOLOGIE in der DDR das Proletariat “geherrscht” hätte. Ich habe bestritten, dass diese Ideologie der Realität entsprochen hat. Ich bin also schon ein Stückchen weiter als du, der noch an Ideologien und propagandistischen Konstrukten hängt, ich vergleiche Ideologie mit Wirklichkeit.
Und die Wirklichkeit in der DDR sah so aus, dass das Proletariat massenweise raus aus diesem Staat wollte, weil es die Gängelei der Elite satt hatte.
Marx sah für die “Diktatur des Proletariats” Räte der Arbeiterschaft vor, die gemeinsam Entscheidungen treffen sollten, bis eine klassenlose Gesellschaft etabliert sein würde, die auf Gemeinwesen basierte.
Der Staat und somit eine herrschende Elite sollte bei Marx über die vorübergehende Diktatur des Proletariats ja gerade überwunden werden. Die SED hätte hingegen niemals freiwillg ihre Vormachtstellung geräumt, ihren charismatischen Führungsanspruch und ebenso wenig ihre privilegierte Stellung in Sachen Besitz, Konsum und Einkommen gegenüber dem Rest der Arbeiterschaft.