Von Euros und D-Märkern
Silvester, dass ist für mich jedes Jahr auf den Punkt verordnete Fröhlichkeit um das alte Jahr zu verabschieden und das Neue mit einem Höllenlärm zu begrüßen. Und noch was ist wie immer. Der Stress: noch schnell Einkaufen, Bäcker und so, vor allem Zigaretten nicht vergessen, am besten gleich eine Stange. Der Antiterror-Pfennig, ach nein, das ist ja neu, der Antiterror-Cent kommt ja pünktlich zum neuen Jahr. Davon werden jetzt bei Flugreisenden auch die Schuhe kontrolliert.
Aber weiter mit meinem Jahresendstress. In Krankenhaus muss ich noch, einen Freund besuchen, Blinddarm kaputt über Weihnachten – der Arme. Also los und schon stapfe ich durch den Schnee, der sich mit hohem Tempo vermehrt. Ich habe sogar an etwas altes Brot gedacht, um es fein zerkrümelt den Enten an der Prießnitzmündung zum Fraß vorzuwerfen. Der Anblick der verschneiten Elbwiesen entschädigt für die paar Schritte mehr und ich bilde mir ein, wenigstens noch eine gute Tat in diesem Jahr getan zu haben.
Im Krankenzimmer wird grad das Mittagessen serviert. Sieht lecker aus, duftet sehr gut und weckt in mir das Hungergefühl. Schon plane ich meine Rücktour durch die Böhmische um mal wieder etwas im Raskolnikoff zu essen. Sozusagen als Grundlage für die bevorstehende Nacht. Und außerdem finde ich, dass der arme Kranke gut aussieht mit seinen weißen halterlosen Strümpfen. Die sollen Blutstauungen in den Beinen verhindern. Gar nicht so schlecht. Warum tanzen eigentlich immer nur Mädels im Schwalbennest provokant in der Fensterecke? Wo bleibt die Gleichberechtigung im Jahre 2002 für das weibliche Auge, also her mit den männlichen Tänzern in weißen Strümpfen.
Später so gegen 1 Uhr nachts noch was neues, es gibt keine Mark mehr als Wechselgeld nur noch neue, glänzende Euromünzen. Und meine Drinks sind seit einer Stunde auch billiger, also genau die Hälfte, das ist doch mal was Gutes nach dem Zuschlag bei den Zigaretten. Nun noch mal einen Ortswechsel in eine anderes Lokal und eine Absacker trinken, es ist schon spät und ich bin müde. Aber diese günstigen Preise, das freut mich doch ungemein.
Am nächsten Morgen dann doch noch der Schock: aus dem Geldautomaten kommt jetzt auch nur noch die Hälfte. Keine D-Mark mehr sondern Euro in kürzeren und höheren Scheinen. Alles ist nur noch die Hälfte wert, so scheint es mir am Neujahrsmittag. Hoffentlich geht das jetzt nicht auch Jahr für Jahr so weiter.





