Kochkurse im Villandry
Das Villandry auf der Jordanstraße erweitert sich. Im Nachbarhaus, der Nummer 10, gibt es neuerdings Kochkurse und Räumlichkeiten für Firmenfeiern und Familienfeste.
Neustadt-Geflüster
Dresden Neustadt von Anton Launer
Das Villandry auf der Jordanstraße erweitert sich. Im Nachbarhaus, der Nummer 10, gibt es neuerdings Kochkurse und Räumlichkeiten für Firmenfeiern und Familienfeste.
Unterstützt von rené@friends und Textwerkstatt Dresden.
Hehe, die gibt’s tatsächlich immer noch. Kulinarisch war der Laden schon zu seiner Eröffnung 2001 zu empfehlen, zum Arbeiten allerdings weniger. Das habe ich mit dem exzentrischen Brüderpaar Haufe als Chefs, die damals kaum 5 Jahre älter waren als ich) keine anderthalb Monate durchgehalten, dann hab ich entnervt das Handtuch geschmissen.
Habe seinerzeit dort als Aushilfe gekellnert, serviert, gespült und hinter der Bar gestanden, während Uwe Haufe die Hoheit über die Küche hatte und Bernd Haufe Management und Organisation erledigte – äh… und das Abkassieren u.a. auch der von mir bedienten Tische übernahm.
Bedienen also ja, Trinkgeld kassieren nein. Manchmal steckten mir Stammkunden so was zu, weil ich denen schon leidtat. Aber das allein hätte ich ja noch hingenommen, friedlich wie ich eben bin.
Das eigentlich Unerträgliche war: Die beiden waren einfach cholerische Pädanten: nichts durfte schiefgehen, ansonsten galt: schuld ist immer die Aushilfe (auch, wenn der Chef vor Gästen Gläser zerdepperte), alles musste bis ins Detail passen – vom Glanz der Gläser bis zum kleinsten dekorativen Detail, sodass ich öfters das Gefühl hatte, in einem 3-Sterne-Nobelrestaurant in der City zu arbeiten und nicht in einem Weinlokal in der Neustadt.
Ohne jemals einen gastronomischen Beruf erlernt zu haben, war ich dort für 10 D-Mark die Stunde eingesprungen und durfte mir fortan nichts als Häme, entnervte Kritik und die egozentrischen Anflüge von Divenhaftigkeit von Chefkoch Uwe, der sich die Erlangung eines Sterns innerhalb der nächsten 3 Jahre (oder so) zum Ziel gesetzt hatte, antun.
Die Behandlung glich der durch zwei Sklaventreiber.
Von “In meiner Küche wird nicht mit den Füßen geschlurft!” bis zu “Du bist zu blöd, einen Teller Suppe zu servieren, ohne dass der Inhalt 3 mm zu weit auf den Tellerrand schwappt!” war alles dabei.
Es muss gesagt werden, dass dieser Kellnerjob zu der Zeit einer von insgesamt dreien war, die ich damals gleichzeitig hatte, um über die Runden zu kommen. Die beiden wussten also, dass ich tagsüber 8 Stunden lang Taschen und Tischdecken verkauft oder genausolange am Fließband Zeitungen vorsortiert hatte, ehe ich abends gegen 19 Uhr in das Lokal kam, um dort bis 1 Uhr oder 2 Uhr weiterzuschuften. Das hielt sie weder davon ab, mich einzustellen, noch, mich gnadenlos runterzumachen – bis ich dem verdutzten Duo eines Tages eröffnete, dass sie das Weihnachtsgeschäft ohne mich planen könnten.
Da half dann auch alles Bitten und Flehen nichts mehr.
Naja, vielleicht haben sie die nächste Hilfskraft ja dann netter behandelt. Aber anscheinend stimmt der Ausspruch “Rücksichtslosigkeit siegt über Anstand”.
Hm, Jane. Wenn ich ehrlich bin, finde ich Dein aus-dem-Nähkästchen-Plaudern nicht so toll.
Erstens hattest Du ja spätestens zur Kündigung die Gelegenheit, den Chefs die Meinung zu geigen. Damit sollte die Sache aber auch gegessen sein und unter Euch bleiben. Denn ob die Betreiber, wie Du, das Blog hier lesen und sich gegen diese doch recht persönlichen Angriffe wehren können, bezweifle ich.
Zweitens, ganz allgemein gesprochen: keiner meiner Kellnerjobs war ein zwischenmenschliches Vergnügen. Der Ton hinter den Kulissen ist eben oft rau, aber mit zunehmender Routine lernt man, einiges an sich abgleiten zu lassen, und sich über das gemeinsam erzielte Ergebnis zu freuen – zufriedene Gäste.
Ich finde, in einem Restaurant ist entscheidend, was beim Besucher ankommt. Und das ist für mich im Villandry seit fast einem Jahrzehnt gleichbleibend stimmig. Ich habe dort das Gefühl, daß eine Liebe zum Essen gepflegt wird, eine legere, aber dennoch feine Atmosphäre, ein höflicher, dennoch nicht steifer Bedienstil. Ich habe dort noch jedes Mal trotz kleinem Geldbeutel vorzügliche Abende erlebt.
Ich hoffe, Du nimmst mir meine Kritik nicht übel.
Betrifft gelöschte Kommentare. Anonyme Kommentare veröffentliche ich nicht.
Sachliche Kritik nehme ich niemals übel.
Allerdings hat jede Medaille eben zwei Seiten. Und mit meinem vorausschickenden Satz, der das Lokal als Dinner-Adresse durchaus emphiehlt, habe ich auch dieser 2. Seite, so denke ich, zur Genüge Rechnung getragen.
Schau, auch hinter der schönsten Fassade spielen sich manchmal kleine menschliche Tragödien ab, die der Gast als solche gar nicht mitbekommt, so er nicht sehr genau hinschaut. Ich denke, dass auch diese Seite der Medaille anerkannt werden sollte. Es handelt sich dabei um meine persönlichen Erfahrungen.
Und vielleicht, liebe Elbnymphe, ist nicht jedes von seinen Chefs schlecht behandelte 21-jährige Mädchen mental in der Lage, diesen Chefs zeitnah die Meinung zu sagen, sondern flüchtet vielleicht zunächst einmal förmlich.