Von traurigen Melodien und lustigen Musikern

Wehmütig ziehen die Klänge durch den Hof in der Katharinenstraße. Der Akkordeon-Spieler lässt sein Instrument die Melodie einer Mafia-Saga seufzen. Der Bassist scheint fast eingeschlafen, doch schafft er es trotzdem immer noch rechtzeitig die Saiten zu zupfen. Am Keyboard, der Entertainer der Band, er hofft auf ein Ende des Liedes, doch immer als er es endlich verkünden will, beginnt das Akkordeon von neuem. Die Zuschauer sind entzückt, nur ein Hund jault von irgendwo. Mir geht es prächtig. In der Hand einen großer Becher Pfirsichsaft stehe ich im Hof der Groovestation mit vielleicht zwanzig weiteren Kulturinteressierten, auf der kleinen Bühne spielen Robert & TheRoboters, wohl eine der beliebtesten Neustädter Bands. Und ich kann jetzt gegen Ende dieser doch recht anstrengenden Bunten Republik endlich etwas entspannen.
Stundenlang bin ich an den vergangenen Tagen hin- und hergelaufen, ständig erreichten mich Tipps, was ich mir unbedingt noch ansehen müsste. Da ich dies versuchte und aber auch gleichzeitig möglichst viele Freunde und Bekannte treffen wollte, gesellten sich zum Umherlaufen noch zwei weitere Tätigkeiten: Warten und Telefonieren.
Letzteres konnte ich ziemlich häufig auch bei anderen Besuchern beobachten. Im Laufe des Abends war ich dazu übergegangen, die Ortsbeschreibungen zu präzisieren. Denn die Aussage „stehe an der Alaun-/Ecke Louisenstraße“ hätten ungefähr 200 Personen treffen können, also verzierte ich meine Ortsangabe mit dem Zusatz „Mitte der Kreuzung“. Solche präzisen Angaben führten zwar in der Regel dazu, dass ich alle Leute treffen konnte, aber die Begegnungen waren meist nicht von langer Dauer, da immer wieder jemand im Gewühl unterging. Der Treffpunkt an der Alaunstraße hatte auch den Vorteil, dass ich dort über einen längeren Zeitraum einer ziemlich bekannten Neustädter Band lauschen konnte. Die waren so lustig drauf, dass sogar die traurige Melodie einer Mafia-Saga irgendwie fröhlich klang. Na klar, auch am Sonnabend spielten die Roboter, hier allerdings ohne Akkordeon. Dieses Instrument haben sie jetzt auch beiseite gelegt und ein Zuschauer ruft auch gleich nach schnelleren und lauteren Tönen. Das wird mir zu viel, glücklicherweise ist der Pfirsichsaft geleert und ich kann diesen lauten und unruhigen Ort verlassen. Insgeheim wünsche ich mir für die nächste Bunte Republik ein bisschen mehr Gemütlichkeit.

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