Goldammers Tausend Teufel

Frank Goldammer - Foto: PR/Jens Oellermann

Frank Goldammer – Foto: PR/Jens Oellermann

Seit heute im Handel, der neue Roman von Frank Goldammer „Tausend Teufel“. Der Krimi spielt hauptsächlich in der Dresdner Neustadt kurz nach dem zweiten Weltkrieg und ist damit in gewisser Weise eine Fortsetzung seines Erfolgsromans „Der Angstmann“. Zumindest ist es der zweite Fall des von Goldammer erschaffenen Dresdner Oberkommissars Max Heller.

Dresden 1947: Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheit. Der Oberkommissar Max Heller wird von der neu gegründeten Volkspolizei an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes …

Frank Goldammer, 1975 in der Dresdner Neustadt geboren, ist eigentlich Maler- und Lackierermeister. Mit Anfang zwanzig begann er zu schreiben, verlegte seine ersten Romane im Eigenverlag und schrieb drei erfolgreiche Regionalkrimis über Dresden und Umgebung. Er ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in Dresden. Nach dem „Angstmann“ sind die „Tausend Teufel“ nun zweites Buch, das im dtv-Verlag erscheint. Im Gespräch mit dem Neustadt-Geflüster erzählt er über seinen Roman und seine Kindheit und Jugend in der Neustadt.

Herr Goldammer, Sie sind in der Neustadt aufgewachsen?
Ich bin im Diakonissenkrankenhaus geboren und auf der Martin Luther Straße groß geworden, zur Schule ging ich auf der Hohensteiner Straße, jetzt habe ich über mehrere Etappen die Elbseite gewechselt und wohne in Zschachwitz. Die ersten BRN samt brennender Barrikaden habe ich live aus dem Fenster gesehen.

Wenn Sie sich an Ihre Jugend in der Neustadt zurückerinnern, was hat das Viertel für Sie ausgemacht?
Das war einfach der Platz meiner Kindheit, meine Heimat, über deren Zustand ich mir gar nicht so sehr im Klaren war. Die Baufälligkeit der Gebäude wurde mir tatsächlich erst viele Jahre später bewusst. Andere Viertel habe ich gar nicht richtig wahrgenommen. Wir haben an der Prießnitz gespielt. Auf dem Alaunplatz haben wir gebäbbelt. Es war immer etwas los auf dem Luther-Platz, das Glockenläuten der Kirche war allgegenwärtig, ebenso das Kohleeimerschleppen aus dem Keller und die Tauben. Und bei Sturm hieß es in der Schule, wir sollen dicht an den Häusern entlanglaufen.

Mit dem neuen Buch „Tausend Teufel“ gehen Sie noch weiter in die Geschichte zurück, in die späten 40er Jahre, wie muss man sich die Neustadt da vorstellen?
Vom Bombardement zu großen Teilen verschont, war die Neustadt voller Menschen. Mit dem Bahnhof Neustadt einer der wichtigen Dreh- und Angelpunkte der Stadt. Viele Behörden wurden auf Grund der Zerstörung der Innenstadt in dieses Viertel verlegt, ebenso befand sich dort die Sowjetische Militär Administration. Es gab viel Hunger und Armut, Schwarzmärkte, Diebstahl, Raub und Totschlag, viel sowjetisches Militär in den Straßen, wenige, spärlich bewaffnete deutsche Polizisten. Aber auch schon erste Theaterbühnen, Lichtspiele. Die Wohnungsnot war akut, es gab Zwangseinquartierungen.

Mit dem Buch „Der Angstmann“ hatten Sie großen Erfolg, hauptberuflich waren Sie als Maler- und Lackierermeister tätig, hat sich da in dem vergangenen Jahr etwas verändert?
Ich muss jetzt schon sehr viel kürzer treten mit meinem Beruf, bin auf vielen Lesungen und Veranstaltungen, aber ich bin noch dabei. Ich will auch erst noch beobachten wie dieser neue Roman bei den Lesern ankommt und danach erst den nächsten Schritt wagen.

„Der Angstmann“ war nicht nur spannend, sondern auch ziemlich gruslig. Werden die „Tausend Teufel“ ähnlich?
Vielleicht ist der Gruselfaktor diesmal nicht ganz so ausgeprägt, doch ich würde behaupten an Spannung mangelt es dadurch keineswegs. Ganz im Gegenteil, es gibt genügend andere Umstände die Oberkommissar Heller durch die Handlung treiben. Einige Faktoren habe ich schon oben aufgezählt, doch den Leser/innen werden sich noch ganze andere Abgründe auftun.

Gibt es für Ihre Kunstfigur, den Oberkommissar Max Heller eigentlich eine reale Vorlage?
Nein, Max Heller entspringt direkt aus meinem Hirn, ein wenig als Gegenpart zu all den abgebrühten desillusionierten Kommissaren (von denen ich ja auch schon einen erschaffen hatte), ein wenig aber auch als ein besseres Alter Ego.

Am kommenden Montag (20.15 Uhr) gibt es die offizielle Buchpremiere im Haus des Buches am Dr.-Külz-Ring 12 (andere Elbseite), ab heute ist das Buch im Handel.

Frank Goldammer „Tausend Teufel“

  • broschiert: 368 Seiten – ISBN 978-3-423-26170-8, 16,90 Euro
Frank Goldammer - Foto: PR/Dieter Brumshagen

Frank Goldammer – Foto: PR/Dieter Brumshagen

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2 Kommentare zu “Goldammers Tausend Teufel

  1. Marcus
    15. Oktober 2017 at 18:49

    Der „Bahnhof Neunstadt“ hört sich nach einer guten Geschichte im Lummerland an. :o)
    Ist bestimmt bevölkert von Neunaugen und dürfte damit unter Wasser liegen. ^^

  2. 15. Oktober 2017 at 19:40

    Danke für den Hinweis, korrigiert.

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