Alles prima auf der Hauptstraße

Krokusmeer auf der Hauptstraße

Krokusmeer auf der Hauptstraße

Als kürzlich die Strauß-Filiale auf der Hauptstraße geschlossen hatte und im benachbarten Laden ein paar Imbisse ausgezogen sind, schrieb eine Dresdner Boulevardzeitung die Krise auf der Hauptstraße herbei. Grund genug für den dort ansässigen Handels- und Kulturverein, die Presse zu einem Rundgang zu bitten und darauf hinzuweisen, dass auf der Hauptstraße „alles prima“ ist.

Einer der älteren Läden auf der Flanier-Meile ist die Filiale des Schuhhändlers „Leiser“. Kathrin Horschig, seit 2005 hier Filialleiterin, berichtet: „Als ich hier anfing, war gerade die Frauenkirche neu und sehr viele Touristen besuchten Dresden.“ Bis 2008 sei der Umsatz gewachsen, seitdem konstant. Das funktioniere aber nur, weil ihre Mitarbeiter geschickte Verkäufer seien. Pro Kunde wird heute mehr Umsatz als noch vor zehn Jahren gemacht. Plus für den Schuhladen: es gibt einen Schuster vor Ort.

Lutz-Peter Schöne - Reiseveranstalter

Lutz-Peter Schöne – Reiseveranstalter

Auf der anderen Straßenseite in dem einstigen Redaktionshaus der Dresdner Neuesten Nachrichten (Neustadt-Geflüster vom 20. März 2013) ist im vergangenen Jahr eine Filiale von „Schöne-Reisen“ eingezogen. Der Inhaber Lutz-Peter Schöne ist mit der Entwicklung zufrieden und staunt: „Wir haben Kunden, die zu uns wegen der Nähe zum Neustädter Bahnhof kommen, denen die Innenstadt zu voll ist.“

Den Verein, der vor allem durch seinen Slogan „Hauptsache Hauptstraße“ bekannt ist, gibt es bereits seit 1993, im Impressum der Website findet sich noch die Adresse des Firmensitzes der Vonovia. Deren Vorgängerorganisation Woba hatte den Verein damals auch ins Leben gerufen. Heute steht er für viele kulturelle Veranstaltungen, die übers Jahr verteilt auf der Hauptstraße stattfinden. Im Verein sind insgesamt 48 Gewerbetreibende organisiert. „Erst vor Kurzem konnten wir ein neues Vereinsmitglied aufnehmen“, freut sich der Vorsitzende René Arndt, der selbst ein kleines Fernsehgeschäft führt.

Händler von der Hauptstraße

Händler von der Hauptstraße

Vorsichtige Kontakte gibt es auch zum benachbarten Barock-Viertel-Verein, mit dem gemeinsam im September die Cocktailnacht gefeiert wird. Rund eine Viertelmillion Euro haben die Gewerbetreibenden für Werbung und Events in den vergangenen vier Jahren ausgegeben. Auf die bald zur Fußgängerbrücke umgebaute Augustusbrücke freuen sich die Händler, vielleicht finden dann noch ein paar mehr Touristen den Weg auf die Hauptstraße. „Wer in die Bunte Neustadt will, muss bei uns vorbei“, stellt Schuhverkäuferin Kathrin Horschig pragmatisch fest.

Der eingangs beschriebene Leerstand soll sich schon in den kommenden Wochen ändern. Auch in das Geschäft der „Ringelblume“ wird schon bald ein neuer Laden einziehen. Die Kette „Vivobarefoot“ wird hier im April einen Concept Store für sogenannte Barfußschuhe eröffnen.

Handels- und Kulturverein Hauptstraße

Pracht-Promenade mit Blick auf Pferdehintern.

Pracht-Promenade mit Blick auf vergoldetes Reiterensemble.

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8 Kommentare zu “Alles prima auf der Hauptstraße

  1. Zackbäm
    16. März 2017 at 11:47

    Die Hauptstraße ist für mich die schönste Flaniermeile Dresdens, auch wenn es dort nicht wirklich Geschäfte hat, die mich interessieren.

    Im Sommer, wenn die Bäume Laub tragen und die Blumen blühen, hat es einen gewissen Flair, dem die Prager Straße komplett fehlt. Und man sitzt halt schön im Schatten.

    Außerdem ist es per Fuß/Rad der direkte Weg vom Albertplatz in die Innenstadt.

  2. 16. März 2017 at 13:58

    Ein sehr schöner Ort zum spazieren gehen. Der Blick zum Goldenen Reiter hat was. Ich wohne erst 4 Jahre in Dresden könnte das aber immer wieder fotografieren.

  3. Vincent
    17. März 2017 at 07:23

    Was wird denn aus dem Imbisspavillon neben Nordsee, wenn nun auch der Asia Imbiss dort wegziehen muss?
    Und was ich schon immer mal wissen wollte, ist es gewollt dass es im Untergeschoß der Markthalle keine Geschäfte mehr gibt, außer einem Imbiss? Da gäbe es doch Potential, der Ist-Zustand sieht irgendwie ziemlich traurig aus.

  4. 17. März 2017 at 09:43

    @Vincent: Die Vonovia verrät noch nicht, was in dem „Marktplatz“ einziehen soll. Aber angeblich gibt es demnächst eine Lösung. Bzgl. des Kellers in der Markthalle bin ich überfragt.

  5. 17. März 2017 at 11:06

    Mir drängt sich die Analogie zu „Alles prima, Schatz“ auf.

  6. Marcus
    20. März 2017 at 05:20

    @Andreas: Geht mir ähnlich.
    Das Drumherum mit z.B. besteigbarem Kirchturm und Societätstheater hat mich ebenfalls eingenommen.
    Schöne Seite, die du da betreibst. Ist gebookmarked. Da kommen bestimmt noch viele Tipps, die ich nicht auf dem Schirm habe.

  7. jubee
    20. März 2017 at 10:12

    Der Um-/Ausbau der Markthalle in den 90er-Jahren war eine Totgeburt. Ein Zugang zur Hauptstraße wurde durch den Einbau eines Treppenhauses unmöglich gemacht, die für markthallentypische Stände benötigte Fläche wurde durch das Aufreißen den Bodens zum Keller zerstört.
    Wer jemals eine echte, historische Markthalle besucht hat, kann nur traurig den Kopf schütteln.

    Ansonsten: die Hauptstraße ist dank der Gestaltung aus DDR-Zeiten wirklich die schönste Straße Dresdens! Sie bietet Aufenthaltsqualität, Grün Sitzgelegenheiten, Kindervergnügen, Platz für Märkte, Kundgebungen, Geschäfte…

    Was ich als Verbesserungsvorschlag hätte: die Flächen vor den Geschäften könnten so gestaltet werden, dass sich eine Fahrradfahrzone auf der Grünseite und ein Fußgängerbereich vor den Geschäften bildet, dazwischen die Fahrradständer (von denen es bisher zu wenige gibt). So würden die Kunden näher an die Schaufenster geführt und die elende Umeinanderkurverei/tänzerei würde entfallen.

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