Die, die plastisch werden

Cindy Hammer (links) und Susan Schubert (Mitte) beim Neujahrssingen

Cindy Hammer (links) und Susan Schubert (Mitte) beim Neujahrssingen

Am vergangenen Wochenende haben sie die Amateursänger des 8. Dresdner Neujahrssingen professionell unterstützt: Die Tänzerinnen der Performance-Gruppe „go plastic“. Fast wollte es scheinen, als hätten sie der Lady-Gaga-Kopie die Show gestohlen. Eine der Tänzerinnen ist die Neustädterin Cindy Hammer. Die Dresdnerin ist 27 Jahre alt und gemeinsam mit Susan Schubert das Herz der Tanz-Company.

Dresden und der moderne Tanz – beides ist untrennbar miteinander verbunden, bis heute. Vor mehr als 100 Jahren studierte in Hellerau Mary Wigman, eine Ikone des „New German Dance“. Sie und ihre Schülerin Gret Palucca revolutionierten das klassische Ballett. In der von ihr gegründeten Schule stand nicht wie bisher der Drill im Vordergrund, sondern die geistige und künstlerische Erziehung. Die Palucca-Schule gilt heute noch als eine der weltweit führenden Schulen für zeitgenössischen Tanz.

Susan Schubert und Cindy Hammer sind "go plastic"

Susan Schubert und Cindy Hammer sind „go plastic“ Foto: Erik Gross

An dieser Schule haben sich auch Cindy Hammer und Susan Schubert kennengelernt. Als Cindy 2010 an ihrem Abschluss-Stück arbeitet, unterstützte sie die drei Jahre ältere Susan bei der Choreografie. Die hatte vorher bereits in München und Leipzig studiert und ließ sich gerade in Dresden zur Tanzpädagogin ausbilden. Heute leitet sie neben der Go-Plastic-Company die TENZA Schmiede, eine freie Tanzschule drüben in der Johannstadt.

Die Beiden ergänzen sich perfekt. Während Cindy hauptsächlich für Organisation und Tanzpraxis zuständig ist, steuert Susan die Theorie und den pädagogische Ansatz bei.

Dabei ist für beide Dresden zur neuen Heimat geworden. Cindy stammt ursprünglich aus Bad Muskau und Susan aus dem thüringischen Friedrichroda. „Dresden ist eine großartige Basis“, schwärmt Cindy. Die Szene sei nicht so groß und unübersichtlich wie in Berlin. Es gebe ein hervorragendes Netzwerk und sie schiebt nach: „Es ist eine gute Stadt, um als freie Tänzerin zu arbeiten.“

Heimat in Hellerau

„Die Tanzszene wächst“, ergänzt Susan, es gibt einen produktiven Austausch mit der Semper-Oper und dem Staatsschauspiel. Mit dem Festspielhaus Hellerau hat die go-plastic-Company eine feste Verbindung. „Assoziierte Künstler heißt das“, erklärt Cindy das Verhältnis. „go plastic“ tritt mit neuen Produktionen in dem traditionsreichen und doch ganz jungen und inspirierenden Haus auf.

Die beiden haben dabei eine ganz eigene Tanzsprache entwickelt und arbeiten mit den besten Tänzern gern auch aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Zeitgenössisch trifft Break Dance und klassisches Ballett.

„go plastic – das bedeutet plastisch werden“, erläutert Susan. Dieser Moment, wenn die Tänzerin aus der wilden Bewegung plötzlich wie zu einer Statue werden, um dann erneut in neue plastische Formen zu wechseln. dabei Dabei sprengen die beiden längst das eigene Genge Genre und arbeiten mit Text, Musik oder Film.

Neben dem Choreografieren und Organisieren muss jeden Tag noch Zeit für das Tanztraining bleiben. „Sonst rostet man ein“, schmunzelt Cindy und Susan ergänzt.: „90 Minuten Training sind jeden Tag Pflicht.“ Das ändert sich aber vor den Aufführungen. Dann können die Proben schon mal bis zu acht Stunden dauern. Harte körperliche Arbeit, die dann dazu führt, dass alles so spielerisch und leicht aussieht und der Zuschauer nichts mehr von den Anstrengungen spürt.

„go plastic“


Dieser Artikel ist mit Unterstützung von „SO GEHT SÄCHSISCH“ und dem Fotografen Erik Gross entstanden.


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