Wie weiter mit dem Scherbenhaufen?

Scheune-Vorplatz früh um 8 Uhr: blitzeblank

Scheune-Vorplatz früh um 8 Uhr: blitzeblank

Im Ortsbeirat wurden gestern die Ergebnisse der Einwohnerversammlung vom Mai diskutiert. Außerdem berichtete der Ortsamtsleiter von einem Treffen mit einigen Spätshop-Besitzern. Leicht geschockt reagierten die Ortsbeiräte auf den Vorschlag des Glasflaschenverbotes.

Weder die Vertreterin der FDP noch ein Ortsbeirat der Grünen konnte sich an diese Forderung während der Einwohnerversammlung erinnern. Der ebenfalls anwesende Ordnungsamtschef Ralf Lübs erklärte, dass ein solches Verbot rechtlich vermutlich schwierig umzusetzen sei. Die Ortsbeiräte nahmen aber das Scherben-Problem zur Kenntnis und haben ein ganzes Maßnahmenpaket vorgeschlagen.

  • Anbringung von Pfandringen an den Papierkörben. Das sind Halterungen für Leergut an den Papierkörben. Außerdem sollen weitere Möglichkeiten geschaffen werden, um Glasflaschen zu entsorgen. Möglicherweise auch durch nur zeitweise aufgestellte Behälter. Die Spätshops sollen auch pfandfreie Glasflaschen zurücknehmen.
  • Ein Stadtteilmanager soll als Moderator und Koordinator fungieren. Hintergrund: Im Erneuerungskonzept von 2010 für das Sanierungsgebiet Äußere Neustadt ist eigentlich ein Stadtteilmanager eingeplant. Eine solche Stelle wurde aber bis heute nicht geschaffen.
  • Die Stadt soll dem Ortsamt Neustadt genügend Geld zur Verfügung stellen, um die Initiativen für Ordnung und Sauberkeit fortzuführen.
Hinsetzen könnte blutig enden.

Scherben-Problem am Scheune-Vorplatz – Foto: Archiv

Stadtrat muss entscheiden

CDU-Ortsbeirat Lutz Bartel bat, das Problem nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, gerade in den Morgenstunden bestünde vor allem auf dem Scheune-Vorplatz erhebliche Verletzungsgefahr. Christoph Meyer, SPD-Ortsbeirat, wies noch darauf hin, dass die Verschmutzer wohl überwiegend nicht aus der Neustadt kommen würden. Mit 14 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde der Antrag angenommen. Nun muss sich der Stadtrat mit dem Thema beschäftigen.

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20 Kommentare zu “Wie weiter mit dem Scherbenhaufen?

  1. Manja Manjana
    16. August 2016 at 15:44

    dass die Verschmutzer wohl überwiegend nicht aus der Neustadt kommen würden.

    Na das soll wohl ein Witz sein??

  2. 16. August 2016 at 16:06

    „Christoph Meyer, SPD-Ortsbeirat wies noch darauf hin, dass die Verschmutzer wohl überwiegend nicht aus der Neustadt kommen würden. “ – Enthält Meyers ‚Hinweis‘ mehr als puren Stadtteilismus?

  3. ein anderer Stefan
    16. August 2016 at 16:12

    Das Glasflaschenverbot ist nicht nur rechtlich, sondern auch praktisch eher unmöglich als schwer umzusetzen. Alleine der REWE an der Bautzner hat bis 22.00 Uhr offen – mehr als genug Zeit, um sich mit kistenweise künftigen Scherben einzudecken. Jeder eine Kiste, ab zum Scheunevorplatz und bis morgens um zwei Flaschen zerdeppern. Da wird es wenig helfen, den Spätis den Glasflaschenverkauf ab 22.00 Uhr zu untersagen…

  4. nepumuk
    16. August 2016 at 16:33

    Och – bitte keinen „Stadtteilmanager“, der kostet soviel wie der ganze erträumte Maßnahmendaddel zusammen und ist lediglich Laberstation (natürlich „superengagiert“ und allerorten, wo’s brennt zugegen).
    Außerdem läuft doch das Sanierungsgebiet aus, worauf ja das „Erneuerungskonzept“ basiert, und da ist alles Geld längst alle – inkl. noch ausstehendem Ausgleichszaster, welcher ebenso maßn.gebunden und betonfest verplant ist (3KöGym/Schulen, sonst nix). Also da kommt keene Straße, keen Baum, keene Hundetütchenstation und eben ooch keen „Manager“ mehr ins Boot.
    De facto haben wir ja bereits einen Stadtteilmanager – unseren geliebten Ortsamtshäuptling. Sehr umtriebig und beherzt (besten Dank, lieber Herr A.B.), besitzt er eben schon die Fähigkeit, auch als Laberstation dazusein. Nachteil seiner Stelle ist leider der gleichfalls zu absolvierende südelbische Handlungsrucksack als altstädter Oberhäuptling in Personalunion. Dennoch reicht sein neustädter Engagement m.E. aus, um auch ohne zusätzliche Stellen dem Wichtigen nachzukommen. Man sah ja zuletzt immer mal: wenns wichtig wird, haben die Leute Zeit – es kommt eben auf die persönliche Prioritätensetzung an. Und er hat seinen Obmann für Ordnung & Sauberkeit, der ja auch noch da ist.

    Daß Ortsrats-Horst auch irritiert vom Glasverbot war, erstaunt mich nicht, wollte sie doch am Ministerialparkplatz dafür sorgen, daß noch mehr auswärtiger Plebs nächtlicherdings einrücken kann. Nix da! Ist es auf dörflichen Feuerwehrfesten eigentlich Tagesordnungspunkt zu angesäuselter Stund, „Polterabend“ zu spielen, um mal etwas Remmidemmi ins Kaff zu kriegen? Dann wundert mich nüscht. Egal.

    Zusatzidee: zu den Flaschenhaltern – sollten sie wider Erwarten doch mal irgendwann kommen – sollte man gleich noch Kippenbecher hinzugesellen, zumindest an den neuen Stadtplätzen, wo neue Sitzbänke so schön auf erwünschten, aber schwerst zu reinigendem Pflaster mit Kiesfugen stehen. Na egal, oder ist hier jemand echt an sinnvollen Vorschlägen aus jahrelanger Beobachtung interessiert? Macht doch eiern Dregg alleene! Ich leg mich dann mal wieder hin. Gäähn.

  5. Mensch
    16. August 2016 at 17:00

    Scherben sind nach dem Wochenende gehäuft sichtbar. Problematisch sind vor allem pfandfreie Flaschen (Sekt etc.).

    Ansonsten, das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen, war eine interessante Debatte

  6. Ghanimedh
    16. August 2016 at 17:34

    „geschockt“? so als hätte man einen stromschock erlitten? Oder war doch eher „schockiert“ gemeint?

  7. 16. August 2016 at 18:24

    @Ghanimedh: Geschockt, Partizip II von schocken… (umgangssprachlich) jemanden erschrecken, aus der Fassung bringen – siehe Duden.

  8. Skepsodon
    16. August 2016 at 19:56

    Ach wieso denn? Könnte doch gut sein, dass die Einheimischen mehr auf ihr Viertel achten und dann vor allem „Abendgäste“ sich etwas gehen lassen, da sie den Dreck am nächsten Morgen ja auch nicht vor Augen haben müssen.
    Oder möchtest du unterstellen, die Neustädter wären größtenteils ignorante Raudis?

    Andererseits möchte ich mal die ganze Behauptung in Frage stellen, da ich mir nicht vorstellen kann, wie unser SPD-Ortsbeirat denn zu seiner Erkenntnis gelangt sein will. Er wird wohl schwerlich die letzten WE in der Neustadt verbracht und dokumentiert haben, welche Randalierer auf dem Heimweg die Neustadt verlassen haben und welche nicht..
    Sei jetzt aber mal so dahingestellt, da ich zugeben muss, selbst nicht auf der Versammlung gewesen zu sein.

  9. Gabi
    16. August 2016 at 20:08

    Ne Manja Manjana…..das ist kein Witz…..musst nur mal schauen, was da an den Wochenenden Spätabends vom Albertplatz so in die Neustadt strömt……Sonntag auf der Louisenstrasse neben vorm Spielplatz, eine Gruppe Radfahrer. Erklärt die Führerin der Gruppe: Heute Abend könnt ihr Euch hier vorn im Späti Euer Bier holen, setzt euch auf die Fenstersimse da vorn an der Ampel, das ist Assi Eck oder Bermuda Dreieck…..da könnt ihr es krachen lassen…..Mein Kommentar: Nehmt aber Eure Verpackungen und Flaschen wieder mit, wurden belächelt………

  10. Fidel
    17. August 2016 at 00:12

    Der ursprüngliche Auftrag neben der (vorzeitigen) Aufhebung des Alkoholverkaufsverbotes lautete:

    „Der Oberbürgermeister wird aufgefordert, eine Einwohnerversammlung nach § 22 Abs. 1 SächsGemO unverzüglich noch vor dem 1. Juni 2016 durchzuführen. Dabei sind unter Einbeziehung des Ortsamtes, des Ortsbeirates, des Polizeireviers Neustadt, der Stadtteilrunde, von soziokulturellen Initiativen und Gewerbetreibenden für folgende Themen Lösungen zu suchen:
    a) Kriminalitätsentwicklung in der Neustadt
    b) Lärmvermeidung- und -Verminderung vor allem in den Nachtstunden
    c) Ordnung und Sauberkeit
    d) Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls
    e) öffentliche Aufenthaltsqualität für alle Nutzergruppen.“

    In §22 Absatz 4 der Sächsischen Gemeindeordnung steht zu lesen:

    „(4) Vorschläge und Anregungen der Einwohnerversammlung sind innerhalb von drei Monaten von dem zuständigen Organ der Gemeinde zu behandeln. Das Ergebnis der Behandlung der Vorschläge und Anregungen ist in ortsüblicher Weise bekanntzugeben.“

    Genau das hat die Stadtverwaltung getan und eine Vorlage mit den wenigen(!) Vorschlägen aus der Einwohnerversammlung erstellt.

    Dennoch ist in der Mopo vom 25. Juli 2016 u.a. zu lesen:

    „Konkret will (Ordnungsbürgermeister) Sittel ein komplettes Verkaufsverbot von Glasflaschen, auch wochentags, ab 22 Uhr prüfen lassen.“

    Das ganze „Gejaule“ bezüglich des Glasflaschenverkaufsverbotes ist also auf den – absolut legitimen) Vorschlag eines einzelnen Bürgers zurückzuführen.

    Ein schönes Schmankerl in der Sitzung war, das ein Ortsbeirat der Grüninnen seinen Ersetzungsantrag (formal) in einen Änderungsantrag umwandeln lassen wollte, um bloß keinen Bürger vor den Kopf zu stoßen.

    Für mich hat sich – mal wieder – offenbart, dass die ehrenamtlichen Ortsbeirate die gesetzlichen Grundlagen nicht kennen, die Vorlagen nur halbherzig lesen (ohne sie zu verstehen), um dann mit vielen Schnörkeln (Prüf-)Aufträge zu formulieren, die sie als sozial, ökologisch, weltoffen und tolerant erscheinen lassen sollen.

    Am Ende befördern die Ortsbeiräte in ihrer Gesamtheit den Eindruck, die Neustadt sei ein – überwiegend durch Gäste/Besucher – verdrecktes Viertel, das einfach nur mehr Mülltonnen und Müllmänner braucht. So ist das halt, wenn man in einer rot-grün-roten Echokammer vegetiert.

    Habt ihr – wieder mal – gut gemacht, ihr Dilletanten! :-)

  11. mrstxd
    17. August 2016 at 07:34

    Anbringung von Pfandringen?
    pfandfreie Glasflaschen zurücknehmen?

    Gute Idee, nur welcher Besoffene macht das?

    Mit solchen Vorschlägen werden die nie einen Krieg gewinnen. Siehe Alaunpark. Mehrere Mülltonnen wurden angezündet und Sperrmüll wird entsorgt.

    Anderen Menschen den Müll hinterherräumen scheint mir in der letzten Zeit sehr groß in Mode gekommen zu sein. Unfähig sind se mit Ihrer Politik am Ende.
    Drastische Strafen muss man erheben. Ein, zwei, drei Präzedenzfälle muss man schaffen und die Verursacher richtig abkassieren, Das muss in die Tausende Euros gehen. Und wenn es sein muss die Verursacher inhaftieren. Dann macht das auch keiner mehr.

    Das wird nicht lange dauern bis sich so etwas herum spricht.

    Das Volk will unter Umständen erzogen werden während unsere Politiker schlafen…

  12. Manja Manjana
    17. August 2016 at 08:03

    ich wohne in der neustadt und ich sehe was hier aus den loechern gekrochen kommt, die ueberwiegende schuld den nichtneustaedtern in die schuhe zu schieben ist ein witz.

  13. Leo
    17. August 2016 at 08:26

    „Schocken“ ist bloß neuere Umgangssprache, abgeleitet von „schockieren“. Ist wohl für Neusprech … äh … heutige Sprache zu lang.
    Siehe Duden: http://www.duden.de/rechtschreibung/schockieren

    Zur Sache selbst: Gefühlt hat die Scherbenbelästigung seit einigen Wochen wieder zugenommen. Ob das mit dem wieder aufgehobenen nächtlichen Glasflaschenverkaufsverbot zusammenhängt, kann ich nicht beweisen, aber eine zeitliche Korrelation sehe ich schon.

  14. Peter Macheli
    17. August 2016 at 08:36

    In Japans Innenstädten gibt es übrigens Raucherecken. Der nicht ganz so ausgeprägte deutsche Perfektionismus könnte ja Raucher- und Biertrinkerecken errichten: kleines Mäuerchen zum Flaschendranschmeißen, riesiger Aschenbecher, 4-5 Bänke zum Rumsitzen. Das geht natürlich nicht ohne Hinweis-, Ge- und Verbotsschilder, aber das mögen die meisten ja eigentlich ganz gerne. Am besten eine DIN erstellen.

    Die Gesellschaft könnte sich so mit blödsinnigem Verhalten (dem wir ja alle mal anheim fallen) abfinden, würde dies aber auf ausgewiesene Bereiche beschränken.

  15. Marcus
    17. August 2016 at 09:38

    Die Raucherecken in Japan haben nichts mit Perfektionismus zu tun.
    Soweit ich weiß, hat man die Ecken verpflichtend gemacht, weil im Gedränge oft Kinder Glut in die Gesichter gedrückt bekommen haben.
    Das hat dann auch ohne Gedränge in einigen kleineren Städten Einzug gehalten.

    Eine eher praktische Geschichte, und es hält sich jeder dran.

  16. 17. August 2016 at 10:44

    Möglicherweise ist es auch einfach ein eingedeutschter Anglizismus. Auch das Original steht inzwischen im Duden. ;-)

  17. Gabi
    17. August 2016 at 13:00

    Ich wohne auch in der Neustadt, in keinem Loch…..und gebe auch nicht ausschließlich den Neustadt Besuchern die Schuld…..Sie tragen aber einen Großteil bei….Lösung fällt mir leider auf die Schnelle auch keine ein……Wer Flaschen zerschlagen will nutzt auch keinen Glascontainer oder die gute Idee mit den Kästen.

  18. kamikater
    17. August 2016 at 13:49

    Nicht die Glasflaschen machen aggressiv und enthemmen die Konsumenten, sondern der Alkohol. Wenn man also keine Glasflaschen mehr zerkloppen kann im Suff, dann nimmt man alternativ den Kopf des Nebenmanns?

  19. alleswashechtist
    17. August 2016 at 15:28

    ähmm… ich hab mich ja immer sehr geärgert über glasscherben am morgen (und in der nacht) – zumal als radfahrerin – und fragte mich stets: „wie kann man nur so blöd sein?“
    bis zu dieser einen kleinen feier… da war ich auf dem heimweg und, es kommt in den besten kreisen vor, nicht mehr nüchtern. aus irgendeinem grund noch eine flasche whiskey in der hand. das lebenswunder koordination wollte mir nicht mehr gelingen und so fiel mir die flasche beim nächsten hub zum mund aus der hand. und was macht man früh halb fünf und auf heimwärtsmodus programmiert?
    richtig: „uups“ sagen und weiter laufen.

    seitdem weiß ich, glasscherben produzieren nicht nur die pösen agressiven typen, die keine mehr abbekommen haben und sauer auf sich und die welt sind.

    am nächsten tag bin ich dann übrigens die scherben aufsammeln gegangen. das ältere paar an der haltestelle gegenüber nickte anerkennend für soviel gemeinsinn :-)

  20. Karla
    17. August 2016 at 22:44

    Was mich AM MEISTEN nervt, ist das ganze Pfand-Business. Wir wohnen direkt gegenüber des „neuen“ Spätshops auf der Rothenburger und man hört jeden Abend fast ständig Bierflaschen/Bierkasten geringe. Muss dass wirklich alles draußen umgepackt werden, dass die ganze Straße was von hat? (wie das alles funktioniert und warum sich das überhaupt jemandem lohnt – 1 volle Kiste = 1,60???)
    Und vielen Dank für die Idee mit Pfandringer und Entgegennehmen von pfandfreien Flaschen – also habe ich die Hoffnung dass es in Zukunft noch mehr ist?
    Leute geht doch in die Kneipe saufen (wer das geld nicht hat dann zu Hause) und alle sind glücklich…

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