Der Turnerweg

Wer an Tina oder William gedacht hat, liegt falsch. Der Turnerweg trägt den Namen nach der körperlichen Ertüchtigung – und hat es noch nicht bis zur Prachtstraße gebracht. Noch vor einigen Jahren hatte der Turnerweg etwas Schummriges. Gegenüber des Wettbüros und der angrenzenden Steinmauer erstreckte sich eine Brachfläche mit Brach- und Brunnenhäuschen. Wucherndes Kraut, Graffiti und Zaungäste prägten das Gelände, bevor sich Peter auf selbiges simmelte.

Der Turnerweg, benannt nach dem Turnverrein Dresden Neu- und Altstadt

Der Turnerweg, benannt nach dem Turnverrein Dresden Neu- und Altstadt

Der Turnerweg wurde nach dem Turnverein Dresden Neu- und Antonstadt benannt, der an ihm 1863 eine Turnhalle errichtete. Zuvor trug die Straße den schlichten Namen ‚Neuer Weg‘. Weitere Gebäude befanden sich auf der Alaunstraße 36/40, wo heute die Scheune steht. Das wohl bekannteste Mitglied war Erich Kästner, der mit sechs Jahren drängte, dort aufgenommen zu werden, obwohl das Beitrittsalter bei sieben Jahren lag. In seinem Buch ‚Als ich ein kleiner Junge war‘ beschreibt der Dresdner Literat, wie er den Turnlehrer Herrn Zacharias mit einem „gymnastischen Solo“ von seiner Tauglichkeit überzeugte.

Blick in den Turnerweg

Blick in den Turnerweg

Sportlichkeit suggeriert der Turnerweg heute weniger – es sei denn man rechnet Trink- und Tanzsport im Wettbüro oder Shopping im Simmelpalast dazu. Mauern und Zäune geleiten den Passanten auf dem schmalen Weg, wobei die Wettbüro-Seite eindeutig mehr Sympathie-Punkte sammelt. Hier zieren kunstvolle Graffiti das Mauerwerk. Auf der anderen Seite spuckt und verschluckt die Tiefgarage Autos. Ein paar Edeka-Mitarbeiter sitzen auf einer überdachten Picknickbank hinter dem Zaun und harren rauchend dem Ende der Pause. Von nebenan hört man das Klonken von Metall. Hier werkeln Mitarbeiter des Karosserie-Service Zdzieblik in der Mittagshitze.

Stillleben mit Waschmaschine in einem alten Barackenhof

Stillleben mit Waschmaschine in einem alten Barackenhof

Weiter vorn lockt ein ‚Zu verkaufen‘-Schild durch ein halb geöffnetes Tor in einen alten Barackenhof und man fürchtet, wer das Angebot annimmt, wird die alten Gebäude fortreißen und es dem Häuslebauer gleichtun, dessen schicke Familienappartements man von hier aus von hinten bestaunen kann. Man möchte noch Größeres erhoffen, doch der Turnerweg neigt sich schon dem Ende. Das war wirklich keine Strecke … Also, umgedreht und im Schutz der Wettbüro-Mauer ein Kühles auf die schönen Seiten des Turnerwegs gekippt.

Sportfrei!

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