Gedenktafel am Bahnhof Neustadt

Wenn am 13. Februar Neonazis am Bahnhof Neustadt auflaufen, werden sie auch mit dieser Gedenktafel konfrontiert.

Gedenktafel am Bahnhof Neustadt - anklicken zum Vergrößern

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Die Gedenktafel am Neustädter Bahnhof, die an das Schicksal Dresdner Juden erinnert, wurde am 27. Januar 2001 vom damaligen Oberbürgermeister Herbert Wagner enthüllt. Die Inschrift lautet: „Im Nationalsozialismus war der Güterbahnhof Dresden-Neustadt Ausgangspunkt oder Zwischenstation für viele Deportationen von jüdischen Frauen, Männern und Kindern. Im Oktober 1938 begann hier die Abschiebung von 724 Dresdner Juden nach Polen. Mit Zügen der Deutschen Reichsbahn erfolgte zwischen 1942 und 1944 ein großer Teil der Transporte in die Gettos Riga und Theresienstadt, in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie in andere Konzentrationslager“

Die Tafel besteht aus drei Elementen: aus zwei Stahlplatten und einer Glasplatte, die diese optisch miteinander verbindet. Auf die Glasplatte wurde per Sandstrahl ein Psalm in Hebräisch und in Deutsch aufgebracht. Außerdem sind in das Glas sechs Pflastersteine eingelassen. Diese symbolisieren zum einen die Opfer, zum anderen aber auch die Gefährdung von Leben. In den Gehweg – in Sichtbeziehung zur Tafel – wurde ein einfacher bronzener Davidstern eingelassen.

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31 Kommentare für “Gedenktafel am Bahnhof Neustadt

  1. 4. Februar 2010 um 15:00

    Und wo wird die Menschenkette sein, die diese Gedenktafel schützt?

  2. 4. Februar 2010 um 15:11

    Vermutlich teilweise auf der anderen Elbseite und teilweise in Schutzhaft.

  3. 4. Februar 2010 um 15:47

    Genau das meinte ich ja. Finde ich unglaublich – aus der Altstadt solln sie raus, damit sie ja nicht der versammelten Weltpresse vor die Linse laufen – für die ist das politisch korrekte Massengedenken reserviert, aber in der Neustadt können sie vor einem Holocaust-Denkmal ihren hasserfüllten Geschichtsrevisionismus zum Besten geben.

  4. 4. Februar 2010 um 16:46

    Und überhaupt:

    „Sich »quer stellen« […] war im September 2008 in Köln, als 15 000 Menschen eine als »Anti-Islamisierungs­kongress« getarnte Kundgebung von gerade mal 50 Rechtsextremisten lahmlegten, noch als großer Erfolg des zivilgesellschaftlichen Engagements gegen die Feinde der Demokratie gefeiert worden. Jetzt aber, da der größte Naziaufmarsch Europas seit Jahren mit mehr als 6 000 Teilnehmern droht, da soll man sich nicht quer stellen dürfen. Ja nicht einmal das zu fordern, soll erlaubt sein.

    […]

    Nun werden überall in Dresden, etwa von der Stiftung Frauenkirche und den Verkehrsbetrieben, »Weiße Rosen« zum Anheften für zwei Euro das Stück verkauft. Als Symbol »für ein wahrhaftiges Erinnern und gegen jede Form der ideologischen Vereinnahmung und Verfälschung des Gedenkens« – während die Polizei antifaschistische Flugblätter und Plakate*, die sich gegen Nazis wenden, beschlagnahmt.“

    http://jungle-world.com/artikel/2010/04/40235.html

    *(Nicht nur de.Wiki weiß: „Die Mitglieder der Weißen Rose verfassten, druckten und verteilten unter Lebensgefahr insgesamt sechs Flugblätter, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde.“)

  5. 4. Februar 2010 um 17:59

    henteaser:

    Islamophobe und Neonazis sind 2 verschiedene Paar Schuhe. Die Motivation für die Organisation in der jeweiligen Gesinnungsgemeinschaft hat da völlig verschiedene Ursachen. Gegen Nazis erreicht man nichts mit Gesetzesübertretungen (und die geplante Blockade richtete sich nunmal gegen eine genehmigte Demo). Das schadet am ehesten noch dem Image des Widerstandes und ändert rein faktisch überhaupt nichts an der Existenz rechten Gedankengutes und daran, dass dieses weiterverbreitet wird. DARAN ändert man aktiv etwas durch Engagement für eine umsichtigere Sozial- und Bildungspolitik.

  6. grübler
    4. Februar 2010 um 18:19

    @Jane „DARAN ändert man aktiv etwas durch Engagement für eine umsichtigere Sozial- und Bildungspolitik.“

    Das mag sein, aber leider sieht die Realität eben anders aus. Die Demonastration der Nazis ist genehmigt. Auch mit dem Verweis auf die Demokratie. Nur frage ich mich manchmal, wieso können erklärte Feinde der Demokratie dieses Recht in Anspruch nehmen? Von daher ist es in meinen Augen völlig legitim – wenn nicht sogar die erste Bürgerpflicht – sich diesen braunen Horden in den Weg zu stellen.

  7. 4. Februar 2010 um 18:58

    „wieso können erklärte Feinde der Demokratie dieses Recht in Anspruch nehmen?“

    Weil eine stabile Demokratie das aushalten können muss. Sie wird nur dann fortbestehen, wenn sie durch ihr Wirken nach innen dafür sorgt, dass genügend Menschen hinter ihr stehen. Demokratie erhält sich nicht von allein, sie lebt von Interessensausgleich und Machtbalance.

  8. 4. Februar 2010 um 19:00

    Erste Bürgerpflicht wäre für mich vielmehr, zu schauen, dass möglichst viele Menschen in diesem Land ein würdevolles Dasein fristen und eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Kapital hergestellt wird.

  9. rudi
    4. Februar 2010 um 19:01

    @Jane: Zu lange bei Prof. Patzelt gesessen??
    Nee, eine Demokratie muss deren Feinde nicht aushalten, sondern denen die Grenzen aufzeigen und zwar richtig und nicht mit einer Menschenkette um die Trümerfrau.

  10. 4. Februar 2010 um 21:53

    Als ich das heute früh gelesen habe, schoss mir spontan durch den Kopf, was sich wohl alle gedacht haben: Wie unsensibel!
    Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir diese Lösung aber. Was spricht dagegen, dass sich diese braune Brut ausgerechnet an einem Ort ihrer Schande versammeln muss?

  11. Ronny
    4. Februar 2010 um 22:01

    Mal eine andere Frage. Können Nazis überhaupt lesen? Sie werden wohl diese Tafel garnicht wahrnehmen. :)

  12. 4. Februar 2010 um 22:45

    „Islamophobe und Neonazis sind 2 verschiedene Paar Schuhe.“ Aber beide Schuhe passen dem selben Aschenputtel.

    „völlig verschiedene Ursachen“ – Und zwar in beiden Fällen die Angst vor Überfremdung, böser Globalisierung und dem Verlust einer Heimat im völkischen Sinn.

    „Das schadet am ehesten noch dem Image des Widerstandes und ändert rein faktisch überhaupt nichts an der Existenz rechten Gedankengutes.“

    Wie auch die Zwei-Euro-Kunst(!)blumen nix daran ändern, dass etliche Mitbürger rechtsgerichtete Gedanken hegen. Hey, wenn schon demonstrieren, dann richtig: Und gleich noch die Rednoseday-Nase aufsetzen und die Aidsschleife anpinnen!

    (Weil: Führende Köpfe von CDU, FDP und SPD können dem trendy Sozialdarwinismus etwas abgewinnen, rufen jedoch das Wahlvolk dazu auf, gegen dessen Superschurkenversion davon auf die Straße zu gehen. Wie lahm ist das bitte?)

    „DARAN ändert man aktiv etwas durch Engagement…“ – Stimmt auffallend. Wenn das nur nicht so viele Jahrzehnte dauern würde.

    „The public is not only shifting from left to right. Every single idea associated with the educated class has grown more unpopular over the past year. The educated class believes in global warming, so public skepticism about global warming is on the rise. The educated class supports abortion rights, so public opinion is shifting against them. The educated class supports gun control, so opposition to gun control is mounting.“

    http://www.nytimes.com/2010/01/05/opinion/05brooks.html

  13. 5. Februar 2010 um 08:28

    Vielmehr als seine Feinde sollte eine Demokratie doch die Courage gegen diese Feinde ertragen können.

  14. 5. Februar 2010 um 09:31

    rudi:

    leider nicht lange genug, da ich nicht an der TU studiere und so selten in den Genuss seiner Seminare komme ;)

    Eine Demokratie ist nur so lange demokratisch legitimiert, wie die Mehrheit ihrer Bürger sie für richtig hält. Deshalb muss eine Demokratie auch jene Minderheiten aushalten, die sie für abschaffungswürdig halten und mit einer entsprechenden Politik dagegen wirken, dass diese Minderheit irgendwann zu einer Mehrheit wird.
    Wenn eine Demokratie beispielsweise gegen die Stimmen einer Mehrheit versucht würde, aufrecht zu erhalten, wäre es keine rechtstaatliche Demokratie mehr, sondern eine Diktatur ;)

  15. 5. Februar 2010 um 09:36

    Anton:

    Solange sich die Courage im rechtsstaatlichen Rahmen abspielt: Unbedingt! Genauso, wie man auch die Aktivitäten der antidemokratischen Kräfte nur so lange ertragen muss, wie sie den Rahmen der geltenden Gesetze nicht überschreiten.
    Tatsache ist aber: Eine Demokratie, die in ihrem Grundgesetz das Recht auf freie Entfaltung und Meinung verbrieft hat, muss ergo auch solche akzeptieren, die nicht demokratisch orientiert sind. Alles andere würde einer Meinungsdoktrin gleichkommen. Es ist vielmehr Aufgabe der Gesellschaft, möglichst viele wenn nicht alle Menschen durch eine bestimmte gelebte Politik und vor allem durch gelebten gesellschaftlichen Zusammenhalt davon zu überzeugen dass Rechtsstaat und egalitär-freiheitliche Strukturen am besten für alle und demokratische Werte daher unbedingt anzustreben und zu verteidigen sind.

    • 5. Februar 2010 um 10:27

      @ Jane: der Begriff der Rechtsstaatlichkeit ist ja auch interpretierbar. Bzgl. der Aufrufe zu Blockaden hätte wahrscheinlich eine andere Staatsanwaltschaft an einem anderen Ort in Deutschland anders entschieden.

  16. 5. Februar 2010 um 09:45

    henteaser:

    “völlig verschiedene Ursachen” – Und zwar in beiden Fällen die Angst vor Überfremdung, böser Globalisierung und dem Verlust einer Heimat im völkischen Sinn.
    ————————————————–

    Nein, das würde ich ganz anders beurteilen. Tatkräftigste Triebfeder der islamfeindlichen Bewegung sind in diesem Lande Leute wie Henryk M. Broder, die damit vor allem der Politik Israels einen legitimen Anstrich verpassen wollen. Nicht umsonst ist eine Hetzplattform wie „politically-incorrect“, die sich selbst in erster Linie als „bedingungslos pro Israel“ bezeichnet, zum Frontreiter der Anti-Islam-Bewegung geworden.
    Wirkliche Nazis haben mit einer solchen Bewegung Probleme, weil sie in einen Identitätskonflikt geraten würden: Sie müssten jüdischer Argumentation zustimmen, um gegen Ausländer hetzen zu „dürfen“.

    „Wie auch die Zwei-Euro-Kunst(!)blumen nix daran ändern, dass etliche Mitbürger rechtsgerichtete Gedanken hegen.“
    —————————————————-

    Da stimme ich dir vollends zu ;) Ich glaube, dass man es sich nicht so leicht machen sollte. Und ich bin mir auch bewusst, dass zahlreiche der vereine, die sich am Protest beteiligen, daneben auch anderweitig sozial am Wirken sind – was ich für ungleich wichtiger erachte, als solch sinnlose Protestaktionen.

    Danke dir, immer interessant, mit dir zu diskkutieren ;)

  17. 5. Februar 2010 um 10:48

    Anton:

    da magst du sogar recht haben. Allerdings kann ich es der Dresdner Staatsanwaltschaft nach den regelmäßigen Eskalationen der zunächst als „ziviler Ungehorsam gegen Rechts“ angekündigten Blockadeaktionen der vergangenen Jahre nicht verübeln, dass sie dieses Mal so entschieden hat. Man bedenke, was ein solcher Polizei-Großeinsatz mit Wasserwerfern und Sondereinsatzkräften wie letztes Jahr beispielsweise jedes Mal den Steuerzahler kostet.
    Andere Kommunen haben dieses Problem nicht alle Jahre wieder.

  18. Lichdi
    5. Februar 2010 um 12:42

    Die beabsichtigte Genehmigung der Nazis am Neustädter ist eine Riesenschweinerei. Ich habe dazu eine PM gerade gemacht. Der Vorgang beweist, dass es CDU und FDP beim neuen Versammlungsgesetz gar nicht um die Würde der Opfer der Nazis geht, sondern darum ihre Ansicht vom „richtigen Gedenken“ durchzudrücken. Ich habe schon am Mittwoch eine Demo für den 13. 2. am Albertplatz 10.00 Uhr angemeldet, die auch rechtlich durchgekämpft werden wird.

  19. 5. Februar 2010 um 13:31

    @Jane:

    „der Politik Israels einen legitimen Anstrich verpassen“ – Ich lächelte über diese für Broder und Konsorten direkt als ‚latent antisemitisch‘ erkennbare Formulierung.

    Das Lustigste an solchen Interessenkonflikten sind sowieso die Wortklaubereien, um das Quentchen Gutes im unsozialen Verhalten (bis hoch zum Luftschlag gegen sog. Zivilbevölkerungen) zu finden.

    „Wirkliche Nazis haben mit einer solchen Bewegung Probleme“ – Wieviel echte Herrenmenschen gibt es denn schon? Selbst die krassesten US-Weißkraft-Karikaturen wählen im Zweifelsfall das kleinere Übel; werden also z.B. die jüdische Weltverschwörung und die Gelbe Gefahr tolerieren, solange der krummsäbelschwingende Musel vor den Toren steht.

    „sinnlose Protestaktionen“ – Naja, zur Selbstvergewisserung und -beweihräucherung taugen sie schon mal. Siehe auch die Trillerpfeifenwarnstreiks oder der Obdachlosenzeitungsverkauf. Irgendwas muss man doch tun.

  20. 5. Februar 2010 um 13:43

    „Wenn eine Demokratie beispielsweise gegen die Stimmen einer Mehrheit versucht würde, aufrecht zu erhalten, wäre es keine rechtstaatliche Demokratie mehr, sondern eine Diktatur.“

    Gleichzeitig wäre der Zusammenbruch einer Demokratie aber auch ein Hinweis dafür, dass Politik, Medien, LehrplanerInnen und andere Meinungsführer – zomg Führer! – ihren Bildungsauftrag jahr(zehnt)elang komplett verkackt haben.

    Oder aber, was ebenfalls zutreffen könnte, den Menschen die ganze Zeit versucht haben, beispielsweise eine Geldherrschaft als Demokratie zu verkaufen bzw. die ursprüngliche Staatsform allmählich zu pervertieren, aber immer mehr Wähler dem Schwindel auf die Schliche kommen.

  21. 5. Februar 2010 um 13:57

    „Gleichzeitig wäre der Zusammenbruch einer Demokratie aber auch ein Hinweis dafür, dass Politik, Medien, LehrplanerInnen und andere Meinungsführer – zomg Führer! – ihren Bildungsauftrag jahr(zehnt)elang komplett verkackt haben.“

    Dito, du sagst es.

    Zum letzten Abschnitt deines Postings kann ich nur sagen: Jedes Volk erhält eben die Demokratie, die es verdient ;)

  22. 5. Februar 2010 um 14:01

    Herr Lichdi,

    ich hab zwar nicht die Grünen gewählt, aber ich kann Ihnen in Sachen Bahnhof Neustadt nur aus vollstem Herzen zustimmen. Und meinetwegen machen Sie Ihre Demo – aber stellen Sie sicher, dass Sie keine extremistischen Vermummten anziehen, die dann wieder Ärger machen. Denken Sie bitte daran, dass am Schlesischen Platz ein Seniorenpflegeheim steht, den alten Leutchen möchte man doch bitte sehr Randale ersparen.

  23. 6. Februar 2010 um 11:43

    Ich könnte mir sogar vorstellen, mich mit einzuhaken, um ggf. einen Naziaufmarsch zu blockieren. Leider sind die Veranstalter nach Linksaußen völlig schmerzfrei. Warum bitte schön akzeptiert man eine MLPD als Unterstützer, die auf ihrer Website den Massenmörder Stalin als großen Reformer feiert, der vielleicht den einen oder anderen klitzekleinen Fehler gemacht hat? Als Demokrat sollte man schon auf eine gewisse Äquidistanz zu den Fanclubs beider Massenmörder des letzten Jahrhunderts wahren.
    Ebenfalls bedauerlich ist, dass es offensichtlich zuviel verlangt ist, sich von denjenigen zu distanzieren, die Polizeiwagen umwerfen und Mülltonnen anzünden. Da stellt man sich als linker Politiker lieber vor laufende Kameras und entblödet sich, über die Unverhältnismässigkeit der Polizei zu lamentieren. Schade, aber unter diesen Umständen verbietet sich ein gemeinsames Vorgehen von selbst.

  24. 11. Februar 2010 um 17:10

    Anscheinend wird’s ernst: http://www.dresden-nazifrei.com/?p=1219

  25. Stefan
    14. Februar 2010 um 19:45

    Hat die Tafel die gestrige Demonstration der allgenwärtigen Dummheit unbeschadet überstanden?

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