„Ich bin nicht so öffentlich“ – Das Manjana

Im Manjana gibt es nicht nur Klamotten, sondern auch Keramik und Schmuck

Im Manjana gibt es nicht nur Klamotten, sondern auch Keramik und Schmuck

Wer in der Neustadt an bunte Klamotten denkt, dem fallen wohl als erstes die Platzhirsche Mrs Hippie und Tranquillo ein. Es geht kleiner und feiner – und vor Ort handgenäht. Das beweist das Manjana auf der Bautzner Straße.

Den Facettenreichtum seiner Besitzerin spiegelt die offizielle Bezeichnung des Manjana wider: Ladenwerkstattgalerie, ohne Bindestriche. An diesem grauen Märztag stechen die bunt leuchtenden Kleider von Gundis Vasilev schon von weitem ins Auge. Im Innern des kleinen Ladens sitzt die Besitzerin an einem Tischchen mit Nähmaschine, halb versteckt hinter Garderobenständern mit allerlei farbenfrohem Fummel. Kinderkleider, Filzstulpen, Wandbehänge aus Applikationen. Die studierte Textilgestalterin schwärmt für Stoff im Allgemeinen und Besonderen. Auch Keramik von Familie Meisel und zu Schmuck veredelte Knöpfe liegen in den Regalen. Den Raum durchschwebt ein zarter Duft nach Puder. „Eine Freundin hat mir mal gesagt, ein Klamottengeschäft müsse gut duften“, sagt Vasilev. Das tut es. Die Ladenwerkstattgalerie hat sie nach ihrem Lebensmotto benannt: Manjana.

"Das zweite Leben der Dinge": Schmuck aus alten Knöpfen

„Das zweite Leben der Dinge“: Schmuck aus alten Knöpfen

Das bedeutet „morgen“ auf Spanisch. „Es wird schon, heißt das“, sagt Vasilev und winkt mit der Hand Vorbehalte und Sorgen beiseite. Morgen ist auch noch ein Tag, in kleinen Schritten vorwärts, immer nach vorn schauen, heißt das. Davon kann Gundis Vasilev ein Lied singen. Vier Jahre ist sie jetzt am Platz. Davor betrieb sie mit einer Freundin die Schneiderwerkstatt Mona Liza im Hecht. In jedem dieser Jahre wurde gebaut und gebaggert. Eine harte Zeit für ein auf Laufpublikum angewiesenes Geschäft. Onlineverkauf ist nichts für Vasilev: „Ich bin nicht so öffentlich“, erklärt sie und lacht. Lieber schneidert sie Auftragswerke und nimmt dafür Maß direkt vor Ort. Der Blick durch die Scheibe, an dem in großen Schriftzügen Manjana prangt, fällt auf das in sich zusammen gesunkene Haus auf der gegenüberliegenden Seite. „Da wirkt mein Geschäft fast symbolisch“, sagt Vasilev lächelnd.

Gundis Vasilev in ihrer Schneiderecke

Gundis Vasilev in ihrer Schneiderecke

„Das letzte Jahr war hart“, sagt Vasilev. Doch sie hoffe nun, da die Straße fertig ist, auf Besserung. Zu spüren sei allerdings auch die Pegida-Bewegung in der Stadt. „Vor zwei Jahren musste ich deutlich mehr Englisch mit Kunden sprechen. Das ist jetzt nicht mehr so“, sagt Vasilev bedauernd. Ausländische Kunden seien weniger geworden. Während des Studiums in Berlin Weißensee absolvierte Vasilev ein Diplomjahr in Dresden und verliebt sich in die Stadt. „Wenn ich das so sage, meine ich mit Dresden genauer gesagt die Neustadt!“ Bunt, turbulent, kreativ – die bunten Schals flattern wie Fähnchen vor der Ladentür. Aus dem Radio murmelt klassische Musik, den Kaffee gibt es türkisch und schnell hat sich ein Gespräch entsponnen, so abwechslungsreich wie die Textilien überall im Raum.

Manjana, winkt Gundis Vasilev zum Abschied. Manjana.

Manjana

  • Ladenwerkstattgalerie, Bautzner Straße 56, 01099 Dresden, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 11 bis 18 Uhr, Sonnabend nach Absprache, Telefon: 0176 67480459.

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