Die Nacht der lebenden Masken

Maskenumzug auf der Louisenstraße

Maskenumzug auf der Louisenstraße

Ein lauer Februar-Abend. Ich stehe nahe der schiefen Ecke. Um mich herum bedrohliche Gestalten. Sie rücken näher und näher. Ich spüre schon förmlich ihre kalten Finger an meinem Kragen nesteln. Sie starren mich an. Kann ich entkommen?

Wild wende ich mich um und um. Überall diese Masken. Fühle mich erinnert an Eyes Wide Shut, Stanley Kubricks letzten Film. Werde ich jetzt verschleppt oder gar gemeuchelt? Oder ist das hier gar eine unangemeldete Demonstration für den Erhalt der Phase IV? Die Maskenmänner und Frauen rücken immer näher. Eine bläst mir imaginären Zigarettenrauch ins Gesicht.

Ich reiße mich los, springe über die Kette, stehe auf der Straße, herannahende Autos scheinen mir ungefährlich im Vergleich zu diesen Fratzen. Dann flammt ein Licht auf, eine Kamera blitzt in die Nacht, jemand lacht. Ich trete ein paar Schritte zurück und verfolge die Szenerie von der anderen Straßenseite. Etwa zehn bis zwanzig Personen haben sich teils in Kostüme gehüllt, alle tragen sie Masken. Manche schrill und bunt, einige hautfarben und erschreckend lebensnah und doch so unglaublich starr.

Die maskierte Truppe hatte sich aus dem Nichts auf der Louisenstraße, Ecke Pulsnitzer versammelt und schlenderte dann gemütlich die Louisenstraße entlang. Von der sozialen Ecke ging es dann weiter gen Alaunstraße und dann zum Albertplatz. Die Ordnungsbehörden schickten spontan ein paar blau-weiße Autos vorbei. Als die aber erkannten, dass es sich diesmal nicht um einen Antifa-Umzug handelte, zogen sie schnell weiter.

Die Neustädter nahmen es gelassen. Nach wenigen Minuten war der Spuk auch schon wieder vorbei.

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