Linke mit Herz für Flaschen

Spätshop auf der Louisenstraße - wird die Polizeiverordnung gekippt?

Spätshop auf der Louisenstraße

Die Neustädter werden in den nächsten Tagen eine Postkarte im Briefkasten haben, darauf eine Flasche mit Herz und die Frage: „Läuft?“ – Absender ist die Linke-Stadtratsfraktion. Sie möchte die Anwohner befragen, ob der Straßenverkauf von alkoholischen Getränken nach 22 Uhr wieder erlaubt werden soll.

Rückblende. Wir schreiben das Jahr 2006 und auf der Alaunstraße vor der Scheune kracht es einen Spätsommer und Herbst lang. Fast an jedem Wochenende. Jugendliche keilen sich mit der Polizei und untereinander. Papiercontainer werden entzündet und die Verwaltung und Polizei suchen nach Lösungen. Erste Idee: Video-Überwachung der Alaunstraße. Zweite Idee: Verbot des Straßen-Verkaufs von Alkohohol nach 22 Uhr, Freitag und Sonnabend. Die Kamera wurde im Oktober 2014 von Rowdys zerstört und seitdem nicht wieder ersetzt.

Herzliche Pullen

Herzliche Pullen

Nun soll auch der sogenannte Spätshop-Erlass wieder abgeschafft werden. Für den Antrag von SPD und Grünen gibt es wohl auch über die Fraktionen hinaus Zustimmung. Damals hatte sich extra eine „Initiative Neustadt“ gegründet, um den Erlass zu verhindern. Die Spätshop-Besitzer erklärten unisono, dass sie dann ihre Geschäfte gleich ganz zumachen könnten. Das alles half in dem damals schwarz-gelb dominierten Stadtrat nicht, die Polizeiverordnung kam und irgendwie haben sich alle ganz gut dran gewöhnt.

Die allwöchentlichen Randale auf der Alaunstraße hörten auf. Ob es nun an der Polizeiverordnung lag oder an der Video-Kamera oder an ganz anderen Gründen, lässt sich im Nachhinein sehr schwer sagen. Der ehemalige Neustädter Revierleiter Thomas Wurche betonte immer gern, dass die Verordnung ihren Zweck erfülle.

Bevor der Erlass wieder abgeschafft wird, möchte die Linke-Stadtratsfraktion dazu die Meinung der Neustädter einholen und verteilt 7.000 Postkarten mit herzigen Flaschen im Viertel. Die Neustädter sollen ihre Meinung kundtun. „Es ist an der Zeit, die Verordnung zu kippen, denn nutzlose Einschränkungen brauchen wir nicht. Wichtig ist uns hierbei aber, dass mögliche Kritikpunkte oder nötige Begleitmaßnahmen aufgegriffen und diskutiert werden, um den Beschluss nachhaltig zu gestalten.“ So erklärt Jacqueline Muth, die Neustädter Linken-Stadträtin die Befragung. Sie wünscht sich, dass auch nach dem Wegfall des Ausschankverbotes die Neustadt ein Ort sein soll, an dem ein gutes und respektvolles Zusammenleben funktioniert.

Man kann an der Linken-Umfrage auch online teilnehmen.

Spätshop auf der Rothenburger Straße

Spätshop auf der Rothenburger Straße

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10 Kommentare zu “Linke mit Herz für Flaschen

  1. CaLi
    27. Januar 2016 at 15:27

    Wird Zeit….auch wenns doch einige Spätibesitzer mit der Ausgabesperre ohnehin nicht so ernst nahmen. Wer wusste wos die „Bückware“ gab, den juckte das Alkoholverbot nur bedingt… ;)

  2. 27. Januar 2016 at 16:15

    Hab ich gestern schonmal gelesen, und danke für den Link… gleich mal Online meine Stimme abgegeben …

  3. Philipp
    27. Januar 2016 at 19:11

    Schöne Idee. Ich hab den Sinn dahinter eh nie verstanden.

  4. Kinola
    27. Januar 2016 at 23:51

    Als ob Dresden keine anderen Probleme hat. ….
    Die Verordnung hat sich doch bewährt und gut ist

  5. Radler
    28. Januar 2016 at 09:01

    Warum in ein Wespennest stechen? Die Verordnung ist gut und hat sich bewährt. Also lasst es so.

  6. Klaus W.
    28. Januar 2016 at 09:09

    „So fühlt man Absicht und man ist verstimmt.
    Torquato Tasso II.1“

  7. Musiker
    28. Januar 2016 at 12:35

    Ich bin ebenfalls für die Beibehaltung der Verordnung. Mir fällt einfach kein Grund ein, warum man dies jetzt wieder kippen sollte. Welchen Nutzen hätte das (außer vielleicht den alkoholbedingten Umsatz der Spätshops etwas zu steigern)? Solch nutzlose Vorhaben brauchen wir nicht. Haben die keine anderen Sorgen???

  8. Louise
    28. Januar 2016 at 14:04

    Bisher konnte ich als Anwohner keinerlei Nachteil erkennen und ich kenne im persönlichen Umfeld auch keinen, der das anders sieht (und nein, wir sitzen nicht alle bei stillem Wasser und Saft im Keller). Dass sich der Einzelhandel mehr Umsatz erhofft ist schon klar.
    So ganz lässt es sich ja nie sagen, aber wenn dieses Verkaufsverbot wirklich einen Beitrag zur Prävention von Gewalt/Vandalismus gebracht hat, wären wir ja doof es wieder abzuschaffen! Zumal sicher kein Geld für mehr Polizeistreifen da ist, und ich hab keinen Bock auf mehr Kameras im Viertel (zumal die nichts verhindern).

  9. abrazzo
    28. Januar 2016 at 15:55

    Dieses Verkaufsverbot war und ist Schwachsinn. ich habe z.B. nicht feststellen können, daß das feuchte Eck seit der Einführung trocken gefallen wäre. Es gibt jede Menge Spätis und Imbissbuden im nahen Umfeld die jetzt eben das Geschäft machen. Auch sind die Rucksäcke der Nachtschwärmer jetzt besser gefüllt. Wenn man Alkohol haben will, dann kriegt man ihn auch.
    Aber meine Abneigung ist eher prinzipiell begründet: Ich kann staatliche Erziehungsmaßnahmen generell nicht ausstehen! Wenn man das einmal zulässt, kommt sicher noch mehr. jeder sollte die Freiheit haben, zu machen was er will, solange es anderen nicht schadet. Kein Mensch besäuft sich am Wochenende und randaliert dann, nur weil die Spätis offen haben. Probleme mit Vandalismus muß man eben anders in den Griff bekommen. Eine restriktive Bevormundungsgesellschaft ist jedenfalls keine Lösung sondern eher das Problem!

  10. googlehupf
    29. Januar 2016 at 18:55

    Woran machen die Unterstützer der Polizeiverordnung eigentlich fest, dass diese sich bewährt habe? Hat die alkoholbegünstigte Gewalt in der Neustadt dadurch wirklich abgenommen? Das war ja der Grund ihrer Einführung. Ich kenne keine Zahlen die das in einer belastbaren Art belegen – der Verweis auf den Rückgang der Randale an der Scheune ist dafür in keinster Weise hinreichend – und mein eigenes anekdotisches Erleben als langjähriger Bewohner der Neustadt lässt mich auch daran zweifeln (und ich kenne im Gegensatz zu Louise niemanden im persönlichen Umfeld der das Verbot befürwortet – und wir pflegen nicht besoffen zu randalieren). Da bin ich lieber Anhänger der offenbar total verrückten Vorstellung, dass es Verbote sind die begründet werden müssen und nicht umgekehrt.

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