Die Erlenstraße

Auf knapp 240 Metern streckt sich die Erlenstraße.

Auf knapp 240 Metern streckt sich die Erlenstraße.

Die Erlenstraße, unscheinbare Seitengasse, die einmal im Jahr feucht wird. Außerdem tigert zwischen Leo und Meyer eine traumatisierte Katze mit Drogerie-Faible herum.

Still liegt sie da, im Herbstmorgenlicht. Die Erlenstraße. Vor kurzem traten sich hier noch die tollen Feier-Hechte auf die Hacken. An der Kreuzung zur Hechtstraße stand Rummelsnuff, das menschgewordene T-Bone-Steak eingeölt auf der Bühne, ächzte Seemannslieder und verwandelte die Zuhörerschaft in ein bierseliges Menschenmeer. Die chirurgisch-grün vernetzten Gerüste des Eckhauses wurden zur Tribune, auf der beinebaumelnd und schunkelnd das Publikum saß. Später wurde es feucht, zur alljährlich wiederkehrenden Wasserschlacht. Nun ist der Alltag auf der Erlenstraße wieder eingekehrt: Hundehaufen statt Plastebecher, Kindergeschrei statt Boxenscheppern. Nur für eine scheint die Welt nicht in Ordnung zu sein: die fast dreifarbige Schlecker-Mieze.

Erlenkatze

Erlenkatze „Klausi“ mit Drogerie-Faible

Gleich zu Beginn meines Spaziergangs begegnet mir das treue Tier. Mauzend kommt die flauschige Katze aus einem Hauseingang gelaufen und setzt sich, laut rufend, vor den Kostümverleih „Kreative Engel“. Verschmust ist sie und äußerst ortstreu. Mit zusammengekniffenen Katzenaugen sitzt sie schnurrend auf dem Sims und verlangt Einlass. Zwei Damen, die vorübergehen, bemerken mitleidig: „Die hat immer noch nicht kapiert, dass Schlecker weg ist.“ Ich hake nach.

Bevor die Engel hier Menschen in wandelnde Tequila-Flaschen umkleideten (wer wollte nicht immer schon einmal eine Flasche sein?), war an dieser Ecke eine Schlecker-Filiale ansässig. Die Mitarbeiter fütterten die Miez bis vor drei Jahren bei jedem ihrer Besuche, erzählen die Damen. Und seitdem kommt sie jeden Tag vergeblich. Zumindest vergeblich um Futter. Schon haben sich hinter mir die nächsten Streichelanwärter eingefunden. Miezi posiert für ein Handyfoto, schaut königlich auf Katzenart und lässt sich den Kinnpelz kraulen.

Wer hätte vermutet, dass Schlecker solche Lücken hinterlässt? Weiter geht es auf der Erlenstraße. Aus einem Graben ragt grüßend ein Bauarbeiterdekollete. Gegenüber der grün vernetzten Renovierungsarbeiten ist ein seltsam sauberes Haus entstanden, zu dessen Füßen ein einzelner Blaumann buddelt. Wehe der Fassade, wenn der Bauzaun weichen muss! Die umstehenden Wände zeugen von schlagkräftigen Meinungen und Suff-Weisheiten. Autoaufkleber charakterisieren die Nachbarschaft, mit denen sich glatt geschleckte Architektur hier anlegt: CopACABana!

Ein Urgestein: die Erlenklause

Ein Urgestein: die Erlenklause

Hopfen rankt aus einem mit Plastemüll und Häufchen besähten Beet gegenüber der Fahrschule Eckert, die Erlenklause sucht Mitarbeiter, die Schmetterlingssteak an Pfifferlingen servieren wollen. Goldgelb leuchtet der Netto am Ende der Straße. Herbst im Hecht. Bei den Medi-Clowns ist das Rollo noch heruntergelassen. Auf der Schaufensterbank steht ein Aschenbecher in weiß: er stellt einen auf dem Rücken liegenden Clown dar, in dessen konkav gewölbten Bauch sich schwarze Stummel sammeln. Humorig bis ins Detail!

Der Blaumann wird jetzt von der Morgensonne beschienen und verrichtet fleißig sein Werk. Vorne vor dem Kostümverleih treibt ein Mann mit Kleinsthund die Miezi vor sich her. Schon regt sich in mir Widerstand, da wird mir klar, dass sich die drei gut kennen. Miezi mauzt, der Kläffer kläfft und der Herr treibt die Seinen wie ein Hirte in den Hauseingang. Perle auf der Erle!

Street-Art an der Erlenstraße

Street-Art an der Erlenstraße

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10 Kommentare für “Die Erlenstraße

  1. Lav Endl
    15. September 2015 um 14:49

    Hey also Klaus Schlecker wird immer brav von den Engeln im ehemaligen Drogeriemarkt gefüttert :)

  2. HinzundKunz
    15. September 2015 um 22:52

    Nebenbei, das ist meine Straße! ;D

  3. HinzundKunz
    15. September 2015 um 23:24

    Ich lasse mich da gern verbessern, aber gehört die Mieze nicht zum „Leo“-Besitzer und ist eigentlich in der „E-Zwo“ zu Hause?! ;)

  4. Markus
    16. September 2015 um 09:11

    Das ist ja mal ein völlig sinnloser, weil völlig uninformativer Artikel! Nichts zur Geschichte, nur sinnlose Eindrücke. Zum Journalismus gehört m.E. auch Recherche, nicht nur ein Spaziergang. Und was will uns das ganze nun sagen?

  5. 16. September 2015 um 11:27

    @Markus: Zur Geschichte der Erlenstraße –> siehe Ahornstraße.

    Die Erlenstraße verdankt ihren Namen seit 1859 einem gewissen Herrn August Hecht, ehemals Gasthausbesitzer an der Radeburger-/Ecke Hechtstraße, die den Namen ihm verdankt. Dieser Herr Hecht war so ganz nebenbei auch noch Förster und in dem damals noch Oppellvorstadt genannten Viertel recht umtriebig. Und da wohl niemand widersprach, gab er den Sträßchen eben Baumnamen.

  6. nepumuk
    16. September 2015 um 19:47

    Was soll schon groß zur Straßengeschichte recherchiert sein? : rasante Bebauung landwirtschaftlicher Oppelflur zur Gründerzeit, danach Bewohnung, Belebung und Bespielung durch die Anwohnerschaft. Im Großen und Ganzen wars das für den internafernen Beobachter. Ich finde den Artikel sehr schön – eben mal nicht das üblich Geschichtliche wie sonst so inflationär in Dresden. Nur unscheinbar oder seitengassig empfinde ich die Erle nicht. Für mich eine prägnante und wunderschöne Gründerzeitstraße von beachtlichem Fassadenfarbspiel. Die Katz ist seit den Schleckerlis nicht abgemagert, sie träumt nur vom Tage, an dem alter Versorgungsluxus wiederkehren möge. Also alles bestens. Bleibt nur die wichtigste Frage: war das Bauarbeiterdekollete auch ausreichend behaart?

  7. Thebau
    17. September 2015 um 11:09

    Schön die eigene Straße mal „in Worten gemalt“ zu bekommen.

  8. Günter Bitterlich
    26. September 2015 um 18:34

    leider muß ich dem Anton Launer widersprechen.
    Der Revierförster von Neudorf, August Hecht legte Anfang d.18.Jahrhunderts einen Weinberg auf dem Gelände d.heutigen Gehörlosenschule an ,der nach ihm benannt war.Die Gaststätte die auf die Kreuzung der Hansastr. ragte und deshalb ca.1937 bei deren Weiterbau abgerissen wurde trug ebenfalls seinen Namen „Zum Hecht“. Mit der Namensgebung der Straßen hatte der Mann aber nichts mehr zu tun. Die wurden 1859 vom Rat d.Stadt und dem Ministerium d.Innern gleichzeitig mit der Nummerierung d.Häuser durchgeführt und da das entstehende Viertel an der Buchenstr. an die Heide grenzte waren die Baumnamen naheliegend. Vorher wurden die Häuser in der Reihenfolge ihrer Entstehung mit der Brandkatasternummer erfasst was die Postzustellung fast unmöglich machte.

  9. Marcus
    2. Dezember 2018 um 16:51

    Wo ist eigentlich Philine mit ihren wunderschönen Wortgirlanden?
    Memento hat vor mehr als einem halben Jahr anscheinend auch ein Ende gefunden.
    Jetzt wo es mir durch einen Link im Erlenklauseartikel aufgefallen ist, fehlen mir die kunstvoll in Form gegossenen Wörter plötzlich enorm!

  10. 2. Dezember 2018 um 23:07

    @ Marcus…. Hier. Bei der Memento-Serie fehlt es uns an Protagonisten.

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