In den Tiefen der Stasi-Keller

Zelle in der ehemaligen  Untersuchungshaftanstalt der "Stasi".

Zelle in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der „Stasi“.

Am vergangenen Montag trafen sich die Neustädter Ortsbeiräte in der Gedenkstätte Bautzner Straße. Vor der Sitzung gab es ein Führung durch die finsteren Keller der Staatssicherheit. Fachkundig und mit guter Stimme führte der ehemalige Oberbürgermeister Herbert Wagner. Er zeigt die Zellen, die dunklen, muffigen Gänge und erzählt die erschütternden, aber manchmal auch etwas komischen Geschichten.

Der ehemalige Oberbürgermeister Herbert Wagner führt durch die Gedenkstätte.

Der ehemalige Oberbürgermeister Herbert Wagner führt durch die Gedenkstätte.


Zum Beispiel als die Bürgerbewegung im Herbst 1989 das Gebäude stürmte und die Insassen befreite, wollte ein Teil gar nicht gehen. Alles was sie wollten, waren ein paar Zigaretten. „Wir sind doch keine Politischen“, hielten sie ihren Befreiern entgegen. Das Lachen blieb den Ortsbeiräten im Halse stecken, als Wagner von den Verhör-Methoden der Stasi berichtete. Der ehemalige Stadt-Chef ist heute ehrenamtlicher Vorsitzender des Trägervereins der Gedenkstätte. Auch persönlich geht ihm die Geschichte des Hauses nahe. Mehrere Verwandte wurden hier vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verhört. Nach dem Krieg hatte der Vorläufer des KGB, der NKWD, hier eine Haftanstalt errichtet. 1953 übernahm die Stasi das Haus vom russischen Geheimdienst. Am 5. Dezember besetzten Dresdner Demonstranten die Gebäude und die Haftanstalt.

Wagner zeigt das Büro des letzten sächsischen Stasi-Generals

Wagner zeigt das Büro des letzten sächsischen Stasi-Generals

Es geht weiter. Wagner zeigt uns den Raum des letzten Chefs der Bezirksverwaltung, Stasi-General Horst Böhm. Der Raum sieht aus wie eine kleine Kopie der Erich-Mielke-Zentrale in Berlin. Nicht fehlen darf in der Vitrine neben MfS-Teller und Lenin-Kopf ein Wimpel des hiesigen Fußballvereins. Nach einer knappen Stunde ist der Rundgang beendet und mit einem beklemmenden Gefühl gehen die Räte zur Tagesordnung über.
Der General war förderndes Mitglied beim Polizeiclub Dynamo.

Der General war förderndes Mitglied beim Polizeiclub Dynamo.

    Informationen und Öffnungszeiten

  • Gedenkstätte Bautzner Straße„, Bautzner Straße 112a, 01099 Dresden, täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 4,- Euro, ermäßigt 2,- Euro; Schüler unter 18 Jahren: Eintritt frei. Führungen ab 4,- Euro pro Person, jeden ersten Sonntag im Monat um 11 Uhr oder nach Voranmeldung.
  • Umfangreiche Infos zur Gedenkstätte im Stadtwiki Dresden.
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5 Kommentare für “In den Tiefen der Stasi-Keller

  1. Statt Verwaltung
    18. Mai 2015 um 16:52

    Sieh mal an, damals hatten sogar Kriminelle – „wir sind doch keine Politischen“ – die Größe (und offensichtlich genug Schuldbewusstsein), freiwillig im Knast zu bleiben. In der DDR war man halt noch moralisch gefestigt. Heute, im ach so tollen Rechtsstaat, der dem damaligen Unrechtssystem in jeder Hinsicht überlegen ist, weigert sich die vom Steuerzahler teuer unterhaltene Justiz, selbst mehrfache Wiederholungstäter wegzusperren, auf dass sie ungestört weiter prügeln und klauen können (näheres in beliebiger Tagespresse). Die Selbstverwirklichung von Kriminellen scheint heute eine Herzensangelegenheit des Systems zu sein.

  2. ein anderer Stefan
    18. Mai 2015 um 21:16

    @Statt Verwaltung: Da empfehle ich diesen Artikel:
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/lebenslange-freiheitsstrafe-schuld/komplettansicht

    Schon toll, wie die DDR es geschafft hat, dass „gewöhnliche“ Kriminelle sich als was besseres wähnten als politische Gefangene, die oft ja nur das „Verbrechen“ begangen hatten, eine eigene Meinung zu haben, oder ausreisen zu wollen. Das nenne ich in der Tat moralisch gefestigt.

    Da ist natürlich unser weiches Strafrecht und die viel zu milden Strafen echt untauglich im Vergleich. Klar, das Geld kann man sparen – in Frankreich hatte man dazu vorzeiten die Guillotine erfunden, um das möglichst schnell erledigen zu können. Oh, doch zu radikal? Dann halt wegsperren und zur Arbeit zwingen, wie dazumal in der städtischen Arbeitsanstalt Dresden – wer mag, kann in der SLUB online die Regeln dazu nachlesen, mit verschärften Einzelarrest im Dunkeln, wenn es sein musste. Hm, aber die Menschenwürde und das dumme Grundgesetz? Ach, Straftäter haben halt keine, auch da war die DDR ja schon weiter.

    Mannomann. Selten so einen Blödsinn in einem einzigen Kommentar gelesen.

  3. Stefan
    19. Mai 2015 um 10:28

    @anderer Stefan

    Merkwürdige Logik, dass jemand der freiwillig einsitzen will, sich für was Besseres halten sollte, Die meinten wohl, es verdient zu haben.

    Und wo habe ich Straftätern Menschenwürde und Grundrechte absprechen wollen? Allerdings scheint es in diesem System Leute zu geben, die sich für super fortschrittlich halten, indem sie Menschenwürde und Grundrechte der Opfer als nachrangig gegenüber den Täterinteressen halten, nicht wahr? Bei solchen Leuten reicht es meist auch nur zu Unsachlichkeit und Phrasen.

  4. Klaus
    19. Mai 2015 um 11:59

    @Statt Verwaltung:

    Volle Zustimmung.

  5. Andreas
    19. Mai 2015 um 15:42

    ein anderer Stefan hat Recht: In der Hierarchie der DDR-Haftanstalten standen „Politische“ ganz unten. Das wurde auch vom Wachpersonal so gehandhabt. Statt Verwaltung redet sich eine DDR schön, die es so eben nicht gab.

    Der Wunsch der „Kriminellen“, 1989 in Haft zu bleiben, hatte im Übrigen wohl weniger mit „moralischer Größe“ zu tun als mit dem Bewusstsein, dass ihnen ein Ausbruch aus der Haft nicht viel nützen, sondern sich eher straf- oder haftverschärfend auswirken würde. Also nüchternes Kalkül, aber kein Zeichen einer „entwickelten sozialistischen Persönlichkeit“.

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