Mietpreisbremse und Maklergebühren

Gestern hat das Kabinett in Berlin die Mietpreisbremse beschlossen. Wie der Bundesjustizminister Heiko Maas im Neustadt-Geflüster-Sommer-Interview schon erläuterte, sollen die Mietpreise bei Neuvermietungen künftig nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Damit will die Bundesregierung den Ländern ein Instrument an die Hand geben, um Mietpreisexplosionen in „angespannten Wohnungsmärkten“ einzudämmen.

Bundesjustizminister Heiko Maas im Neustadt-Geflüster-Interview - Foto: Tobias Strahl

Justizminister Heiko Maas (SPD) im Neustadt-Geflüster-Interview – Foto: Strahl/Archiv

Der Hintergrund dieser Gedanken: bei steigenden Mieten würden die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen an den Stadtrand gedrängt. „Wir wollen weiterhin eine durchmischte Wohnbevölkerung in den Städten“, erklärte Maas im Sommer sein Ziel, das nun erreicht scheint. Für die in Berlin in der Opposition arbeitenden Grünen ist der gestrige Gesetzentwurf jedoch nur eine völlig verwässerte Kompromisslösung. Sie spielen damit auf die Ausnahmen an, denn die Mietpreisbremse gilt nicht für Wohnungen, die nach dem 1. Oktober 2014 erstmals vermietet werden. Und auch die erste Vermietung nach einer umfassenden Modernisierung wird nicht gedeckelt. Das heißt, das zum Beispiel der Neubau an der Frühlingstraße oder das sanierte Haus an der Louisen- Ecke Talstraße nicht von der neuen Regelung betroffen wären.

Mietshaus Neustadt

Mietshaus in Dresden Neustadt

Unklar ist derzeit, ob die Mietpreisbremse in Sachsen eingeführt wird. Die Bundesregierung hat die Entscheidung über die Ausweisung von Gebieten „mit angespannten Wohnungsmärkten“ den Ländern überlassen. Noch im Juli hatte der sächsische Innenminister Markus Ulbig gesagt: „Für bezahlbaren Wohnraum braucht es keine Mietpreisbremse.“ (Quelle: cdu-sachsen.de). Die nun in Berlin verabschiedete Regelung bezeichnete er jedoch als gute Entscheidung für Sachsen (Quelle: sachsen.de). Man kann davon ausgehen, dass die SPD, die derzeit mit der CDU in Koalitionsverhandlungen führt, sich für das Thema stark machen wird.

Der zweite Teil des gestrigen Beschlusses beschäftigt sich mit den Makler-Gebühren. Nachdem die jahrelang in der Neustadt von den Vermietern getragen wurden, gab es einen Wechsel in den vergangenen Jahren. Seit der Wohnungsmarkt angespannt ist, müssen die Mieter den Makler bezahlen, in der Regel sind dafür zwei Netto-Kaltmieten fällig. Das soll sich nun mit dem neuen Gesetz ändern. Bezahlen soll dann, wer den Makler beauftragt hat, also in der Regel der Vermieter. Der Immobilienverband Deutschland hat dagegen schon prompt eine Verfassungsbeschwerde angekündigt, weil diese Regelung ein schwerwiegender Eingriff in die Berufsfreiheit sei.

Unterdessen suchen Makler auch in der Neustadt schon nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten. So verlangt ein Unternehmen zum Beispiel einen Bearbeitungsentgelt in Höhe von 20 Prozent der zu entrichtenden Kaltmiete. Dieser Entgelt wird fällig, wenn der Mietinteressent vor Abschluss des Mietvertrages zurücktritt. Andere Unternehmen berechnen dafür gleich pauschal 100,- Euro oder mehr.

Das Gesetz zur Mietpreisbremse muss nun noch vom Parlament beschlossen werden und tritt wahrscheinlich im kommenden Frühjahr in Kraft.


Nachtrag:
Inzwischen hat sich der Bundesverband Freier Immobilien-und Wohnungsunternehmen Mitteldeutschland (BFW) zu Wort gemeldet. „Wir begrüßen, dass die Politik teilweise auf Forderungen der Immobilienwirtschaft eingegangen ist. Aber wir glauben nicht, dass dieses wohnungsmarktpolitische Instrument insbesondere dem sächsischen Wohnungsmarkt hilft“, sagt Steffen Bieder, Geschäftsführer des BFW. Der Verband geht davon aus, dass der Freistaat Sachsen von der neuen Rechtsverordnung so gut wie nicht betroffen ist. Denn die Kriterien für einen angespannten Wohnmarkt seien z.B.:

  • Mieten steigen über dem bundesweiten Durchschnitt
  • Mietbelastung übersteigt den bundesweiten Durchschnitt
  • trotz Bevölkerungswachstum keine Neubauten

Nach Auskunft des BFW liegt die durchschnittliche Bruttokaltmiete mit 5,47 Euro je Quadratmeter deutlich unter dem Bundesdurchschnitt mit 6,37 Euro je Quadratmeter. Mit der Mietpreisbremse sieht Bieder die Gefahr, dass Investoren künftig lieber Wohnungen abreißen, anstatt in den Bestand zu investieren. Außerdem befürchtet er, dass bis zum Inkrafttreten der Mietpreisbremse die Mietpreise nochmals kräftig angehoben werden.

linie

43 Kommentare zu “Mietpreisbremse und Maklergebühren

  1. Critter
    2. Oktober 2014 at 10:52

    Das mit den Maklern ist wirklich derzeit eine Schweinerei! Die machen nix weiter als die Wohnungen ins Internet zu setzten und kassieren dafür 1500€. Man kaum noch einfach mal zur Wohnungsgesellschaft gehen und da was Mieten. Meist über die **** Makler

    ****Anmerkung: Teile des Kommentars wurden entfernt, da sie nicht der Hausordnung entsprechen. ****

    • 2. Oktober 2014 at 11:09

      @Critter: Die maximale Höhe der Provision ist gesetzlich geregelt. Siehe hier.

  2. Olaf
    2. Oktober 2014 at 11:00

    unsere bude wird auch nächstes jahr saniert, und bei knapp 1000€ kaution & courtage für en 10,5m² wohnklo werd ich wohl unter die brücke ziehn.

  3. Louise
    2. Oktober 2014 at 11:48

    Ich bin aber immer wieder überrascht, wie stark sich die Mietpreise im Viertel unterscheiden (wohl augenscheinlich besonders zwischen Privatvermietern mit nahegelegenem Wohnort und den Vermietungs-„Hai“-Gesellschaften). Dass ich „nur“ 11€ warm pro qm zahle (da ist die üppige Nebenkostenabrechung nicht enthalten) verdanke ich ausschließlich dem fünf Jahre alten Mietvertrag (und dabei gibt es in den Wohnungen noch nicht mal Waschmaschinenanschlüsse)!
    Wenn man sich dann umsieht, wie viele Menschen Minijobs oder anderen schlecht bezahlten Berufen nachgehen, wundert mich manchmal, dass die Neustadt nicht schon entvölkert ist. Auch bei einem BaföG-Höchstsatz von (glaube ich) 670€ (wobei ich in meiner Uni-Zeit nur einen getroffen habe, der das bekam) kommt man in der Neustadt nicht weit, schließlich soll ja noch was für den Semesterbeitrag übrig bleiben und ach ja, Essen wäre auch fein.
    Hinzu kommen all die kleinen Vermieterspielchen, wie Bürgschaften und Gehaltsnachweise einfordern, die Nebenkostenabrechung „aufhübschen“ usw. Aber wie gesagt, damit schließe ich dem Rundumschlag, es gibt auch hier augenscheinlich einen deutlichen Unterschied zwischen den Vermieter“typen“..

  4. Peter
    2. Oktober 2014 at 11:52

    Ich hab in der Neustadt immer weniger als 200€ für meine Zimmer gezahlt. Als ich dann zum Studium nach Potsdam gezogen bin musst ich das mal locker verdoppeln. Schade zu hören, dass es in Dresden jetzt auch schon so weit ist.

  5. Alexander
    2. Oktober 2014 at 12:12

    Da hilft dann nur noch eins, einfach die Mietpreise nicht mitmachen, es ist ein Markt wie jeder andere auch. Ziehe ich eine eine andere Gegend, bleibt genügend Geld, für die dann obligatorischen Fahrten übrig und die Miethaie können sich ihre Traummieten in Ihren Charts ansehen. Ich habe nichts gegen moderates Mietwachstum, solange es im Rhamen bleibt, alles andere ist einfach nur Ausnutzung von Knappheit.

  6. Louise
    2. Oktober 2014 at 13:40

    .. da kommt man ja fast auf die Idee, dass alle Neustädter ihre Mietzahlung einstellen und ab sofort ihre eigene Wohnung besetzen…

  7. me
    2. Oktober 2014 at 14:12

    Wohneigentum ist das Zauberwort. Kauft einfach eine Wohnung und ihr müsst nie wieder Miete zahlen. Wird in den meisten Ländern außerhalb von Deutschland auch so gemacht. Nur hier scheint das irgendwie noch nicht angekommen zu sein.

  8. Ossi
    2. Oktober 2014 at 14:21

    Mach mal. Laura(19) aus Münster und Tochter reicher Eltern, angehende BWL-Studentin oder zugezogene Biomütter in Funktionsjacken warten schon darauf freien Wohnraum gegen ordentlichen Mietaufschlag zu beziehen…

  9. Marcel
    2. Oktober 2014 at 14:22

    Louisen- Ecke Talstraße kostet 12 EUR kalt.
    Ich sehe auch ein Problem im Neubau von Wohnhäusern, da diese nur noch zu Eigentumswohnungen gebaut werden.
    Und 250 Tsd.? wer kann sich das Leisten ?
    Das nächste Problem sind die WGs.
    Eine 4R-Wohnung kostet z.b 800 EUR warm.
    Da gibt es aber Vermieter (und nicht wenige)die sagen sich ein Student kann 250-300 für ein Zimmer bezahlen,das macht dann mal schnell aus 800 EUR 1000 EUR oder noch mehr.
    Der Vorteil für den Vermieter ist, die WG ist immer durch vermietet.Da jeder Student ein Mietvertrag hat.Der eine zieht aus , und ein neuer zieht ein.
    Das hat mir meine Hausverwaltung selber gesagt.
    Wir haben 2 Kinder und sind auch auf der Suche nach einer bez.4 R-WG.aber es sieht schlecht aus.
    Daher mehr Wohnheime für Studenten !!!!

  10. Critter
    2. Oktober 2014 at 14:57

    Was zahlt man derzeit in der Neustadt wenn man neu anmietet? Bei mir sind es derzeit 5€/m² (kalt) und ca 2,50€ für die NK inkl. HK. Ziehe aber jetzt aus. Vermute der Nachmieter darf dann einiges mehr bezahlen :P

  11. sylvia
    2. Oktober 2014 at 15:35

    @me: weil Studenten, Aufstocker und allein erziehende Elternteile ja auch einen fetten Kredit von der Bank kriegen oder wie?

  12. sylvia
    2. Oktober 2014 at 15:40

    Die Mietpreisbremse wird vor allem dazu führen, dass Neuvermietungen sanierter und neugebauter Objekte so hoch angesetzt werden wie möglich und somit die ortsübliche Vergleichsmiete in die Höhe getrieben wird.

  13. Klaus W.
    2. Oktober 2014 at 16:24

    Nur mal so: Es gab schon mal eine Mietpreisbremse von 1949 bis 1989 und das hat einwandfrei funktioniert, gerade in der Neustadt.

  14. Seldon
    2. Oktober 2014 at 18:57

    @Klaus W.
    Na zum Glück gibt es jetzt tüchtige Hausbesitzer, Hedge-Fonds und Spekulanten, die uns freundlicher Weise Wohnraum zur Verfügung stellen. In ausreichendem Maß, bezahlbar, sachgerecht saniert und nur zu unserem Besten.

  15. sylvia
    2. Oktober 2014 at 21:12

    @Klaus We.
    Du vergleichst doch jetzt nicht etwa Trabi mit BMW???

  16. 3. Oktober 2014 at 12:44

    2 kleine Sachen sind mir im Artikel aufgefallen:

    „Das heißt, das zum Beispiel der Neubau an der Frühlingsstraße oder…“

    Die Straße ist die Frühlingstraße und der Neubau beinhalt lediglich 4 Etagenwohnungen die als Eigentumswohnungen zu erwerben sind.

    Achso und bei Interesse und dem nötigen Sparstrumpf: Eine Wohnung ist noch frei. Kostenpunkt irgendwas zwischen 350.000 und 400.000 €.

    Die RCM Beteiligungsgesellschaft hat uns jetzt auch eine Kaltmietenerhöhung angedroht. Begründung für die Erhöhung: Weils alle machen…:-D

    • 3. Oktober 2014 at 19:15

      Diesen in einen Namen gegossene Rechtschreibfehler werde ich wohl immer wieder mit Binde-S schreiben. Danke für den Hinweis. Das mit den Eigentumswohnungen ist mir bekannt, heißt ja aber nicht, dass die nicht weiter vermietet werden können.

  17. Unfassbar
    3. Oktober 2014 at 12:48

    Und was nützt das? Wenn der Vermieter 10 Mieter zur Auswahl hat, nimmt er den mit dem sichersten und höchsten Einkommen. Da hat dann die Bäckerereiverkäuferin auch nichts davon. Der Gutverdienende freut sich über geringere Miete. Am Ende hilft es nur die „Hotspots“ mit sinnvollen!! Neubau von Wohnungen zu entlasten, aber auch dies ist aus Platzgründen nur begrenzt möglich…. Da der Mensch aber wohl eher ein „Herdentier“ ist, werden die „Hotspots“ weiter überrannt und keiner kann es stoppen, erst recht nicht diese Mietpreisbremse….

  18. Unfassbar
    3. Oktober 2014 at 21:38

    @ seldon
    Auch wenn alle Wohnungen ab morgen umsonst zu mieten sind, löst keiner damit das Problem der höheren Nachfrage gegenüber dem Angebot.
    Obwohl mir schon klar ist das DU die schicken Wohnungen dann nach politischer Richtung vergeben würdest, so wie es früher üblich war. Ich freue mich heute über den 3. Oktober. Verfluche du weiter jede Art von Eigentum und Täume von der Weltrevoltion…. Schönen Feiertag!

  19. Olaf
    3. Oktober 2014 at 23:23

    Unfassbar:
    naja, wenn die bäckereiverkäuferin ihre bäckerei verkauft, könntese sich schon fast so ne wohnung kaufen, kommt halt voll & ganz auf die bäckerei an ;) aber dann gäbs am ende halt auch nur noch mit luft gefüllte supermarktteiglinge. wie mans macht, …

  20. Seldon
    4. Oktober 2014 at 10:16

    @Unfassbar, stimmt schon, Mietpreisbremse nutzt in Hinblick auf bezahlbaren Wohnraum auch nicht (viel). Bezahlbarer Wohnraum ist ja nun aber auch nicht Ziel privatwirtschaftlichen Wohnungsbaus, sondern maximale Profite. (Natürlich gibt es auch den Discount-Bereich in der Platte.) Insofern ist unter den herrschenden Bedingungen nur kosmetische Korrektur möglich. Dem Markt den Zugriff auf Wohnraum zu entziehen, möglichst großflächig, via Genossenschaften, Miethäuser-Syndikat, Besetzung, Mietboykott,… wäre möglicherweise zielführender…Die Häuser denen, die drin wohnen. (und ja: DDR blabla: hatten wir hier schon mal… )

  21. Seldon
    4. Oktober 2014 at 11:08

    @unfassbar, schön, dass Du weißt, was ich machen würde…
    Nachfrage/Angebot: es gibt Bedarf nach Wohnraum, es gibt leerstehende Häuser, es gibt Bürokomplexe, es gibt Luxus-Apartements mit Wohnraum für ganze Großfamilien, … was es nicht, oder zu wenig gibt, ist bezahlbarer Wohnraum. Warum und wieso hab‘ ich oben und an anderer Stelle versucht zu erläutern
    Sing‘ Du weiterhin Dein Hohelied auf das Privateigentum und träume von den Brotkrumen, die Dir vom Tisch der Eigentümer momentan noch den Teller füllen, dessen Rand Du offenbar zur Grenze Deiner Welt erklärt hast.

  22. Unfassbar
    4. Oktober 2014 at 11:16

    @seldon
    „Dem Markt den Zugriff auf Wohnraum zu entziehen, möglichst großflächig, via Genossenschaften, Miethäuser-Syndikat, Besetzung, Mietboykott,… “

    Und was bringt das?
    Solange mehr Menschen in den Innenstädten wohnen wollen als Wohnungen da sind wird es ein Nachfrage/ Angebot Problem geben. Selbst wenn du Wohnraum kostenlos verteilst.

  23. paul
    4. Oktober 2014 at 14:20

    Am Besten würde es mir gefallen, wenn es eine sozial eigestelle Bank gäbe, die Baukredite für den Erwerb von Eigentumswohnungen nur an Selbstnutzer aus dem Viertel vergeben würde. Statt an einen Miet-Hai auf unbegrenzte Dauer zahlt man doch lieber den gleichen Betrag ein paar Jahre an die Bank und hat dann seine Ruhe. Ich habs so zu besseren Zeiten gemacht. War aber purer Glücksfall.
    Aber vielleicht könnte man die eine oder andere Partei für so ein Projekt gewinnen. Aber ich glaube doch eher, daß gerade der Verfechter des Privateigentums eine solche Dezentralisierung strikt ablehnen würden (siehe auch Energiewende)

  24. Seldon
    4. Oktober 2014 at 14:50

    Hallo unfassbar,
    ja stimmt schon, wenn die Resourcen begrenzt sind, wird man sich auf einen Verteilungsschlüssel einigen müssen, wenn der Apfelbaum nur so und soviel Äpfel hervorbringt, müssen sich die Pflücker auch irgendwie arrangieren. Manch einer mag vllt. keine Äpfel, oder nicht soviele, oder gibt gern ein paar ab… Der Einzelne bekommt aber sicher mehr, als wenn sich einer hinstellt und den Baum zu seinem Eigentum erklärt, die Äpfel meistbietend verkauft oder vergammeln läßt, weil er die Pflaumen seiner anderen Obstbäume dafür noch teurer verhökern kann.

  25. paul
    4. Oktober 2014 at 16:09

    @seldon
    Na, ich weiß ja nicht. Was die meisten Leute wirklich von ihrer Wohnsituaion wollen, ist doch Sicherheit. Rausgeklagt zu werden, die Miete nicht mehr zahlen zu können, vom Eigentümer gemobbt zu werden – das sind die Alpträume, die man so hat. Und das ändert sich auch nicht, wenn es kein Vermieter ist, der einen raus haben will sondern ein Verteilungskomitee, das z.B. beschließen kann, das Du ausziehen mußt wenn die Kinder aus dem Haus sind, weil dann eine andere Familie den Schulweg ihrer Kinder verkürzen kann. Wohnung is mehr, viel mehr als nur eine regensichere Unterkunft, auch wenn Sie einem gestellt wird. Ich bleibe dabei: eigner Herd ist Goldes wert.

  26. Seldon
    4. Oktober 2014 at 18:12

    Hallo Paul, weiß nicht, wo Du bei mir ein Verteilungskomitee rausliest…“Die Häuser denen, die drin wohnen!“ ist imho nicht soweit von Deinem Standpunkt entfernt, ob als Genossenschaft, Hausgemeinschaft mit Miethäuser-Syndikats-Unterstützung, Besetzer-Kollektiv, organisierte Nachbarschaft usw. Natürlich hast Du Recht damit, dass Wohnung mehr als das Dach über’m Kopf ist. Ein Grund mehr, das nicht der „unsichtbaren Hand“ des Marktes zu überlassen!
    Aber: „Das Menschenrecht auf Wohnen kann nur gewährleistet werden, wenn der
    Ausstieg aus dem profitorientierten Wohnungsmarkt gelingt. Wohnraum muss vergesellschaftet, also allen unabhängig vom Einkommen zur Verfügung stehen.“

  27. Unfassbar
    4. Oktober 2014 at 21:29

    @seldon
    Und was ist der gerechte Verteilerschlüssel? Früher Systemtreue heute Geld. Beides ungerecht. Was hast du als Alternative?

  28. Seldon
    5. Oktober 2014 at 16:58

    Hallo Unfassbar. Was ist der gerechte Verteilerschlüssel? Am Ende derjenige, auf den sich alle Beteiligten einigen. Welche Kriterien da zugrunde gelegt werden, ist Sache der Leute, die es betrifft, ganz sicher nicht der Leute mit dem meisten Kapital.

  29. paul
    5. Oktober 2014 at 17:32

    Hallo seldon, Du bleibst an dieser Stelle aber merkwürdig wabbelig. Wie soll das denn klappen? Wer zuerst die Treppe hoch ist hat die Wohnung? Oder galubst Du im Ernst, daß sich alle Bewerber für eine Wohnung an einen Tisch setzen und lösungsorientiert diskutieren, wer einziehen darf? Irgendjemand muß nunmal den Zuschlag geben. Ober der Vermieter oder das Wohnungsamt. Wie sollte man sich denn eine Kollektiventscheidung vorstellen?

  30. Unfassbare
    5. Oktober 2014 at 18:48

    Wohnrecht für alle ist in Deutschland kein Problem. Wohnrecht für alle in den guten Gegenden der Innenstadt ist eine ewige Utopie, für alle Gesellschaftsformen.

  31. Seldon
    5. Oktober 2014 at 19:24

    Hallo Paul,
    Entscheidungen in Gemeinschaften können auf verschiedenste Arten gefunden und gefällt werden. Es gibt verschiedenste Modelle,
    wie auch im „richtigen Leben“ Entscheidungen in Genossenschaften und Vereinen zustande kommen. Im kommunalen Rahmen wird man sicher gemeinsam Kriterien erarbeiten müssen (Anzahl KInder, Alter, Beruf, Fähigkeiten, Bedürftigkeit, Länge der Nase, was weiß ich…), zusätzlich werden verschiedene Wohngenossenschaften/-gemeinschaften ihre eigenen haben, usw. usf. Das wesentliche ist, dass eben die Bewohner (der Stadt, Gemeinde, Dorf, Straße, Haus,…) entscheiden, nicht irgendein Besitzer, Kapitalgröße oder Partei-Räson!

  32. Seldon
    5. Oktober 2014 at 20:26

    Hallo unfassbar,
    wie oben schon gesagt, muß man begrenzte Ressourcen natürlich irgendwie sinnvoll verteilen. Ich weiß nicht, wieso Du immer auf den guten Gegenden der Innenstadt rumreitest…Abgesehen davon, dass das Bedürfnis nach Wohnraum für jeden anders aussieht, und nicht unbedingt der genormten „guten Gegend“ entsprechen muss, erscheint mir eine Gesellschaftsordnung, in welcher weniger Zahlungskräftige per se in die Platte gedrängt werden, einfach nicht sonderlich erhaltenswert. Schon gar nicht, wenn es nicht der Not fehlenden Wohnraums, sondern dem Profitstreben der Immobilienbesitzer geschuldet ist.

  33. Unfassbare
    5. Oktober 2014 at 21:20

    @seldon
    „Ressourcen IRGENDWIE sinnvoll verteilen…“
    … Tscha, IRGENDWIE nicht möglich….

    “ Schon gar nicht, wenn es nicht der Not fehlenden Wohnraums, sondern dem Profitstreben der Immobilienbesitzer geschuldet ist.“

    Der Leerstand ist in Dresden nicht sehr hoch, was fehlt ist Neubau. Aber jede Brache wird oft verteidigt bis aufs Blut.

    Und auch wenn man beim Neubau eine Belegung von 20% für Geringverdiener festlegt, ist es nicht möglich gerecht festzulegen wer die günstige Wohnung bekommen darf. Es bringt ETWAS soziale Durchmischung, mehr aber auch nicht.

    Wenn sich 10″ Ärzteehepaare“ um eine Wohnung bewerben ziehen 9 den Kürzeren. Sind die jetzt von der Gentrifizierung betroffen? Ich weiß es wirklich nicht, und das meine ich ohne Ironie..

  34. Seldon
    6. Oktober 2014 at 11:14

    Hier mal ein paar Zahlen, damit wir wissen, worüber wir reden.
    Ganz offenbar ist der hochgelobte Markt nicht in der Lage, für ausrechenden, bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Stattdessen wird „investiert“, natürlich dort, wo maximale Renditen zu erwarten sind. Den Discountbereich in der Platte überläßt man ggf. der Kommune, die sich mit den entsprechenden Problemen rumplagen kann. Leere Kassen tun ein übriges, sodass letzter Bestand auch noch verhökert wird. Bsp. Stauffenbergallee.
    Hier würde sich möglichweise gar kein Ärzte-Ehepaar bewerben, die Bewohner hingegen fühlen sich wohl. Nach Luxus-Sanierung sähe das u.U. anders aus. Oder was meinst Du?

  35. Katrin
    6. Oktober 2014 at 15:29

    @seldon
    Mich würde mal interessieren, wer in deiner Gesellschaftsform für den Bau neuer und den Erhalt bestehender Wohnungen finanziell aufkommt. Alle mit Geld („Miethaie“, „Kapitalisten“, „Profitstreber“ aller Art) fallen ja offensichtlich aus. Bleiben die Kommunen. Die haben dafür aber nicht genug Geld. Sagen wir, es bildet sich eine „gemischte Baugemeinschaft“. Ein paar Ärzte und Professoren, Verkäuferinnen, ein Angestellter, ein freischaffender Künstler zum Beispiel. Wer zahlt wie viel? Wer kommt wofür auf? Wer regelt das? Sind die Ärzte verpflichtet, den Künstler und die Verkäuferin mit zu finanzieren, um die Durchmischung zu wahren? Dürfen die mit weniger Geld billiger im gleichen Haus wohnen? Wie geht das? Deine Utopie in allen Ehren, aber ich verstehe nicht, wie du dir das vorstellst. Ihr verteufelt alles, was mit Geld zu tun hat. Aber ein Haus ist nun mal kein Apfelbaum – das wächst nicht von allein.

  36. Seldon
    6. Oktober 2014 at 16:24

    Hallo Kathrin,
    schwer vorstellbar, aber weder für Apfelbäume noch für Häuser braucht man Geld (und, btw., Geld ist nicht gleich Kapital, ist Abbild gesellschaftlicher Zustände, Wertform, erfüllt bestimmte Funktionen in konkreter Gesellschaftsordnung. Geld dient (u.a.) dem Austausch von Waren, aber weder das Produzieren von Dingen als Ware, noch deren Austausch auf dem Markt via Geld ist so natürlich, wie es vllt. scheint…. aber das führt hier eh‘ schon recht weit weg vom Thema…), sondern, in letzterem Falle: Steine, Balken, Zement, fleißige Hände und kundige Köpfe. Alles das gibt es bzw kann bei Bedarf erzeugt werden.
    Wie könnte das konkret aussehen? Keine Ahnung. Vielleicht so, so oder so?
    Es geht nicht nur um die Aufhebung von Profiten am Wohnungsmarkt, sondern das Infragestellen des real existierenden Kapitalismus in Gänze. Dabei wirst Du keine Blaupausen für Alternativen bekommen, genauso wenig, wie sie die Erstürmer der Bastille hatten. Utopisch? Vielleicht. Sicher momentan schwer vorstellbar, genauso wie seinerzeit die Vorstellung, ohne König und Leibeigenschaft leben zu wollen…

  37. Katrin
    6. Oktober 2014 at 18:55

    @seldon
    Also es gibt keine Antwort. Nur noch mehr Utopien. Bis ihr die dann mal verwirklicht habt, arrangiere ich mich mit den „Profithaien“. Weil – irgendjemand muss ja inzwischen paar Wohnungen bauen.

  38. Seldon
    7. Oktober 2014 at 01:22

    Hallo Kathrin,
    ja sorry, wenn Du fertig formatierte Antworten für Deine Fragen erwartest, statt sie selber für Dich zu beantworten, mußt Du Dich wohl mit wem auch immer arrangieren. Ein paar Möglichkeiten hab‘ ich ja skizziert. Eine weitere noch hier. Vllt ließt Du einfach mal rein.
    Ich glaube nicht, das der Wegfall von „Profithaien“ dazu führen wird, dass wir alle wieder in Höhlen ziehen oder plötzlich nichts mehr gebaut wird, schließlich wurden Häuser auch schon vor dem Siegeszug des Kapitalismus errichtet…

  39. Timdocsign
    7. Oktober 2014 at 08:04

    Ich möchte nochmal darauf aufmerksam machen, das hier über ein Grundproblem des Menschen diskutiert wird. Er kann nie genug bekommen ! Und alle die etwas anderes behaupten waren noch nie in der Situation mehr zu bekommen. Ich möchte mal einige von den Mietern sehen, wenn sie plötzlich auf der anderen Seite stehen würden ! Ob es dann immer noch so schön wäre, den eigenen Schweiß der Arbeit für lau herzugeben ! Wir könnten vielleicht zum Ziel kommen, wenn der gegenseitige Respekt, die Sichtweise auf den anderen deutlich größer wäre.
    Leider ist das ein nicht umsetzbares Ziel, wie wir aus der Vergangenheit wissen. Ich habe übrigens keine Nachrichten zu Mieten gehört als es die für lau gab. Die Vermieter haben schön stillgehalten und mit jedem Quadratmeter Verlust gemacht. Nicht wenige waren gezwungen zu verkaufen. Ich kenne einige in diesem Viertel die für lau eine Eigentumswohnung in dieser Zeit gekauft haben.

  40. Unfassbare
    7. Oktober 2014 at 14:53

    @ seldon
    Deine ganzen Vorschläge sind für einige Lebensmodelle sicher gangbare Alternativen, aber nicht für den Großteil der Bevölkerung. Ich will mein Haus nicht nach meiner Arbeit selber bauen und auch eine Baugemeinschaft ist nicht das was mir vorschwebt. Das sind aber persönliche Ansichten. Also ist Geld bezahlen für vernüftige Leistung genau mein Ding.
    Wohnungsbaugesellschaften sind da noch am besten Massenkompatibel. Aber auch die verlangen für Neubau 8-9€qm. Der Grundstückspreis ist da noch der geringste Preistreiber eher Energie- und Bauvorschriften.
    Vielleicht wird der Kapitalismus mal abgelöst, aber VIELLEICHT mal IRGENDWANN hilft JETZT nicht weiter. Vernünftiger Neubau entlastet aber den von Dir verfluchten Markt und führt in der Breite zu vernünftigen Mieten. Wir hatten Anfang/Mitte der 90er auch schon mal 20DM den qm. Die dahmalige Goldgräberstimmung endete dann bei teilweise 7DM qm und weniger. Es ist kein Naturgesetz das Mieten immer nur steigen, auch wenn das, in der jetzigen Situation, den Wohnungssuchenden wenige hilft.
    Das alle paar Jahre falsche Einwohnerzahlschätzungen als Grundlage für Wohnungspolitik genommen sorgte in der Vergangenheit leider zu noch mehr Verknappung. Aber welche Frau wann wieviel Kinder bekommt ist ebend ein Blick in die Glaskugel, und daß das kapitalistische Gesundheitswesen zum längeren Lebenserwartung führt ist nicht immer korrekt vorhersehbar….

  41. Seldon
    7. Oktober 2014 at 17:27

    Hallo Timdocsign,
    „Grundproblem des Menschen: Er kann nie genug bekommen ! “

    Weiß ja nicht, woher Du diese Weisheit nimmst. In meinem Umfeld gibt es solche Gierschlunde schon mal nicht! Auch historisch ist das keinesfalls belegbar, im Gegenteil war es zu Beginn der kapitalistischen Entwicklung den Menschen nur schwer vermittelbar, mehr zu arbeiten als unbedingt nötig, um mehr zu konsumieren als gewohnt. In der Antike erledigten überwiegend Sklaven die Arbeit, damit sich die Bürger mit Politik und schönen Künsten beschäftigen konnten. Der Blick auf die Arbeit änderte sich in Europa erst gravierend im 17. Jahrhundert, in der Zeit der Aufklärung und Reformation: Nun sahen die Menschen Arbeit (und Konsum) als einen von „Gott vorgeschriebenen Selbstzweck des Lebens überhaupt“, wie der Max Weber (Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus) bemerkte. Siehe z.B. auch Hannah Ahrendt, „Vita Activa“…

    Konsum muß künstlich gesteigert werden (Werbung, Moden, geplante Obsoleszenz,…), konsumkritische Bewegungen greifen Raum, Übersättigung und Langeweile, Entfremdung und innere Lewere werden durch Konsum nur kurzfristig betäubt (Fromm, „Haben oder Sein“)
    usw. usf.

    Also, ich würd‘ Deine Aussage in Zweifel ziehen, solange Du sie nicht etwas fundierter begründest.

    @unfassbare: Ich weiß nicht, was Du über den „Großteil der Bevölkerung“ weiß. Was Du willst, ist zunächst mal Dein Ding.
    Davon ab würde es für den Anfang ja schon mal reichen, den Leuten, die es wollen, die Möglichkeit zu geben oder zu erhalten, auf ihre Art und Weise zu leben (siehe Stauffenbergallee: paar hundert Leute, die nach erfolgter Sanierung wrschl. auf der Straße stehen….) . Entlastet den Wohnungsmarkt ebenfalls…
    Vernünftiger Neubau, vernünftige Miete? Vernünftig wäre es, Wohnraum nicht von Profitinteressen abhängig zu machen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

linie