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10 Kommentare zu “Erststimme August

  1. Seldon
    31. August 2014 at 18:59

    Das Loblied auf das hohe demokratische Gut und seine Bedeutung für die Freiheit des Bürgers steht allerdings in auffälligem Kontrast zu der Geringschätzung, die die Wahl von den wahlberechtigten Bürgern selber erfährt. Sie scheinen nicht gerade gebieterisch danach zu verlangen, endlich wieder einmal ihre Rolle als „Souverän“ spielen zu dürfen. Aufgeklärte Wähler beklagen die Langweiligkeit des Wahlkampfs. Und die meisten tun sich zugegebenermaßen schwer, irgendwelche bedeutenden Differenzen zwischen den Parteien und ihren Kandidaten auszumachen. In ihrer Mehrzahl betrachten sie die freie Wahl überhaupt als einen Schwindel, den sie längst durchschaut haben: Dass „die da oben doch machen, was sie wollen“, weiß noch jeder mündige Bürger herzusagen. Dabei taugt diese abwinkerische Haltung gegenüber den Machern der Politik, die immerhin über die Lebensumstände im Land bestimmen, offenbar gleichermaßen dazu, der einen oder der anderen Mannschaft dann doch „seine Stimme“ zu geben, oder auch einfach nicht zur Wahl zu gehen: „Regiert wird man ja sowieso!“ Wähler bilden sich offensichtlich erst gar nicht ein, mit ihrer Stimmabgabe ernstlich Einfluss auf die Politik nehmen und für mehr Berücksichtigung ihrer Interessen sorgen zu können.

    Wozu also der ganze Aufwand, wenn der „Volkssouverän“, der Wähler, gar nicht davon ausgeht und sich dafür begeistern kann, dass er mit seiner Stimme irgendetwas Entscheidendes für sich bewirkt? Für die Veranstalter der Wahl ist das jedenfalls kein Grund, die ganze Veranstaltung zu lassen. Die hohen Repräsentanten der Politik sind da schon anspruchsvoller. Bundespräsident Gauck und Bundestagsvizepräsident Thierse machen sich z.B. öffentlich Sorgen um die wachsende „Indifferenz“ und den „Verdruss“ der Wähler. Von den Gründen der Unzufriedenheit wollen sie allerdings nichts wissen, und davon, dass sich Politik denen zu widmen und sie abzustellen hätte, ist schon gleich nicht die Rede. Gauck und Thierse stellen vielmehr klar, dass es für sie — Unzufriedenheit hin oder her — einfach keinen Grund geben darf, nicht wählen zu gehen. Im Gegenteil: Der Bundespräsident rät seinen Bürgern: „Wer nicht weiß, wer der Beste ist, wählt eben einfach das weniger Schlechte“. Mit dem ewigen Kalauer vom „kleineren Übel“ bekennt er sich zwar dazu, dass die Politiker und Parteien, die die Wähler ins Amt heben, beim Bürger wenig Zufriedenheit stiften. Aber dass die Regierenden „über die Köpfe“ ihrer Wähler hinweg und durchaus gegen deren Interessen und Erwartungen regieren, soll gar nichts ausmachen und keinesfalls vom Wählen abhalten. Das Volk soll gefälligst seine Stimme abgeben, wenn seine Politiker ihm schon mal zur Entscheidung vorlegen, von wem es die nächsten Jahre regiert wird. Nach der Wahl kann es dann ja wieder meckern — um beim nächsten Mal wieder ‚die da oben‘ zu wählen …

    So funktioniert „lebendige“ Demokratie, für die Bürger — und für die Politiker, die frei über all die Lebensbedingungen entscheiden, mit denen das Volk zurechtkommen muss!

    ~

    BUCHEMPFEHLUNG

    Demokratie —
    Die perfekte Form
    bürgerlicher Herrschaft
    Peter Decker (Hrsg.)

    https://www.youtube.com/watch?v=eG9-rWmkV7s

  2. Margot
    31. August 2014 at 19:17

    Gratulation Sachsen! Ein tolles Ergebnis: die arrogante FDP, die nie für liberale Werte stand, sondern lediglich ein Lobbyistenverein für Mövenpick und Co darstellte, endlich aus dem Landtag und in die bundespolitische Bedeutungslosigkeit geworfen. DAS ist für mich erstmal das wichtigste Wahlergebnis. CHAPEAU auch der AfD, die einen fulminanten Start hingelegt hat und nun zeigen muss, dass sie nicht der rechtslastig-zerstrittene Haufen ist, als der sie von den Medien bezeichnet werden. Auch den Grünen hat der Wähler souverän einen Dämpfer verpasst. Tolles Ergebnis! Gratulation Sachsen!!!

  3. nepumuk
    31. August 2014 at 22:00

    bis auf die braune pest ist es geradeso erträglich. halt ein typisches hinterweltlerisches landeier-wahlergebnis. lässt mich eher an „moschndroht-zaun“ denken. wichtig war einzig der koalitionswechsel. alles andere hat keine, aber auch keine auswirkung. vielleicht wurde die cdu deshalb so stoisch käferstarrig, weil sie hierzulande jedesmal von extremen knalltüten belagert wird – verständlich. vielleicht werden auch die wachsenden und noch ddr-geprägten rentnerhorden immer daddeliger im koppe. egal. angekommen in der westlichen zivilisation sieht bissel anders aus. peinlich, sachsen, was sollen nur die nachbarn denken. aber egal, schon morgen ists wieder vergessen.

  4. ein anderer Stefan
    31. August 2014 at 22:48

    Ganz ehrlich: Angesichts des Ergebnisses könnte ich kotzen. Die CDU kann jetzt alleine regieren, oder sammelt die SPD als Juniorpartner ein. Was uns das bringt, sehen wir ja auf Bundesebene. Alle anderen Farbspiele sind raus.
    Gut, die FDP ist raus, das war aber schon vorher ziemlich klar. Good riddance, ich werde sie nicht vermissen.
    Aber: Die braune Brut ist immer noch drin, und die AfD kommt aus dem Stand auf 10%? 2,5% der Wahlberechtigten wählen Neonazis, und 5% Rechtspopulisten? Die Hälfte bleibt gleich zu Hause, weils regnet? Will die Hälfte der Sachsen keine Demokratie? Anscheinend ist es den meisten Leuten sch…egal, wer im Lande was zu sagen hat. Die Wahlen könnte man auch abschaffen und sich den Aufwand sparen – macht ja offenbar keinen Unterschied.

  5. Seldon
    31. August 2014 at 23:34

    Hallo (anderer) Stefan. Die Hälfte bleibt zu Hause, richtig! Ist ja aber kein sächsisches Phänomen. Wahlbeteiligungen <60% haben wird doch europaweit. Keine Lust? Oder bloß keine Lust, das "kleinere Übel" zu wählen? Zu wählen, von wem man die nächsten 4 Jahre regiert wird, wer einem das blaue von Himmel verspricht und dann doch nur den Sachzwängen folgt, die im Zweifel Wirtschaftsinteressen sind? Was genau würde sich denn ändern, wenn eine andere Partei regieren würde? Ein paar kosmetische Korrekturen hier und da, natürlich nur, wenn "es finanzierbar" ist.
    Hier in dem Vortrag kommt ziemlich gut raus, wofür Wahlen gut sind. Für die Interessenvertretung der Mehrheit der Bevölkerung sicher nicht.

  6. nepumuk
    31. August 2014 at 23:55

    cdu kann mitnichten allein regieren, die spd macht mit – klar wie kloßbrühe. das ist ja der jux, da kommen andere inhalte rein. die anderen korrekturen (lehrer, polizeireform) sind eh geritzt – das sieht die cdu längst ein, das kommt.

    ausserdem ist die braune pest RAUS! (amtl. vorläufiges endergebnis zum jetzigen zeitpunkt) halleluja.

  7. ein anderer Stefan
    1. September 2014 at 00:36

    @Seldon: Ja, ich weiß, das viele Wähler keine Lust mehr haben. Unter 60 ja, aber hier sind es ja sogar unter 50%, das ist sehr wenig. Jetzt wo wir wohl CDUSPD kriegen, die ja eh kaum noch zu unterscheiden sind, wird sich nichts ändern, richtig. Andererseits: da bei geringer Wahlbeteiligung in aller Regel die bestehenden Verhältnisse bestätigt werden, wäre eine höhere Beteiligung vielleicht mal eine Chance, das auszuprobieren. Und: rumjammern, dass sich nichts ändert, und „die da oben“ eh machen, was sie wollen, aber dann die eine Chance, die man hat, nicht zu nutzen, ist dann auch eher mäßig konsequent. So muss die CDU natürlich auch den Eindruck gewinnen, dass sie machen kann, was sie will. Das hat was von einer selbsterfüllenden Prophezeiung: wenn der Wähler den Parteien nicht zeigt, dass ihre Politik auch dazu führen kann, abgewählt zu werden, sondern die bestehenden Verhältnisse zementiert werden, dann machen sie auch, was sie wollen – und berufen sich auf den Wählerwillen. Das am Ende nicht mal 20% der Wahlberechtigten für die CDU gestimmt haben, spielt dann keine Rolle mehr.

    Und die NPD ist raus! Wenigstens etwas.

  8. Franziska
    1. September 2014 at 07:19

    Ich weiß nicht, was Ihr habt?? Warum sollte sich denn unbedingt etwas „ändern“??? Nur um des ändern willen?? Dann wird es ja wohl zu reinem Selbstzweck. Eigentlich läuft in Sachsen doch alles gut! Schaut Euch doch einfach mal an, wie die anderen ostdeutschen Länder dastehen – übrigens egal, bei was….Sachsen ist Spitze. Von Bremen oder ähnlichen Looserstaaten im Westen gar nicht erst zu reden. Und ja: natürlich hätten mehr zur Wahl gehen können. Aber so ist das halt, bei ’nem dekadent, übersättigten Volk!

  9. Seldon
    1. September 2014 at 13:49

    Hallo Stefan, Ich glaube eben nicht, dass Wahlen eine hance zur Veränderung bieten. Letztlich bestätigt die Wahl nur, dass das Volk regiert werden will. Änderung der Verhältnisse ist nur durch Selbstorganisation mgl. Das da viele noch zu satt oder desillusioniert oder phantasielos sind, ist mir natürlich auch klar.
    Und zu FRanziska: Ob es so gut läuft, ist dann wohl doch eine Frage der Wahrnehmung und der Weite des Tellerrands!

  10. anni
    1. September 2014 at 21:52

    das Foto ist gut. gut gesehen.

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