Kein Kneipenstreik mehr

knapp vier Wochen standen die Gewerkschaftler jeden Abend vor der Kneipe

knapp vier Wochen standen die Gewerkschafter fast jeden Abend vor der Kneipe

Die Basisgewerkschaft Nahrung Gastronomie (BNG-FAU) hat heute ihren Streik vor der Kneipe „Trotzdem“ beendet. Nach Angaben von Wolf Meyer, dem Pressesprecher der Betriebsgruppe und vorher Kellner in der Kneipe, liegt der Grund für das Ende des Streiks im Verhandlungsunwillen der Betreiberin Johanna Kalex. Die will den Streik nach wie vor nicht weiter kommentieren.

Im Januar hatte sie drei Kellnern der Kneipe fristgerecht gekündigt. Hintergrund waren Diebstähle in der Kneipe. Die Kellner hatten vier bis sechs Abenden je Monat gearbeitet. Gegen die Kündigungen und für einen Haustarifvertrag richtete sich der Streik. In dem Haustarifvertrag wollten die Kellner unter anderem garantierte Einsatzzeiten für den Sommer erstreiten. Außerdem bot die BNG-FAU eine Kollektivierung der Kneipe an.

Möglicherweise hat aber gar kein Streik stattgefunden. Denn aus arbeitsrechtlicher Sicht sollte ein Streik immer ein Tarifziel haben und erst nach Ablauf der Friedenspflicht begonnen werden. Außerdem darf kein Streik ohne vorherige Verhandlungen beginnen. Die Kündigungen waren aber schon ausgesprochen und Verhandlungen über einen Tarifvertrag mit Mitarbeitern, die in Kürze nicht mehr angestellt sein werden, fehlt die Grundlage.

Die Gewerkschaftsvertreter um Wolf Meyer haben nun die Strategie gewechselt. „Wir klagen auf Rücknahme der Kündigung“, sagt Meyer. Er sieht Chancen, weil der Kündigungsgrund Diebstahl auf Willkür in der Kündigung hinweise und diese damit nicht rechtens sei. Doch selbst wenn ein Gericht diese Willkür erkennen würde, könnte die Kneipenchefin einfach eine neue fristgerechte Kündigung aus betrieblichen Gründen nachschieben.

Etwa 80 Unterstützer der BNG-FAU zogen heute Abend durch die Neustadt.

Etwa 80 Unterstützer der BNG-FAU zogen heute Abend durch die Neustadt.

Die Gewerkschafter der BNG-FAU hatten heute zur Demonstration eingeladen, um ganz allgemein auf die schlechten Arbeitsbedingungen in der Gastronomie aufmerksam zu machen. Etwa 80 Demonstranten zogen in den Abendstunden durch die Neustadt. Die BNG-FAU ist eine Untergruppe der der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU), eine anarcho-syndikalistische Gewerkschaftsföderation, die eine libertäre, klassenlose Gesellschaft anstrebt. Laut Pressesprecher Wolf Meyer ist die Anzahl der BNG-FAU-Mitglieder geheim. Für den Fall, dass sie mit ihrer Klage keinen Erfolg haben, trägt sich der gekündigte Kellner mit der Gründung einer Kollektiv-Kneipe, vielleicht im nächsten Jahr.

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30 Kommentare zu “Kein Kneipenstreik mehr

  1. Dom
    27. Februar 2014 at 20:38

    Sollten sofort die Kneipe aufmachen und sich den Stress sparen, da er wahrscheinlich eh ins leere läuft….

    Sollen sie doch beweisen, dass es besser geht!

  2. u.
    27. Februar 2014 at 21:02

    „Außerdem darf kein Streik ohne vorherige Verhandlungen beginnen.“

    Diese Aussage für bare Münze zu nehmen, würde bedeuten, Streiks wären generell ungesetzlich, solange sich der „Arbeitgeber“ nur weigert zu verhandeln.
    Zum Beispiel die Streiks bei amazon widerlegen diese Behauptung.
    bite besser recherchieren.

    zur zweiten Aussage „Verhandlungen über einen Tarifvertrag mit Mitarbeitern, die in Kürze nicht mehr angestellt sein werden, fehlt die Grundlage.“:
    Ein erstrittener Tarifvertrag würde auch für etwaige neu in der Kneipe eingestellte Gewerrkschaftsmitglieder gelten bzw. wenn er -wie im Tarifgeschehen meist üblich- allgemein angewendet würde, für alle neu Eingestellten.
    Dass es hier zuvorderst um die Gekündigten gegangen ist möchte ich nicht in Abrede stellen, es ist jedoch 1. nichts ungewöhnliches -dass etwa im Zuge von Streiks mit der Zielsetzung von Sozialplänen- Entlassungen auch wieder zurückgenommen werden und 2. darf man selbstverständlich auch in der Zeit der eigenen Kündigungsfrist sich an Streikmassnahmen beteiligen.

  3. Hotte Hü
    27. Februar 2014 at 22:32

    „[…] eine Untergruppe der der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU), eine anarcho-syndikalistische Gewerkschaftsföderation, die eine libertäre, klassenlose Gesellschaft anstrebt“ – Thihihi. Das hat was von Monty Python. :D

  4. christoph
    27. Februar 2014 at 23:10

    … Monty Python… pha Spalter…. das sind doch die von der syndikalistischen-anarcho Föderationsgewerkschaft die eine pubertäre zahnlose Gesellschaft anstreben… die sitzen an der Chaoskreuzung doch immer auf der falschen Seite

  5. manacerace
    27. Februar 2014 at 23:50

    endlich ist dieser schwachsinn beendet. die wirtin sollte ebenfalls über eine klage nachdenken und zwar eine über schadensersatz. schließlich wird der „streik“ auswirkung auf die zahl der gäste und, was wohl schwerer nachzuweisen sein dürfte, auf ihren ruf haben.

  6. Sündi-Kater
    28. Februar 2014 at 00:39

    Syndikalisten streben die Aneignung der Produktionsmittel für die Gewerkschaft durch Streik, aber auch durch Sabotage an, vgl. Wikipedia…

    Da wurde die Aneignung der Produktionsmittel, in dem Falle der Getränke, von Johanna K. offenbar als Diebstahl miß-interpretiert…

    „Aneignung“ bedingt zwangsläufig „Enteignung“, das scheint ja das Ziel der Gewerkschaft zu sein mit dem Vorschlag die Kneipe selbst zu übernehmen. Leider ist die Gewerkschaft in keinster Weise legitimiert und hält sich sogar bedeckt, wer und wie viele dahinter stecken.

    Ausweg: Johanna gründet hernach eine eigene syndikalistische Gewerkschaft und enteignet die anderen Syndikalisten dann ideologisch sauber ihrerseits… Bin schon gespannt, wie das ausgehen wird!

    Wenn Anarchisten sündigen, folgt der Kater auf den Fuß und beißt sich umgehend in den Schwanz. Viel Spaß dabei!
    Euer Sündi-Kater.

  7. u.
    28. Februar 2014 at 01:10

    noch etwas:
    „und erst nach Ablauf der Friedenspflicht begonnen werden.“

    Eine Friedenspflicht resultiert doch überhaupt erst aus einem Tarifvertrag, wo kein Tarifvertrag besteht kann auch keine Friedenspflicht bestehen!

  8. ach nee
    28. Februar 2014 at 02:11

    der streik ist vorbei, ok. der rufmord gegen die drei gekündigten mitarbeiterinnen bleibt, kein gericht kann den aus der welt schaffen. ja auch das ist rufmord ! wo hier oft johanna verteidigt wurde, sie hat diebstahl in die kündigung geschrieben. sippenhaft.
    wenn nicht ihre ganze politische geschichte nur eine lüge war.
    http://www.youtube.com/watch?v=ouNoc6HfjgI
    johanna kalex: ziele der protestierer ende der 80er jahre in der ddr. das interview ist von 2011.
    hauptsache die kneipe wirft genug für den nächsten urlaub ab…

  9. E-Haller
    28. Februar 2014 at 10:19

    @ u: Klingt mir eher so, als ob Anton bei den Aussagen zu Streik- und Arbeitsrecht den Gewerkschaftsvertreter zitiert!?

  10. oha
    28. Februar 2014 at 12:17

    @ach nee, solange Sie es nicht in Zeugnis schreibt sehe ich da keinen Schaden.
    Noch sind keine Videos und Namen von allen der ehemaligen Mitarbeitern online. Dann wäre es wahrscheinlich schwerer, da sich ungern jemand solche Leute ins Boot holt. Aber eher im Hintergrund der Umgehensweise, mit der Kündigung.

    Was ist daran so schlimm das die Kneipe genug abwirft für den nächsten Urlaub, ist Urlaub jetzt auch verboten? Wird jetzt schon geschaut, was die Leute mit Ihrem Geld machen?

  11. !
    28. Februar 2014 at 14:07

    Erst klauen und sich dann mit einer möchtegern Gesellschaft aufspielen – die haben doch mehr als den A…llerwertesten offen! Wegsperren muß man die!

  12. googlehupf
    28. Februar 2014 at 14:50

    „Laut Pressesprecher Wolf Meyer ist die Anzahl der BNG-FAU-Mitglieder geheim.“

    Seltsam. Mir fällt gerade kein vernünftiger Grund, außer man möchte die geringe Anzahl von Mitgliedern verschleiern, für eine Geheimhaltung ein.

  13. mojo
    28. Februar 2014 at 15:25

    die meisten kommentatoren halten sich für sehr schlau, haben aber irgendwie trotzdem nichts verstanden. manchen würde es gut tun sich erst etwas zu informieren, bevor sie das maul aufmachen. und anderen würde es gut tun, ihre arrogante überheblichkeit etwas abzulegen und sich mit anderen meinungen nicht nur auf polemische art und weise auseinanderzusetzen. auch deshalb sehr lustig weil die ganzen privateigentum verteidiger selbst wahrscheinlich nicht soviel privateigentum besitzen, das zu verteidigen lohnenswert wäre. aber solange die menschen ihre eigene gedankenpolizei spielen, braucht sich die regierung wenigstens kein kopf machen.

  14. ehemaliger anwohner
    28. Februar 2014 at 15:31

    … ich finde es jedenfalls blöd was die da machen. sollen sie sich was eigenes aufbauen statt andere zu schädigen, nur so kommt eine Gesellschaft weiter.

  15. T
    28. Februar 2014 at 17:34

    Leider ist der Artikel voller Fehler und die Kommentarspalte voll von niveaulosen Spinnern. Schade.

    1. Laut der Facebook Seite der FAU und des Trotzdem unbequem Blogs, ist der Streik und Arbeitskampf NICHT beendet.

    2. Lieber Anton, bitte lass doch Inhalte (rechtliche Mutmaßungen), die du nicht rechtssicher beurteilen kannst, einfach raus aus dem Artikel. Es liest sich für mich, wie Rechtswissen, welches du dir in 5 Minuten angelesen hast und welches aber leider einfach falsch ist. Die BNG hat bei Streikbeginn publiziert, dass sie sich in enger Zusammenarbeit mit einem Rechtswanwalt, mit Fachgebiet Arbeitsrecht befinden. Sie werden also schon wissen, was sie tun.

  16. Seldon-X
    28. Februar 2014 at 18:04

    Danke @mojo,
    @anwohner:
    1. „…nur so kommt eine Gesellschaft weiter.“ Wohin denn? Wann ist eine Gesellschaft weiter als vorher?
    2. „was eigenes aufbauen statt andere zu schädigen“ ist so eine Sache: Im real existierenden Kapitalismus schädigen die „sich-was-Aufbauer“ doch ganz gehörig „den Rest“: durch ihre Produkte, deren Produktion, den Abfall, die Bedingungen unter denen gearbeitet wird usw usf… Außerdem entziehen sie dem Rest durch dieses „sich was eigenes Aufbauen “ (man könnte auch „Aneignen“ sagen), die Möglichkeit, sich selbst was „aufzubauen „, anzueignen. Was denen gehört, können jene nicht aneignen. So kömmt’s auch, dass vielen die Möglichkeiten doch sehr beschränkt sind „sich was aufzubauen“, da sich das nötige Kapital in den Händen „der anderen“ befindet. Einigen wenigen, vergleichsweise, wie zuletzt hier veröffentlicht. Weltweit noch extremer: Die 85 reichsten Menschen der Welt besitzen genauso viel Vermögen wie die Hälfte der Weltbevölkerung…
    http://www.zeit.de/news/2014-01/20/hilfsorganisationen-85-reiche-besitzen-so-viel-wie-arme-haelfte-der-welt-20180806

  17. ehemaliger anwohner
    28. Februar 2014 at 20:23

    ich wünsche mir für alle „sich selbst was aufbauer“, „die arme johanna“, „rufmord“ und was nicht noch alles an polemik und plattitüden kam, mal ne richtige kündigung, mietscheiße, versicherungsquatsch – am besten noch unter fadenscheinigen begründungen wie „die klauen“ oder so. und vor allem wünsche ich mir, dass sich niemand für euch einsetzt. und der eigentliche artikel ist mehr als tendenziös und vor allem nicht richtig recherchiert. aus die maus.

  18. 28. Februar 2014 at 22:11

    don’t feed the trolls

  19. 28. Februar 2014 at 23:01

    @T: Vielen Dank für Deine Hinweise.

    1. Tut mir leid, wenn sich die Gewerkschaft im Nachgang falsch verstanden fühlt, ich habe mich an der Pressemitteilung der BNG-FAU orientiert. So steht es da drin.

    (…) wird die Basisgewerkschaft Nahrung Gastronomie (BNG-FAU) (…) am 27. Februar ihre allabendlichen Streikposten beenden.

    Danach ist der Streik vor der Kneipe also vorbei.

    2. Für die rechtssichere Beurteilung der Situation habe ich einen unbeteiligten Anwalt befragt.

    Ich denke, in ein paar Monaten wissen wir genauer, welcher Anwalt die Situation richtig eingeschätzt hat.

  20. T
    1. März 2014 at 00:19

    @anton
    nichts für ungut! :)

  21. Arthur
    1. März 2014 at 10:49

    Gestern Abend war es wieder so voll wie immer im Trotzdem. War ja sehr nachhaltig der „Streik“ :-)

  22. Letzter Kunde
    1. März 2014 at 18:07

    Streikposten sind aktuell unterbrochen, der Streik selbst dauert aber an. Streiken heißt: Nicht zur Arbeit kommen. Die Kündigung der Chefin ist aller Wahrscheinlichkeit nach ungültig, die Betroffenen daher noch Arbeitnehmer im Betrieb. So einfach.

  23. Zschertnitzer
    3. März 2014 at 08:47

    Ich finde gut, dass jetzt der Klageweg beschritten wird. In die Entscheidung des Arbeitsgerichtes habe ich mehr Vertrauen, als in das Urteilsvermögen des sympathisierenden Straßenmobs.

    Ich bin gespannt auf das Ergebnis.

  24. 3. März 2014 at 12:17

    @ Zschertnitzer:
    Das Arbeitsgericht wird die drei ausgesprochenen Entlassungen als rechtswiedrig und damit nichtig einstufen. Die Kalex, wenn nicht dumm und die letzten Wochen genutz habend um sich fachanwaltlichen Rat ein zu holen wird sie ganz einfach noch mal entlassen. Diesmal mit einer besseren Begründung als „ich hab nichts unternommen den Dieb zu finden, darum entlasse ich mal die Betriebsgruppe der Gewerkschaft“.

  25. falky
    3. März 2014 at 21:47

    Was isn hier eigentlich los?
    Ganz ehrlich, als ich das erste mal von der Geschichte gelesen habe, war der erste Gedanke Werbeaktion.
    Dass es nicht so ist und wie sich das „entwickelt“, lässt mich einfach nur fassungslos dreinblicken.
    Wenn dann auch noch angefangen wird irgendwelchen Rechtsmüll eizubeziehen, weiß ich echt nicht an was man überhaupt noch glauben soll. Vielleicht noch CDU Ortsverband als Schlichter einsetzen? Wie wärs?
    Fand den Flugfetzen ganz gudd, das Argument mit den Kameras ist z.B. durchaus nicht von der Hand zu weisen.
    http://s14.directupload.net/images/140303/mpd5xoqn.jpg
    Ich blick nimmer durch …

  26. nurmalso
    4. März 2014 at 11:24

    @Sündi-Kater: Gut geschrieben :)

    Meine Meinung: Aus die Maus, weitermachen, in 12 Monaten redet kein Mensch mehr drüber. Schön, wenn die Geschichte manche Dinge auch mal selbst erledigt. Die Beteiligten werden auch ohne oder mit oder trotz dem Trotzdem ihren Weg in die Zukunft finden. Sind doch zumindest alle sehr kreativ, wie es scheint.

  27. christoph
    3. Juli 2014 at 18:22

    gibts eigentlich „Neuigkeiten“ wie diese Geschichte ausgegangen ist ?? erst gabs riiiiesige Wellen und jetzt wird uns das wahre Ende der Story vorenthalten.. :)

    • 3. Juli 2014 at 18:29

      Die Kneipe wird nicht mehr bestreikt. Der Arbeitskampf endete mit einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht. Soweit ich weiß, wurden die Kündigungen um einen Monat verschoben, aber inzwischen arbeitet wohl keiner der Streikenden mehr in der Kneipe.

  28. christoph
    3. Juli 2014 at 19:13

    aha… danke

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