Wahlkämpfer mit Fahne

Eigentlich wollte ich mich nur gemütlich mit ein paar Freunden in der neuen In-Kneipe zum Farfalle-Essen treffen. Der Termin war schon seit einer kleinen Weile geplant, doch bekanntlich hat der Kulturaktiv e.V. gestern Politiker zur “Dem Volk aufs Maul – SCHAU” eingeladen. Das Spektakel startete mit einiger Verzögerung, aber dafür recht gut besetzt.

Der Plan war, dass die Kandidaten von einem Tisch zum nächsten wechseln, um die Anwesenden von ihren politischen Zielen innerhalb von fünf Minuten zu überzeugen. An unseren Tisch kamen in dieser Reihenfolge Dr. Martin Schulte-Wissermann (Bürgerbündnis), Patrick Schreiber (CDU), Sabine Friedel (SPD), Jens Hoffsommer (Grüne), Julia Bonk (Linke) und Johannes Lohmeyer (FDP). Wenn es den Politikern nicht gelang, uns von ihren Zielen zu überzeugen, mussten sie eine Runde Kirschlikör schmeißen, wenn sie erfolgreich waren, durften sie selber trinken.

Sei es nun, dass wir den Kirschlikör nicht mochten oder lieber Politiker mit Fahne sehen wollten, wir waren von fast allen begeistert. Und alle tranken auch brav bei uns am Tisch ihr Likörchen aus.

Schade, dass zwei der wichtigen Neustädter Kandidaten, Walter Kaplan von den „Freien Bürgern“ und der Spitzenkandidat der Linken, Jens Matthis, nicht da waren. Im Anschluss entspannen sich noch ziemlich spannende parteiübergreifende Gespräche, sogar etliches an Klatsch und Tratsch kam da auf den Tisch, aber ich hab hoch und heilig versprochen, nix weiter zu erzählen. Jedem der gestern nicht da war, kann ich nur zurufen, selbst schuld – denn so nah kommt man an die Damen und Herren Politiker nur selten heran.


Anzeige

Mitarbeiter gesucht bei Simmel

12 Kommentare zu “Wahlkämpfer mit Fahne

  1. schön, was politiker alles tun um das volk von ihrer qualität bzw. den möglichkeiten der demokratie zu begeistern.
    aber im ernst: ich frage mich, was die politiker mit solchen aktionen erreichen wollen. oder sind die einfach nur verzweifelt? ist es am ende vielleicht schon tittytainment? – dann hätte ich noch einen verbesserungsvorschlag dazu: bei den nächsten kommunalwahlen sollten die kandidaten an jedem tisch, an dem sie nicht mit ihren argumenten überzeugen konnten, ein kleidungsstück ausziehen. versteht sich von selbst, dass es dazu einen video live stream im internet geben wird. schön verpackt als „democracy3.0!“

  2. Sehr schön ausgewogen. Das Ganze war sicherlich (in jeglicher Hinsicht) gehaltvoller als zurückliegende Parodiumsdiskussionen (die erste war noch die beste). Aber „Freie Bürger“ immer in Anführungsstrichen setzen! Denn freier Bürger kann man auch sein, ohne „Freier Bürger“ zu sein.

  3. Stammtischpolitik? Funzt doch auch immer gleich. Man liegt zu Tische und nix kommt bei rum. Dumm nur wenn man auch noch die Zeche zahlen muss.

  4. @ Achim: oder so: „freie“ Bürger … btw. müsste man dann die „Linke“ nicht auch in Anführungsstriche setzen, denn links oder linkisch sind ja auch andere … ;-)

  5. Nein, ich finde „Freie Bürger“ besser, denn das ist ja ein feststehender Begriff – und außerdem scheint Deine Version zu suggerieren, dass es sich um vermeintlich „freie“, aber eigentlich unfreie Bürger handle – was ich nie anzudeuten wagte!

    @Torsten: Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie ernst man die Entgegensetzung von „Volk“ und „Politikern“ nehmen kann.

  6. @achim: und ich finde es immer wieder erstaunlich wie erstaunlich manche „politiker“ die reaktionen „des volkes“ finden. man sollte das volk abschaffen.

    zur „entgegensetzung zwischen Volk und Politikern“:

    gerade obiger artikel scheint ja einem begriff von „entgegensetzung zwischen Volk und Politikern“ vorschub zu leisten. da ist die rede davon, dass „man“ (leider ist das Volk nur unpersönlich) an die Damen und Herren Politiker nur selten so nahe herankommt.

    ich denke nicht, dass es diese „Entgegensetzung von “Volk” und “Politikern”“ gibt, denn ich bin ein politiker.

    dennoch bin ich wiederum auch ein anderer politiker als du, der du mit politik geld verdienen kannst. diese unterschiede (nicht gegensätze) zwischen dir als politiker und mir als politiker lassen sich z.b. durch einen vergleich unserer tagesabläufe, unseres verhaltens in bestimmten situationen, der orte an denen wir uns aufhalten und der rituale, zu denen wir beitragen, feststellen.

    um das mal an einem beispiel zu illustrieren: vielleicht kennst du ja computerspiele mit zauberern. diese zauberer haben am anfang immer ganz wenig zauberkraft und müssen sich deswegen ziemlich abrackern. Um z.B. mal jemanden heilen oder verhexen zu können, müssen sie auf der Spielfläche immer ganz nah an ihn rantippeln.
    Wenn solche Zauberer im Verlaufe des Spiels gewissen Regeln folgen, haben sie gute Chancen, dass sie mit der zeit mehr zauberkraft bekommen und dann irgendwann mit einem fingerschnips ganz tolle sachen machen können, z.B. viele Leute schon von weitem verzaubern. sie müssen sich dazu kaum noch bewegen und tun das dann meistens aus landtagen oder staatskanzleien heraus.

    so ein schwacher zauberer bin ich und ein etwas stärkerer zauberer bist du und mit wachsender zauberkraft wächst die fähigkeit die spielregeln zu beeinflussen und die schwächeren zauberer zu verzaubern. da diese schwachen zauberer natürlich auch ein bisschen zaubern können, werden die zaubereien der starken zauberer auch immer ein bisschen von den schwachen zauberern beeinflusst.

    Daher ist „entgegensetzung“ auch der falsche begriff. ich würde eher sagen: zwischen „volk“ und „politikern“ gibt es einen ständigen, momentan sehr institutionalisierten und hochritualisierten aushandlungsprozess von „macht“.
    wenn plötzlich niemand mehr an die zauberer glauben würde (i.e. nicht wählen ginge), wäre dieser prozess erstmal beendet und mit der zeit würden sich neue rituale und institutionen bilden.

  7. Torsten, naja… Ich gebe ja zu, dass ich Angestellter einer Landtagsfraktion bin – aber da bin ich eben nur Angestellter. Ich bin aber auch schon mal gefragt worden, ob ich als Ortsbeirat „hauptberuflich“ tätig sei…, da gibt es ziemlich schiefe Vorstellungen. Es gibt nicht mal hauptberufliche Stadträte, also stimmt die „Politiker“-Vorstellung bei den TeilnehmerInnen der Runde auch nicht, wenn man sie nicht mit der nötigen Ironie bedenkt. Leute verzaubern ist auch nicht meine Absicht, aber ich habe nichts dagegen, wenn Menschen der Zauberei mit Skepsis begegnen.

  8. schön. ich kann mein geld leider nicht mit politik verdienen. das ist nicht als vorwurf gemeint, sondern soll lediglich die behauptung kontern, dass es keinen unterschied zwischen volk und politikern gäbe.

  9. @Torsten – ok. Der Unterschied zwischen dem Volk und den Politikern ist also, dass die einen ihr Geld mit Politik machen verdienen, und die anderen mit Brötchen backen oder Webseiten designen. Wenn das der einzige Unterschied ist …

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.