Schüler = Heringe?

Heute fand die zweite große Beratungsrunde zum drohenden Grundschulnotstand im Ortsamt Neustadt statt. Das Ergebnis: Es wird eng. Die 4. (am Rosengarten), die 30. (Hechtviertel) und die 103. Grundschule (Regenbogenschule) bekommen vier erste Klassen, die 15. Grundschule auf der Görlitzer drei.

Da die Anmeldezahlen zum Teil deutlich über den sich daraus ergebenden Richtwerten liegen, werden wahrscheinlich allen Klassen 28 Schüler zugeteilt. Thomas Platz, der Sprecher der Initiative der Neustädter Elternvertreter, kommentierte das am Abend so: „Das Schulverwaltungsamt stopft die Schulen voll“. Dieses Voll-Stopf-Rechenexempel geht aber nur dann auf, wenn insgesamt noch mindestens 14 Schüler in nicht staatliche Schulen ausweichen.

Einzig die 19. Grundschule am Jägerpark ist unterbelegt. Allerdings ist diese Schule für Kinder aus der Äußeren Neustadt oder dem Hechtviertel nur sehr schwierig zu erreichen. Der in der gestrigen Ortsbeiratssitzung vorgeschlagene Schülerverkehr zu dieser Schule wird nicht eingerichtet.

Vor der Beratung hatte Platz dem Schulbürgermeister Winfried Lehmann (CDU) noch 1457 Protestpostkarten überreicht, auf der die Schüler symbolisch in eine Fisch-Dose gequetscht wurden. Ähnliche Zustände drohen nun an den Neustädter Grundschulen. Dabei könnte es für die nächsten Jahre noch drastischer werden, da die Kinderzahl im Viertel kontinuierlich steigt.

Grüne und SPD hatten bereits vor Monaten einen Schulneubau gefordert und es gibt sogar ein ganz interessantes Angebot. Manfred Kaiser, der Geschäftsführer der Projektgesellschaft Wohnen am Alaunpark GmbH will ein Schulgebäude bauen, dass er für die geburtenstarken Jahrgänge der nächsten 15 bis 20 Jahre an die Stadt vermieten will. Damit hätte die Stadt kein Investitionsrisiko, erklärt Thomas Platz, der von Schulbürgermeister Lehmann heute gehört hat, dass dieser sich den Vorschlag immerhin mal ansehen werde.

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5 Kommentare zu “Schüler = Heringe?

  1. 11. Februar 2011 at 11:46

    Die SPD hat in einer Pressemitteilung Schulbürgermeister Lehmann kritisiert:

    (Dresden, 10. Februar 2011) Die SPD Dresden-Neustadt spricht sich vehement für eine neue Schule in der Neustadt aus. Den kürzlich von Bürgermeister Lehmann gemachten Vorschlag, in den vorhandenen Räumen enger zusammen zu rücken, finden die Sozialdemokraten absurd: „Hier wird Schulplatznot mit System geschaffen!”, sagt Ortsvereinsvorsitzender Swen Steinberg.

    Ortsbeirat Christoph Meyer meint: „28 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse sind zwar rechtlich zulässig, aber sinnvoller Unterricht sieht anders aus. Herrn Lehmanns Vision für die Neustadt ist, dass die Familien wegziehen. Das ist erbärmlich. Der Ortsamtsbereich Neustadt ist ein gefragter, lebendiger Teil Dresdens. Hier wird immer mehr gebaut, und das ist gut so. Die Stadt muss dann eben auch bauen, und zwar eine neue Schule für die Neustadt. Dafür ist genug Platz, zum Beispiel auf dem alten Postgelände.“

    Swen Steinberg ergänzt: “Die Geburtenzahlen in Dresden zeigen seit Jahren nach oben. Die Stadtspitze tut ja gerade so, als wäre es ein Geheimnis, dass Kinder auch irgendwann in die Schule kommen. Weitsicht scheint dort ein Fremdwort zu sein”. Für die Zukunft fordern die Neustädter Sozialdemokraten ein funktionierendes Konzept. Und für die Gegenwart fordern sie mehr Kreativität der Stadt, um zusätzliche Räume bereit zu stellen. Steinberg: “Das Planungsversagen der Stadt darf nicht auf dem Rücken der Neustädter Kinder ausgetragen werden. Jedes Kind braucht seinen Schulplatz, und zwar jetzt.”

  2. 11. Februar 2011 at 12:48

    Dem sollte man aber fairerweise hinzufügen, dass es in sehr absehbarer Zeit auch wieder einen Rückgang der Kinderzahlen geben wird. Der entsteht natürlicherweise aufgrund des Geburtenknicks nach der Wende. Die Verwaltung muss also mit Augenmaß handeln.

  3. Kasper
    12. Februar 2011 at 17:15

    stefanolix, rechne doch mal kurz nach wann der Geburtenknick (Anfang der 90er) das Grundschulalter erreicht (6-7 Jahre) ;-)
    Was du meinst ist aber klar und hinter einer ähnlichen Aussage versteckt sich wohl auch die Stadtverwaltung, Aber:

    Der Statistische Informationsdienst der Stadt Dresden schätzt, das bis 2025 die Anzahl der BEwohner unter 18 Jahren im Verhältniss zur GEsamteinwohnerzahl steigt.

    Siehe http://www.dresden.de/media/pdf/statistik/11__ussere_Neustadt.pdf

    Dazu sei bemerkt: der Jugendquotient (hier falsch in Prozent angegeben) bezeichnet das Verhältnis aller Personen zwischen 18 und 65 Jahren zur Anzahl der Personen bis 18 Jahre. Größerer Wert bedeutet mehr Jugendliche

  4. 12. Februar 2011 at 20:18

    Es geht mir doch aber um das Defizit, das entsteht, wenn die 1990er Jahrgänge selbst Kinder bekommen werden.

    Eine 1992 geborene Frau wird ihr erstes Kind wahrscheinlich irgendwann zwischen 2015 und 2030 bekommen (je nach ihrer persönlichen Situation). In der Zeit um 1992 kamen aber sehr viel weniger Kinder auf die Welt als in der DDR in den 1980er Jahren. Also entsteht hier im Osten ein zweiter Knick, weil die Mütter und Väter fehlen. Deshalb ist es sinnvoll, die Kapazitäten der Schulen mit viel Augenmaß zu ändern.

    Es ist sehr schön, dass gerade in Dresden die Kinderzahlen wieder so hoch sind. Aber der Knick Anfang der 1990er Jahre wird trotzdem seine Auswirkungen haben.

  5. 20. Februar 2011 at 18:56

    Zu berücksichtigen ist aber auf lange Sicht eben auch wieder der insbesondere hier absehbare Wiederanstieg der Kinderzahlen, wenn sich der Geburtenanstieg der letzten Jahre niederschlägt. Also: Kapazitäten müssen ohne Frage zusätzliche geschaffen werden, aber flexibel. So gehe ich grundsätzlich mit dem Vorschlag der SPD, neue Schulen künftig so zu gestalten, dass sie bei geringerer Schülerzahl auch als Kita oder Hort genutzt und später wieder problemlos auf Schule umstrukturiert werden können.

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